Kronach
Literatur

Tüschnitzer Vater schreibt Märchenbücher

Patrick Sünkel aus Tüschnitz schreibt Geschichten mit viel Fantasie, die zum Nachdenken anregen. Die gefallen nicht nur seiner Tochter Momo.
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Patrick Sünkel liest gerne aus seinen Büchern vor. Tochter Momo ist sein größter Fan. Foto: Sandra Hackenberg
Patrick Sünkel liest gerne aus seinen Büchern vor. Tochter Momo ist sein größter Fan. Foto: Sandra Hackenberg

Wenn Momo gefragt wird, welches Buch ihr liebstes ist, würde die Achtjährige mit Sicherheit sagen: "Das von meinem Papa." Denn Patrick Sünkel liest seiner Tochter nicht nur regelmäßig Märchen und mystische Geschichten vor: Er schreibt sie auch selbst.

Gerade hat der Tüschnitzer sein zweites Buch innerhalb von einem Jahr veröffentlicht, das dritte ist bereits in Arbeit. Wer bei so viel Produktivität jedoch denkt, Sünkel sei als Autor geboren worden, der irrt: Der gelernte Fernsehtechniker hatte mit Schriftstellerei in seiner Jugend nichts am Hut. "Mit Anfang 20 habe ich dann mit Gedichten angefangen", erinnert sich der 37-Jährige. Die seien immer länger und länger geworden. "Und dann wollte ich auch mal eine Kurzgeschichte schreiben."

Der Rest ist buchstäblich Geschichte. Eine seiner ersten war "Die kleine Weihnachtstanne", die Sünkel für seine Mutter geschrieben hat. "Als ich sie ihr an Weihnachten vorgelesen habe, hatte sie Tränen in den Augen", berichtet er, noch immer sichtlich gerührt von dem damaligen Ereignis.

Eine kleine, krumme Tanne

Nicht minder rührend ist die Geschichte der kleinen Tanne im Wald, die eigentlich zu einem großen, starken Weihnachtsbaum heranwachsen sollte. Doch: "Diese eine Tanne war kleiner und schmächtiger als all die anderen Tannen, und krumm war sie auch noch", liest der Autor vor. Die anderen Tannen verspotteten sie: "Aus dir wird nie ein richtiger Christbaum. Aus dir könnte man ja nicht einmal einen Quirl bauen."

Aber wie es Weihnachtsmärchen an sich haben, nimmt die Geschichte der kleinen Tanne doch noch ein gutes Ende. Sie ist inzwischen Teil von Sünkels Erstlingswerks "Eine wunderbare Geschichte", in der ein Junge namens Joschua einen zauberhaften Entdeckungswald betritt. Dort gelangt er an märchenhafte Orte und begegnet fabelhaften Tieren wie Feuerbären, Seiltänzerhörnchen und wunderbunten Vögeln.

Doch bald bemerken die Waldbewohner, dass die Blätter einiger Bäume absterben. Eine Umweltkatastrophe droht! Joschua und seine neuen Freunde wollen den Zauberwald retten und erleben dabei allerhand Abenteuer.

Doch woher nimmt der Tüschnitzer all diese Ideen? "Ich bin mit Geschichten von Astrid Lindgren, Otfried Preußler und Michael Ende aufgewachsen. Bücher voller Fantasie und Humanität", erklärt Sünkel.

Da ist es auch wenig verwunderlich, dass Tochter Momo genauso heißt wie die Protagonistin aus dem gleichnamigen Werk von Michael Ende. Was Sünkels "wunderbare Geschichte" mit denen seiner Vorbilder außerdem gemein hat: "Es ist ein All-Age-Buch, also eine Geschichte für jedes Alter.

Sünkel weiß von einer Familie, in der zuerst die Tochter sein Buch gelesen hat: "Dann wollte die Mutter nur mal rein schauen - und hat am Ende das ganze Buch gelesen. Und der Vater danach auch noch."

Das und Erlebnisse wie neulich im Supermarkt, als ein kleines Mädchen zu ihm gekommen sei und ,Du, ich lese gerade dein Buch' gesagt habe, freuen den gebürtigen Kronacher am meisten. "Dafür mache ich das und nicht, um mit den Büchern reich zu werden."

Die Tochter als Lektorin

Sogar im Kindergarten seiner Tochter hätten die Erzieherinnen schon aus Sünkels Buch vorgelesen. Und auch bei seiner täglichen Arbeit mit Menschen, die an Autismus leiden, greift der Heilerziehungspfleger gerne auf seine eigenen Bücher zurück, wenn er ihnen vorliest.

Sünkels Tochter hat während der Entstehung als Lektorin fungiert. "Immer, wenn ich ihr ein Kapitel vorgelesen habe, hat sie gefragt, wie es denn weitergeht", erzählt er. "Dann musste ich ihr sagen: ,Das weiß ich selbst noch nicht‘", denn die Geschichte habe sich während des Schreibens entwickelt.

Inzwischen hat Sünkel sogar erste Rezensionen bei Amazon bekommen. Das habe ihn sehr gefreut. "Der Autor beschreibt wunderbar die Umgebung und die Charaktere, so dass man sofort in den Bann der Geschichte gezogen wird", schreibt Käuferin "IrishCherry". "Das Buch vermittelt ein Gemeinschaftsgefühl und setzt sich mit Umweltverschmutzung auseinander."

Eine andere Käuferin gibt an, das Buch ihren Enkelkindern vorlesen zu wollen. "Am Anfang hatte ich die Erwartung: ,Wenn das mal 50 Leute kaufen, freue ich mich‘", erzählt der Schriftsteller weiter. Inzwischen sind es jedoch deutlich mehr.

Doch nicht nur Märchen treiben Sünkel um: In seinem zweiten Buch "Ebeil" (Liebe rückwärts gelesen) setzt er sich in drei Kurzgeschichten mit der Macht von Erinnerungen und Selbstreflektion zum Thema Liebe auseinander. "Worüber ließe sich schöner reflektieren als über die Liebe und ihre Auswirkungen?", philosophiert der Autor.

Während er bei seinem Debütroman bewusst eine Fantasiegeschichte schreiben wollte, kam die Idee für dieses Buch ganz unerwartet: "Ich habe mich über eine Bekannte geärgert, bin nach Hause gekommen und dachte mir: ,Wie kann ein Mensch so unreflektiert sein?‘"

Aus dieser Frage entstand schließlich ein ganzes Buch. Das dritte, an dem Sünkel gerade arbeitet, wird hingegen eine Art Fortsetzung seiner "wunderbaren Geschichte". Das hätten sich viele seiner Leser gewünscht. Und Momo freut es sicher auch.

Bücher

Die Bücher von Patrick Sünkel sind bei Rewe in Küps, im Lesezeichen in Kronach sowie bei

HO Schulze in Burgkunstadt erhältlich. Außerdem können sie über jede Buchhandlung oder über Amazon bestellt werden.

"Eine wunderbare Geschichte":

IBAN 9783746785349

"Ebeil":

IBAN 783748581017

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