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Kronach
Innovation

Teststrecke in Oberfranken enthüllt: Hier verkehren bald selbstfahrende Busse

Selbstfahrende Busse, die junge Menschen nachts nach Hause und Senioren rund um die Uhr zum Einkaufen bringen: Was wie Zukunftsmusik klingt, könnte in Kronach bald Realität sein. Entscheidend ist nun die Testphase. Die Shuttles stehen schon bereit.
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Die selbstfahrenden Busse wurden am Dienstag am Neuseser Valeo-Standort enthüllt. Foto: Sandra Hackenberg
Die selbstfahrenden Busse wurden am Dienstag am Neuseser Valeo-Standort enthüllt. Foto: Sandra Hackenberg
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Von außen sehen die weißen Knutschkugeln ein bisschen wie die moderne Version eines VW Bullys aus. Ihr Innenraum ähnelt dem eines Stadtbusses - und streng genommen sind sie das auch. Worin sie ihrem großen Bruder jedoch Meilen voraus sind, ist die Technik.

Verdient mit stolzer Brust hat der Neuseser Standort des Automobilzulieferers Valeo am Dienstag das erste Shuttle enthüllt, das bereits im kommenden Jahr auf Kronachs Straßen fahren soll - exakt vier Wochen, nachdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen Förderscheck über zwölf Millionen Euro an die Beteiligten des Projekts "Shuttlemodellregion Oberfranken" übergeben hat.

"Heute ist ein großer Tag, denn Oberfranken steht an der Spitze des Fortschritts. Wir sind genauso eine Smart Region wie die Ballungszentren", freute sich Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz über den Startschuss für das Projekt, das "einen Meilenstein für die öffentliche Personenbeförderung markiert".

Gerade in ländlichen Gebieten, wie dem Landkreis Kronach, wird die sogenannte letzte Meile - der Weg vom Bahnhof in die Innenstadt oder vom Dorf zum Supermarkt - nur selten über den öffentlichen Personennahverkehr abgedeckt, weil sich diese Strecken finanziell nicht rentieren. Genau das wäre aber notwendig, damit kleine Ortschaften und Randbezirke als Wohnorte attraktiv bleiben.

Chance für ländlichen Nahverkehr

Darum erhofft sich Kronachs Landrat Klaus Löffler von dem auf zwei Jahre angesetzten Modellprojekt Impulse, die in das neue Nahverkehrskonzept des Landkreises einfließen können. Dass die drei Städte Kronach, Hof und Rehau als Teststrecken für die autonom fahrenden Shuttles ausgewählt wurden, sei nicht überraschend: "Aus der Einzigartigkeit der Projektträger hat sich eine starke Gemeinsamkeit entwickelt, weshalb wir als Modellregion ausgewählt wurden. Einmal mehr erleben wir, wie stark unsere oberfränkische Heimat ist."

Jede Stadt stellt aufgrund ihrer Bauweise und ihrer Verkehrsinfrastruktur eine andere Herausforderung für die Shuttlebusse dar, die bislang in Deutschland nur auf vom Straßenverkehr abgetrenntem Gelände unterwegs sind.

"Der städtische Verkehr birgt mit seinen engen Kreuzungen und der Unvorhersehbarkeit anderer Teilnehmer ganz neue Herausforderungen", erläutert der Leiter der Fahrerassistenzforschung von Valeo Deutschland und Neuseser Standortleiter Jörg Schrepfer. Deep Learning - dass Maschinen selbstständig dazu lernen und sich selbstständig auf neue Situationen einstellen - sei das Schlagwort der letzten Jahre.

Und: "Mit seinem Kopfsteinpflaster, seinem besonderen Relief und der historischen Altstadt wird Kronach eine ganz besondere Herausforderung", ist sich der Sachgebietsleiter für Kreisentwicklung Wolfgang Puff sicher. "Schön geradeaus auf der Straße fahren ist hier nicht."

Geplant ist - nach dem Motto "Ankommen, staunen und entdecken" - ein historischer Rundkurs mit Ein- und Ausstiegen durch die Stadt, der von zwei Shuttles parallel abgefahren wird, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Die Busse sollen zentrale Punkte wie Kaulanger, Bahnhof und Rathaus und bis hoch zum Rosenberg oder - nach Möglichkeit - sogar bis in die Festung hinein fahren. 15 Passagiere können gleichzeitig mitfahren. Nicht nur Touristen würden laut Puff von den bis zu 25 Stundenkilometer schnell fahrenden Shuttles profitieren: "Dort, wo jetzt noch kein Auto oder Lkw durchkommt, kommt das Shuttle durch, weil die Strecken genau vermessen werden."

Im wahrsten Sinne des Wortes gilt es, während der Testphase viele Hürden zu nehmen und Hindernisse zu umschiffen - etwa, was zu tun ist, wenn ein Shuttle nicht weiterkommt, weil der Weg blockiert ist, oder wo es geladen wird. Voll aufgeladen können die Shuttles derzeit neun Stunden lang durchgehend fahren. Und auch, wenn vorerst noch ein Stuart mitfährt, der im Notfall eingreifen kann: Ziel ist es, dass die Busse irgendwann - bei Bedarf - auch per Fernsteuerung bedient werden können.

"Interessant wird es, wenn das Konzept zum Sicherheits- und Störfallmanagement so weit voran gebracht wird, dass der Mensch nicht mehr notwendig ist", erklärt der Geschäftsführer der DB Regio Bus Jörg Konrad, die bereits seit Oktober 2017 in Bad Birnbach den ersten autonom fahrenden Bus betreibt. Erst dann würden sich die autonom fahrenden Busse auch finanziell rentieren.

Skepsis vor Unbekanntem

Konrad weiß, dass in der Bevölkerung noch viele Vorurteile gegenüber der modernen Technik bestehen: "Viele haben Angst, denn man begibt sich in etwas, das man selbst nicht im Griff hat." Mit der Zeit habe diese Skepsis in dem niederbayerischen Touristenort jedoch nachgelassen. "Inzwischen gibt es eine höhere Akzeptanz und die Busse werden positiver wahrgenommen als es noch am Anfang war."

Darauf baut auch Peter Offtermat von Valeo Deutschland: "Manchmal sehen wir vor lauter Angst die Chancen nicht." Er verweist auf das Jahr 1992, als Valeo als erster Automobilzulieferer weltweit angefangen hat, serienmäßig Einparksensoren in Premiumautos zu verbauen. Heute werden im Jahr 50 Millionen Sensoren für Autos auf der ganzen Welt gebaut. Eine ähnliche Entwicklung erhofft er sich bei den selbst fahrenden Bussen: "Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Aber es liegt an uns, sie zu gestalten."

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