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Steinberg
Nachlass

Testamentsvollstrecker: Ein bisschen wie Sherlock Holmes

Elke Fischer, Testamentsvollstreckerin aus dem Landkreis Kronach, erklärt, was ihre Aufgabe ist.
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Oliver Berg, dpa
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Wie sieht ein Vollstrecker aus? Blond, Anfang 40, nettes Lächeln - zumindest im Fall von Elke Fischer. Die gelernte Bankfachwirtin aus Steinberg (Kreis Kronach) ist zertifizierte Testamentsvollstreckerin. Sie ist eine Art Treuhänder, den ein Verstorbener dazu bestimmt hat, seinen Willen umzusetzen.

Per Testament wird ein Testamentsvollstrecker oft dann benannt, wenn komplexe Zusammenhänge zu bewältigen sind oder es darum geht, den Frieden in Erbengemeinschaften zu bewahren.

Elke Fischer erklärt, dass sie zuerst einmal den Nachlass sichert. "Da kann es schon mal nötig sein, dass ich die Wohnungsschlösser austauschen lasse, damit sich nicht schnell einer bedient."

Testamentsvollstrecker und Detektive

Aber wo sind das Geld und der Schmuck eigentlich? Im Tresor, im Bücherregal, im Wäscheschrank? "Bei der Nachlassrecherche fühle ich mich ein bisschen wie Sherlock Holmes", sagt die Fränkin, die manchmal auch einen echten Detektiv beauftragt: um Erben ausfindig zu machen oder auch, um den Nachlass überhaupt zu finden. "Wenn es zum Beispiel keinen Vorsorgeordner gibt und keiner einen Überblick über das Vermögen hat, die Familie aber vermutet, dass es im Ausland Wertpapiere oder Immobilien gibt." Das komme immer wieder vor. "Es gibt immer noch Bankschließfächer oder Konten in Luxemburg und der Schweiz."

Verteilung und Vermittlung

Testamentsvollstrecker sind außerdem für die Verteilung des Vermögens zuständig. Fischer kümmert sich zum Beispiel darum, dass Vermögen umgeschrieben wird. "Bei Immobilien ist die Umschreibung im Grundbuch unkompliziert. Als unteilbares Vermögen wird deren Aufteilung bei Erbengemeinschaften dann aber durchaus anspruchsvoll - wie auch bei komplexem Wertpapiervermögen."

Der letzte Wille

Rechtsberatung zur Gestaltung von Erbschaftsangelegenheiten ist Anwälten und Notaren vorbehalten. Für alle anderen Fragen steht Elke Fischer zur Verfügung. "Ich berate Menschen, die ihre Dinge regeln wollen und bei der Nachlassabwicklung Unterstützung suchen - mit und ohne Testament. Zu meinen Aufgaben gehört es, Brücken zum Notar zu bauen und in emotional verfahrenen Situationen auch psychologische Berater einzubinden." Auf ihrer Seite www.lebensphasen-gestalten.de gibt sie erste Hilfestellung für schwierige Lebensphasen.

In der Praxis vermittelt sie, wenn es darum geht, in einer Familienkonferenz zu Lebzeiten über die Verteilung des Vermögens zu sprechen. Dadurch werden die Beweggründe der Eltern nachvollziehbar oder können offen diskutiert und überdacht werden. Das hilft Konflikte zu vermeiden, kann aber auch der Auslöser für dauerhaften Familienzwist sein, wenn es dazu führt, dass ein Teil der Erben sich ungeliebt und benachteiligt fühlt. Deshalb wird der letzte Wille manchmal lieber im Stillen festgelegt und eine neutrale Person bestimmt, die das Gewünschte umsetzt, ohne persönlich betroffen zu sein: ein Vollstrecker eben.