Kronach
Zusammenstoß

Tödlicher Unfall bei Kronach: Viele Schaulustige

Eine Frau aus dem Landkreis Kronach kam am Mittwochmittag zwischen Küps und Oberlangenstadt ums Leben. Ihr Kleinwagen prallte mit einem Minivan zusammen.
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Der Wagen der 58-Jährigen (vorne) wurde beim Zusammenprall total demoliert. Auch der Seat (dahinter) sah im Front- und Seitenbereich verheerend aus. Foto: Marco Meißner
Der Wagen der 58-Jährigen (vorne) wurde beim Zusammenprall total demoliert. Auch der Seat (dahinter) sah im Front- und Seitenbereich verheerend aus. Foto: Marco Meißner
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Der Gang an die Unfallstelle fällt mir schwer. Dabei war ich für unsere Zeitung und als Rotkreuzler schon bei zahlreichen Unfällen, bin auch die oft grausamen Bilder gewöhnt, die es dort zu sehen gibt. Doch dieses Mal ist es anders.

Die Polizei hatte mir gerade berichtet, was circa 50 Meter von unserem Standort entfernt kurz vorher geschehen war. "Nach Zeugenaussagen ist die Frau kontinuierlich nach links gekommen. Der Gegenverkehr konnte nicht mehr ausweichen", sagt der Kronacher Polizeichef Uwe Herrmann. Er zeigt auf die lang gezogene Kurve. Dort stehen zwei Wracks. Ein Bild, das mich an meinen Unfall erinnert, als zwischen Wallenfels und Erlabrück eine Fahrerin mit ihrem Wagen unaufhaltsam auf unser Auto zukam. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinab.

Doch was damals glimpflich für alle Beteiligten geendet hatte, mündete bei Küps in eine Tragödie. "Die Frau ist gestorben", erklärt der sachbearbeitende Beamte. Wie es während der Fahrt gesundheitlich um sie gestanden habe, darüber lasse sich noch nichts sagen. "Sie fuhr von Küps kommend in Richtung Oberlangenstadt und ihr Auto prallte in den Gegenverkehr. Die Gründe dafür sind noch unbekannt", stellt der Polizist fest.

Schaulustige vertrieben

Als ich die Unfallstelle erreiche, treffe ich auf einen aufgebrachten Feuerwehrmann. "Diese Schaulustigen!", schimpft er. Und Recht hat er! Zwar ist der immer noch eingeklemmte Leichnam der verunglückten Fahrerin durch eine provisorisch errichtete Absperrung vor neugierigen Blicken abgeschirmt und zusätzlich mit einer Rettungsdecke umhüllt - extrem pie tätlos wirkt die Neugierde aber trotzdem. Und sie ist störend für die Einsatzkräfte. "Da muss man Leute abstellen, um auf die Schaulustigen zu achten, obwohl sie in der Zeit wichtigere Aufgaben erfüllen könnten", ärgert sich der Feuerwehrmann, während er losstapft, um die nächsten Passanten in der Wiese neben dem Straßengraben zum Weitergehen aufzufordern.

Wenige Meter weiter, unmittelbar zwischen dem total zerstörten Opel Corsa der 58-Jährigen und dem Seat Alhambra, den der entgegenkommende Mann aus dem Fürther Raum gefahren hatte, treffe ich auf den Kronacher Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber. Er kommt gerade von dem leicht bis mittelschwer verletzten Unfallbeteiligten. Und er weiß, wie schwierig es ist, die Bilder an einer solchen Unfallstelle zu verarbeiten.

"Der Mann hat einen Schock", erklärt er, warum der Fürther noch nicht über die tödlichen Folgen des Zusammenpralls informiert wurde. Bei ihrem Gespräch sei es vielmehr erst einmal darum gegangen, auf die Bedürfnisse des Mannes einzugehen. So habe man sich darum gekümmert, die Familie und die Firma über den Unfall zu informieren. "Jetzt ist er erstmal beruhigt", erklärt Teuchgräber.

Auch die Helfer müssen den Unfall verarbeiten

Zu seiner Aufgabe gehört es aber auch, sich um die Retter vor Ort und gegebenenfalls Angehörige zu kümmern. Bei den Feuerwehrleuten, Rotkreuzlern und Polizisten handelt es sich in diesem Fall aber seinem Eindruck nach um erfahrene Kräfte, die mit der Situation umgehen können. Wobei Teuchgräber festhält, dass man in niemandes Seele schauen könne. Man wisse nie, ob es bei einem der Helfer abends nicht doch einen Flashback gibt, wenn er zu Hause ist und den Unfall verarbeitet.

Ebenso schwierig sei die Situation für die Angehörigen von Unfallopfern. Deshalb böten sich die örtlichen Seelsorger im weiteren Verlauf auch als Ansprechpartner an. Und den Todesopfern der Unfälle selbst sei natürlich schon vor Ort im Gebet eine Ehrbezeugung zu erbringen.

Und wie geht Teuchgräber selbst mit dieser Situation um, mit den Bildern, die sich zwangsläufig in die Gedanken einbrennen? "Ich vertraue das meinem Glauben an. Es ist meine Berufung, dass ich jetzt da bin. Den Rest überlasse ich dem Herrgott." Und in diesem Moment wird auch mir wieder klar, wie sehr wir alle doch in Gottes Hand liegen, wie glücklich ich und meine Mitfahrer uns schätzen dürfen, vor einigen Jahren nahezu unversehrt aus dem total beschädigten Wrack gestiegen zu sein. Aber bei meiner Rückkehr wird mir auch klar, wie wichtig es selbst für einen "abgebrühten" Redakteur ist, in einer solchen Situation Kollegen und die Familie zu haben, die einfach nur zuhören.
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