Kronach
Justiz

Richterin kauft Täter (36) Reue nicht ab: Strafe nach versuchter Vergewaltigung in Kronach

Seit März zog sich der Prozess wegen einer versuchten Vergewaltigung in Kronach hin. Nun wurde der Angeklagte zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
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Tatort war das Landesgartenschaugelände in Kronach. Foto: Andreas Schmitt/Archiv
Tatort war das Landesgartenschaugelände in Kronach. Foto: Andreas Schmitt/Archiv

Sie hatte mit aller Kraft versucht, sich zu retten. Geschlagen, getreten, nach dem Intimbereich des Mannes gezielt - doch alle Abwehrversuche blieben vergebens. Nun, elf Monate nach der Tat auf dem Landesgartenschaugelände, wurde der Angreifer der 18-Jährigen verurteilt. Für die sexuelle Nötigung der jungen Frau sowie die gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung seiner Exfreundin und für den Besitz und Handel mit Betäubungsmitteln muss der 36-Jährige aus dem Landkreis Kronach für insgesamt fünf Jahre und sechs Monate in Haft. Derzeit wird am Landgericht ein weiterer Kronacher Fall verhandelt, in dem zwei junge Männer wegen versuchten Totschlags angeklagt sind.

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Am siebten und letzten Verhandlungstag am Coburger Landgericht wurde das Urteil gegen den Mann gefällt, den die psychologischen Gutachter in der vorherigen Sitzung als manipulativen und reuelosen Menschen porträtiert hatten, der schon in der Vergangenheit zu Gewaltausbrüchen gegenüber Frauen neigte.

"Sie war komplett zerstört"

Beweisrechtlich gebe es an diesem Fall nichts zu rütteln, betonte die Verteidigerin der 18-Jährigen in ihrem Plädoyer. Es gehe hier um eine junge Frau und nicht um "die Kleine", wie der Angeklagte das Opfer in seiner Aussage betitelte. Und es gehe um einen Mann, dem am 5. Juli 2018 einfach mal danach gewesen sei, diese Frau zu vergewaltigen, wie Rechtsanwältin Kristina Freifrau von Imhoff die Tat beschrieb.

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"Der Angeklagte hat uns einen Bären aufgebunden", echauffierte sich Imhoff. Die Aussage des Angeklagten, das Opfer unter Drogeneinfluss als furchteinflößende Fratze wahrgenommen zu haben, bezeichnete sie als absolut absurd. "Das war kein Krimi, sondern Realität. Das waren Schürfwunden an Knie und Rücken sowie Atemnot und ein blutendes Ohr." Besonders eingeprägt habe sich ihr die Beschreibung eines Polizeibeamten, der die 18-Jährige direkt nach dem Angriff befragt hatte: "Sie war komplett zerstört."

"Zielgerichtet gehandelt"

Auch die Staatsanwaltschaft warf dem 36-Jährigen vor, bei dem Angriff zielgerichtet gehandelt zu haben. Eine Psychose sei definitiv auszuschließen. Verteidigerin Kerstin Rieger sah die Situation etwas anders: Ihr Mandant habe kaum Erinnerungen an den Vorfall, Sexualdelikte seien ihm zudem wesensfremd. "So ist er nicht." Da er die 18-Jährige nicht begrapscht habe und sich seine Schläge auf ihren Oberkörper konzentriert hätten, handele es sich hier um keine versuchte Vergewaltigung, sondern "lediglich" um Körperverletzung, so Riegers Ausführungen. "Dieses Vorgehen ist untypisch für eine Vergewaltigung."

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Dass der 36-Jährige aufgrund der Hilfeschreie einer Zeugin von seinem Opfer abgelassen habe, wertete Rieger als strafbefreiendes Zurücktreten. Zudem habe er sich während der Verhandlung bei ihr entschuldigen und ihr aus dem Gefängnis einen Brief schreiben wollen.

Als völlig verängstigte Frau beschrieb Rechtsanwalt Linke seine Mandantin, die Exfreundin des Angeklagten. Nach dem Angriff mit einem Elektroschocker und einem Faustschlag ins Gesicht am 30. Mai 2018 sei die Angst bis heute geblieben. Die zweite Nebenklägerin habe in ihrer Aussage dennoch nichts dramatisiert und sei glaubwürdig aufgetreten.

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Doch genau daran hegten die Verteidiger des Angeklagten Zweifel. Gegensätzliche Aussagen eines Zeugen sowie die Tatsache, dass sich die Frau auch nach dem Angriff noch mit dem 36-Jährigen getroffen haben soll, deuteten für Verteidiger Till Wagler auf eine Falschaussage hin. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rieger plädierte Wagler daher auf eine Herabstufung zu einfacher Körperverletzung. Bezüglich des Vorwurfs des Drogenhandels wies Wagler außerdem darauf hin, bei seinem Mandaten einen "Paradigmenwechsel" beobachtet zu haben, da er die Geschäfte mit seinen Dealern abgebrochen habe.

Eindeutig sexuelle Absichten

Dem Angeklagten sei beim Urteilsspruch zwar seine Geständigkeit bezüglich des Drogenhandels zugutegekommen. Doch im Fall der beiden Angriffe glaubte die Kammer nicht dem Angeklagten, sondern den Aussagen der Opfer. Dem Vorfall auf dem Landesgartenschaugelände lägen eindeutig sexuelle Absichten zugrunde.

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"Es fällt mir schwer, eine lebensnahe Erklärung für eine Erektion ohne sexuelle Konnotation zu finden", machte Richterin Jana Huber in der Urteilsbegründung deutlich. Es habe dem 36-Jährigen nichts ausgemacht, in der Öffentlichkeit Gewalt anzuwenden. "Doch dann haben Sie sich ein Ziel gesetzt, wofür es einen heimlichen Ort brauchte, und haben dieses arme Mädchen an den Haaren ins Gebüsch gezerrt."

Richterin Huber bezweifelte auch, dass der 36-Jährige tatsächlich Reue für seine Taten empfinde. "Aufgrund Ihres Handelns ist für diese Frau die Welt stehengeblieben, und ich glaube nicht, dass Ihnen das bewusst ist."

7 500 Euro Schmerzensgeld muss der Angeklagte der 18-Jährigen zahlen.

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