Wallenfels
Machbarkeitsstudie

Trockenheit in Wallenfels macht nicht nur Flößern Leben schwer

Am Beispiel der Tourismusflößerei in Wallenfels wurde schon im zweiten Jahr in Folge ersichtlich, wie sehr die Region unter dem Klimawandel leidet.
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Viel zu selten konnten die Wallenfelser Flößer ihren Gästen heuer ein nasses Vergnügen bereiten. Foto: Archiv/Matthias Hoch
Viel zu selten konnten die Wallenfelser Flößer ihren Gästen heuer ein nasses Vergnügen bereiten. Foto: Archiv/Matthias Hoch

Die Wallenfelser Flößer saßen heuer mehrfach auf dem Trockenen. Das gleiche Bild zeichnete schon das Jahr 2018. Seitdem sind insgesamt 17 Fahrten der Touristengaudi auf der Wilden Rodach abgesagt worden. Der Grund: Es fehlte an Regen, dafür mangelte es nicht an Hitze. Der Pegel sank auf ein bedenkliches Niveau. Schon seit einem Jahr ringt Bürgermeister Jens Korn (CSU) darum, eine umfassende Antwort auf die Folgen des Klimawandels für seine Stadt zu finden - nicht nur wegen der Flößerei. Nun ist ein wichtiger Schritt geschafft.

Wie Korn am Dienstag auf Anfrage des Fränkischen Tags bestätigte, soll eine bereits im Jahr 2018 diskutierte Machbarkeitsstudie die Lösungsansätze aufzeigen. Elementarer Bestandteil dieser Studie wird der Bau eines Rückstaubeckens sein, das eine Regulierung des Flusspegels ermöglicht.

Der Bürgermeister erinnert sich noch gut an skeptische Äußerungen nach dem vorjährigen Trockensommer. Er erklärt: "Viele haben damals vielleicht gesagt: ,Das war ein singuläres Ereignis. So schlimm wird's schon nicht mehr werden.‘" Unterm Strich steht 2019 jedoch eine ausgefallene Fahrt mehr als noch 2018.

Korn will das Problem mit dem Klima aber nicht nur auf die Flößerei herunterbrechen. Es sei eine viel umfassendere Herausforderung, welche die gesamte Gewässerökologie beeinträchtige. "Bei Niedrigwasser steht das gesamte Leben im Fluss unter Stress", betont das Stadtoberhaupt. Deshalb müsse bei einem Pegelstand von 107 das Flößen eingestellt werden. Heuer fiel der Pegel auf 100, zeitweise sogar auf 97. Was für den Laien auf den ersten Blick harmlos wirkt, hat laut Korn aber eine enorme Bedeutung. Seiner Schilderung nach heißt Pegelstand 107 einen Durchfluss von 200 Litern pro Sekunde. Bei Pegelstand 100 nur noch 50 Liter pro Sekunde - also 75 Prozent weniger.

Wetterextreme

Außerdem dürfe nicht nur die Trockenheit berücksichtigt werden. Die Wetterextreme schlügen in beide Richtungen aus. Fehlte nun zwei Jahre lang das Wasser, so habe es beispielsweise 2013 den Ausfall einer Fahrt gegeben, weil es zu viel geregnet habe. "Das war eine schwierige Situation. Da sind wir kurz vor dem Abkippen in ein Extremhochwasser gewesen", erinnert sich Korn an eines der immer häufiger werdenden punktuellen Starkregen-Ereignisse.

Auch hier sei die Flößerei aber nur ein Indiziengeber einer umfassenderen Entwicklung. Da das Wallenfelser Siedlungsgebiet zu großen Teilen im Bereich eines 100-jährigen Hochwassers liege, würden solche Ereignisse zu einem enormen Entwicklungshemmnis für die Stadt. "Wir müssen daher etwas für den Hochwasserschutz tun", unterstreicht Korn.

Er erkennt, dass ein entsprechendes Umdenken in der Politik Einzug hält. Seiner Ansicht nach ist der Klimawandel dort in den Köpfen angekommen. Und er scheint, damit Recht zu haben. Der Freistaat hat nun nämlich grünes Licht für eine Machbarkeitsstudie gegeben und wird auch die Finanzierung übernehmen. 2019 und 2020 sollen die Arbeiten für die Studie durchgeführt werden, die Lösungsansätze für die Wallenfelser Situation aufzeigen soll.

Dem Bürgermeister ist wichtig, dass nicht etwa nur ein Modell für die Flößerei angestrebt wird. "Wir haben nur eine Chance etwas zu erreichen, wenn wir die drei Herausforderungen im Paket lösen: Ökologie, Flößerei und Hochwasserschutz." Deshalb brauche es in diesem Fall einen "360-Grad-Blick" auf alle Facetten der Problematik.

Zeit überbrücken

Im nächsten Jahr rechnet Korn also damit, Lösungswege aufgezeigt zu bekommen. Wann diese Ideen und damit wohl auch der Bau eines Rückstaubeckens von den Planunterlagen in die Landschaft wandern werden, vermag er aber nicht abzuschätzen. Die Umsetzung hänge zu sehr von der Form der Lösungsansätze ab.

Damit in der Zwischenzeit nicht wieder zu viel oder eben zu wenig Wasser die Wilde Rodach hinunterfließt, verspricht Korn, als Überbrückung kurzfristige Maßnahmen in Angriff zu nehmen. So sollen die Flößertermine im Jahr 2020 neu geregelt werden. Ein früherer Saisonbeginn ist das Ziel, um der trockensten Phase im Hochsommer auszuweichen. Außerdem werden kleinere Rückstaumöglichkeiten geprüft.

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