Kronach
Dirndl

Trachtentrends in Kronach: Tradition, Mode, Einheitstracht

Spangen statt Schleifen, hochgeschlossene Blusen und viel Glitzer und Glamour: Das sind die neuen Dirndl-Trends.
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Anna Jeske sucht die passenden Accessoires für das selbstgenähte Dirndl, rechts ihre Schwester Nora an der Nähmaschine.  Fotos: Cindy Dötschel
Anna Jeske sucht die passenden Accessoires für das selbstgenähte Dirndl, rechts ihre Schwester Nora an der Nähmaschine. Fotos: Cindy Dötschel
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Satinbänder in allen erdenklichen Farben sind unterhalb eines weißen Regals befestigt. Gegenüber liegt auf einem grauen Tisch ein Dirndl mit einem dunkelgrünen Rock. Passend dazu ein geblümtes Oberteil. "Vor zehn Jahren sind wir wieder in die Heimat gekommen, um unseren eigenen Laden zu eröffnen", sagt Anna Jeske. Ihre Schwester Nora kommt dazu und legt das Dirndl zum Bügeln auf ein blaues Brett. Gemeinsam betreiben sie das Atelier "Schwe Stern" in der Oberen Stadt.

Angefangen habe damals alles mit einer kleinen Dirndl-Kollektion. "Mittlerweile können die Kundinnen ihr Dirndl durch ein Baukastensystem selbst zusammenstellen", berichtet Anna Jeske. Es könne zwischen verschiedenen Stoffen, Schnitten, Ausschnittformen und Schürzen gewählt werden.

Einige wenige Ausstellungsexemplare gibt es auch zur Anprobe. "Wir versuchen, das Beste für jeden zu finden, am Ende sind wir Stylistinnen", wirft Nora Jeske ein. Dabei sei die Hautfarbe und die Figur der Kundinnen entscheidend. Individualität braucht Zeit: Wer sich ein Dirndl im Atelier "Schwe Stern" bestellt, muss mit einer Wartezeit von vier bis acht Wochen rechnen.

Tupperparty zum Oktoberfest

Der Hype um das Dirndl sei Anna Jeskes Einschätzung nach nicht mehr so groß wie früher: "Wir haben uns durch unseren Stil etabliert." Diesen beschreiben die Schwestern als schlicht. "Die Dirndl haben keine Borten und Bänder, sind einfarbig und haben einen hoch geschlossenen Ausschnitt", sagt Nora Jeske.

Ein echtes "Schwe Stern"-Dirndl erkennt man am Satinband an der Schürze: "Das Satin-Band, mit dem die Schütze gebunden wird, ist unser Markenzeichen." Weil jedes einzelne Dirndl in Handarbeit angefertigt wird, seien die Preise entsprechend höher als beim Kauf eines Dirndls "von der Stange".

Bis Anna und Nora Jeske ihre Dirndl vollständig selbst herstellten, war es ein langer Weg: Durch das Projekt "Pimp Your Dirndl" lernten Nora und Anna Jeske vor über zehn Jahren in München eine Frau kennen, die Filztaschen herstellte. "Gemeinsam mit ihr haben wir unsere Schürzen und ihre Taschen privat präsentiert und verkauft, wie auf Tupperpartys", erinnert sich Nora Jeske.

Dass sie einmal ganze Vereine ausstatten würden, hatten sie damals nicht gerechnet. "In diesem Jahr läuft die Schützengesellschaft Ludwigstadt beim Oktoberfestumzug in München mit unseren handbemalten Schürzen mit", sagt Anna Jeske stolz.

In der aktuellen Saison seien vor allem Dirndl in Rostbraun und Orange sehr gefragt. "Letztendlich sucht sich sowieso jede aus, was ihr gefällt", weiß Nora Jeske aus Erfahrung. Im Trend seien auch Trachtengürtel, deren Verschluss die Schleife des Dirndls ersetzt. Hier müsse man allerdings aufpassen, dass der Gürtel auch zu der Farbe des Kleides passe. Ein neuer Trend sind seit dieser Saison Spangen für die Schleifen der Kleider. "Mit den Spangen wird die Schleife nach oben gehalten", berichtet Anita Wich-Glasen, die seit drei Jahren als Verkäuferin und Schneiderin bei Kümmet arbeitet. Die Position der Schleife gibt Aufschluss über den Beziehungsstatus der Trägerin: "Wer verheiratet ist, bindet seine Schleife auf der rechten Seite beim Ehering. Wer auf der Suche ist, bindet die Schleife links."

Dirndl als Modeerscheinung

Ihrer Einschätzung nach hat sich das Dirndl mittlerweile von der Einheitstracht hin zur Modeerscheinung gewandelt.

Heute sei das Dirndl ein Muss: "Im Trend liegen dieses Jahr besonders Kleider mit Spitze und Glitzer." Am besten verkaufe sich derzeit ein Modell in hellen Beigetönen. Blusen, die nach oben geschlossen sind, würden außerdem wieder mehr nachgefragt.

Neben modernen Dirndln gibt es bei Kümmet auch traditionelle Modelle zu kaufen. "Früher wurde das Dirndl auch zum Waschen getragen, weshalb traditionelle Dirndl auch unter dem Begriff ,Waschdirndl' bekannt sind", erklärt die Verkäuferin. Ein traditionelles Dirndl könne auch ohne Bluse angezogen werden.

"Die Trachtenmode lebt vom Zeitgeist, auch Retrodirndl kommen wieder", weiß Franz Büttner, der seit mehr als zehn Jahren Dirndl und Lederhosen in Johannisthal verkauft. Während in Oberbayern mehr Tradition gelebt wird, wollen die jungen Frauen in Franken vor allem "schöne Kleider mit Glitzer und Glamour". Transparente Schürzen, die mit Perlen verziert sind, seien derzeit beliebt.

Die Mode verändert sich ständig, dennoch würden einige Trends nach der einer gewissen Zeit zurückkommen: "Alles wiederholt sich. Beispielsweise können Karomuster in einigen Jahren wieder zurückkommen, dann allerdings in einer anderen Form." Was die Trachtenmode für Männer betrifft, werden kaum noch Lederhosen mit Geschirr verkauft. "Vor allem junge Leute suchen eher Lederhosen, die wie Bermudas geschnitten sind", berichtet Büttner.

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