Nordhalben
Schieferwochen

Thema ist der Mauerfall

Martijn Smits, Nicole Bischoff und Ludo Roders bearbeiten im Künstlerhaus das historische Thema für die 3. Nordhalbener Schieferwochen, die noch bis zum 21. September stattfinden.
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Künstlerischer Leiter Martijn Smits und Bildhauerin Nicole Bischoff (rechts) sind seit einer Woche im Nordhalbener Künstlerhaus und gestalten zusammen mit Malerin Ludo Roders die 3. Nordhalbener Schieferwochen.  Foto: Norbert Neugebauer
Künstlerischer Leiter Martijn Smits und Bildhauerin Nicole Bischoff (rechts) sind seit einer Woche im Nordhalbener Künstlerhaus und gestalten zusammen mit Malerin Ludo Roders die 3. Nordhalbener Schieferwochen. Foto: Norbert Neugebauer

Gibt es nach 30 Jahren neue Interpretationen zum Mauerfall? Wurde noch nicht alles erklärt, gezeigt, dokumentiert, aufgearbeitet, spekuliert und abgehakt? Drei "niederländische" Künstler haben dem noch etwas hinzuzufügen.

"30 Minus"

Martijn Smits aus Utrecht gehört seit den Anfangstagen zum "Stammpersonal" des Nordhalbener Künstlerhauses und ist Leiter der von ihm initiierten Nordhalbener Schieferwochen. Seiner diesjährigen Einladung sind Landsfrau Ludo Roders aus Rotterdam und die seit langem ebenfalls in den Niederlanden im Ort Bennekom wohnende, aus Hessen stammende Nicole Bischoff gefolgt. Ihr Schaffen im Kreativzentrum "Maxhaus" steht unter dem Titel "30 Minus" - eine Auseinandersetzung mit den vergangenen drei Jahrzehnten seit dem der Eiserne Vorhang fiel und damit die deutsche Teilung beendet wurde. Dass es andere Gesichtspunkte gibt, als die, die zumindest die Einheimischen im Allgemeinen und zu den wiederkehrenden Jahrestagen im Besonderen im Kopf haben, wird schnell klar, wenn man mit den Künstlern spricht.

Verbindender Schiefer

Smits denkt in ganz anderen Dimensionen und ordnet das Geschehen in "Zeitachsen" ein, wobei er eher in erdgeschichtlichen Jahrmillionen denkt.

Da passt dann der Schiefer für seine Installation hinein, den er grün und gelb gestrichen, als Werkstoff für seine literarischen Gedankenspiele nutzt. Dabei ist das Gestein hier nicht nur allgegenwärtig, sondern auch verbindend über die Grenze hinweg - wurde es doch in Thüringen gewonnen und die Dächer in Franken damit gedeckt.

Nordhalbener haben in den Lehestener Brüchen und Spalthütten gearbeitet, die Produkte wurden im Ort zu Dachschiefer und Schultafeln verarbeitet. Der weitab von der innerdeutschen Grenze Aufgewachsene sah jedoch auch mit Interesse ein anderes System im DDR-Deutschland, die parallele Entwicklung der beiden Staaten, das Scheitern des einen und die darauf folgende Wiedervereinigung. Auch diese Wahrnehmung eines Nichtbetroffenen fließt in sein Werk ein.

Weitere Außenseiterin

Nicole Bischoff war in ihrer Kindheit ebenfalls nicht mit der Grenze konfrontiert und nähert sich daher ebenfalls als Außenstehende dem Thema.

Sie ist zum ersten Mal im Nordhalbener Künstlerhaus. Ihr erstes neues Werk zeigt zwei verschlungene Figuren, gefertigt aus heimischem Schiefer und chinesischem Wunderbaum, das sie "Mauer im Kopf" nennt. Ihre zweite große Skulptur, eine Dreiergruppe, soll nach Fertigstellung zunächst auch wieder den Skulpturenweg zieren. Geplant ist jedoch ein endgültiger Standort am ehemaligen Grenzstreifen, dem heutigen Grünen Band. "Die Mauer in uns" so der Titel, zeigt die gegenwärtigen drei Generationen, die das Trennende gedanklich und seelisch erst allmählich "abbauen".

Auch die Malerin Roders beschäftigt sich mit den "Schubladen im Kopf", die es wie die auch Mauer zu überwinden gilt, um die eigene Kreativität zu befreien. Sie hat erst mit ihrer Arbeit in Nordhalben begonnen.

Workshop und Vernissage

Die Kunstschaffenden können werktäglich im "Gläsernen Atelier" bei ihrer Arbeit besucht werden. Am morgigen Sonntag gibt es für Interessierte einen Workshop - "Selber schiefern". Beginn ist um 13 Uhr, nähere Infos dazu im Künstlerhaus.

Die Vernissage der neuen Arbeiten findet am nächsten Samstag, 21. September, um 18 Uhr im "Maxhaus" statt.

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