Kleintettau
Nahversorgung

Tante-Emma-Laden in Kleintettau wird zum Café

Der Jungunternehmer Carsten Löffler übernimmt zum Jahreswechsel den Laden mit Bäckerei in Kleintettau und baut diesen um. Er hat neue Ideen.
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Carsten Löffler will die Familientradition aufrechterhalten und dabei neue Wege gehen. Deshalb will er aus seinem Laden nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit machen, sondern auch einen Treffpunkt. Veronika Schadeck
Carsten Löffler will die Familientradition aufrechterhalten und dabei neue Wege gehen. Deshalb will er aus seinem Laden nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit machen, sondern auch einen Treffpunkt. Veronika Schadeck
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Jetzt ist es noch ein typischer Tante-Emma-Laden. Das soll sich bald ändern. Der Jungunternehmer Carsten Löffler will das Geschäft modernisieren. Am Montagabend lobte Peter Ebertsch in der Gemeinderatssitzung den Mut des jungen Mannes: "Statt zu jammern, passt sich Carsten der Zeit an!" Der Bürgermeister war zuversichtlich, dass Carsten Löffler für sein Vorhaben Förderungen im Rahmen der "einfachen Dorferneuerung" erhält.

Noch ist im Laden bei der Bäckerei Löffler alles beim Alten. An der Kasse sitzt die Großmutter von Carsten, Hedwig Löffler. Flink und gewissenhaft tippt sie Preise ein. Dabei vergisst sie es nie, für ihre Kunden zwischendurch ein freundliches Wort zu finden. Im hinteren Bereich befindet sich die Semmel- und die Wursttheke.

Carsten Löffler blickt sich um. "Laden und Sortiment sind einfach nicht mehr zeitgemäß!" Er spricht davon, dass viele Bürger ihre Einkäufe in den Supermärkten der umliegenden Gemeinden erledigen. Oftmals kommen die Kunden nur noch vorbei, wenn sie einen Artikel vergessen haben. Hinzu kommen die Backautomaten beziehungsweise die Backwelten in den Supermärkten, in denen eine Vielfalt an Brot und Brötchen angeboten wird.

"Hell, modern und gemütlich soll der neue Laden werden", schwärmt Carsten Löffler. "Die Kunden sollen sich wohl fühlen!" Mit neuen Ideen, frischen Backwaren und neuen Rezepten will er seine Kundschaft nicht nur halten, sondern auch ausbauen. Das Potenzial sei vorhanden, meint er mit Blick auf die Industrie, die vielen Schichtarbeiter und auf das Tropenhaus "Klein Eden".

Bei der Neugestaltung seines Ladens will er sein Sortiment reduzieren. Die Theke soll bereits im Eingangsbereich in den Blickpunkt rücken. Ein kleines Café soll zum gemütlichen Verweilen beziehungsweise zum Plausch mit Freunden, Arbeitskollegen etc. einladen. Schon früh am Morgen soll es verschiedene Varianten von Frühstück geben, während des Tages und in den frühen Abendstunden sollen kleine Mahlzeiten beziehungsweise Snacks angeboten werden. "Ich werde dabei auf Qualität und auf Produkte aus der Region setzen!"

Carsten Löffler ist überzeugt, dass bei den Kunden zunehmend nicht nur der Preis das Entscheidende ist, sondern auch die Herkunft der Rohstoffe und die persönliche Atmosphäre eine Rolle spielen. Zudem gebe es in seiner Gemeinde ältere Bürger. Für diese ist der Einkauf im örtlichen Laden auch mit einem sozialen Aspekt verbunden. Denn dort kann gelacht, aber auch getrauert werden. Aufgrund dessen, dass nun ein Café mit integriert werden soll, bestehe auch die Möglichkeit zu Gesprächen und zum Austausch. "So ein Geschäft hilft auch gegen Einsamkeit!"

Und warum geht nun ein gut ausgebildeter Handwerker das finanzielle Risiko ein? Könnte er nicht als Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks ein geregelteres Leben führen?

Für einen Moment wirkt der 37-Jährige nachdenklich. Dann spricht er von einem schönen und kreativen Handwerksberuf, in dem man nicht nur verschiedene Rezepte ausprobieren kann, sondern auch mit vielen Menschen in Kontakt kommt. "Ich trage mit meinem Laden zur Lebensqualität bei!" Und außerdem: "Es ist doch schön, die Familientradition weiterführen zu können!" Das hört auch seine Oma, Hedwig Löffler, gerne. Dass ihr Enkel zusammen mit seiner Lebensgefährtin Alexa Bayer nun das Geschäft auf eine andere Weise führen will, ist für sie in Ordnung. Weiß sie doch, dass das Leben aus Wandel besteht. So geschah in ihren beruflichen Anfangsjahren, die sie im Ludwigsstädter Konsum verbrachte, der Verkauf über die Theke. Eine wesentliche Aufgabe war das Abfüllen oder Verpacken von Lebensmitteln in haushaltsüblichen Mengen. Es gab keine Kühlschränke in den Haushalten. Auch Essiggurken verkaufte man lose, nach Gewicht. Je nach Jahreszeit wurden zudem Salzheringe oder Sauerkraut aus dem Fass gehandelt. Alle Waren mussten abgewogen werden.

Ihr Berufsalltag änderte sich auch nicht sofort, als sie im Jahre 1954 ihren Mann Walter heiratete, der zusammen mit seiner Mutter Elli und seiner Schwester Anneliese im Jahre 1949 das kleine Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei in Kleintettau eröffnet hatte. Im Laufe der Jahre wurde die Ladenfläche sukzessive erweitert.

Das Schöne an ihrem Beruf sei der Kontakt zu den Menschen gewesen. "Ich wusste und weiß auch heute noch, was in Kleintettau und Umgebung los ist!"

Die 86-Jährige hofft nun, dass sie die Einweihung des neuen Ladens nächstes Jahr noch mit erleben darf. Und wenn es der Herrgott will, dann wird sie auch im neuen Geschäfte ihre Aufgabe finden.

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