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Kronach
Corona-Pandemie

Stresstest für die heimische Industrie

Noch müssen in der Region keine Unternehmen wegen dem Corona-Virus ihre Produktion ganz einstellen. Doch die Unternehmen richten sich auf schwierige Zeiten ein und fahren teilweise die Produktion zurück.Doch
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Die Corona-Krise hat den Alltag für die meisten der heimischen Betriebe verändert. Neue Herausforderungen müssen bewältigt werden. Dazu gehört auch die Glasindustrie. Foto: Veronika Schadeck
Die Corona-Krise hat den Alltag für die meisten der heimischen Betriebe verändert. Neue Herausforderungen müssen bewältigt werden. Dazu gehört auch die Glasindustrie. Foto: Veronika Schadeck

Am Neuseses Standort der Dr. Schneider Unternehmensgruppe hat sich nachweislich eine Person mit dem COVID-19-Virus infiziert. Das bestätigt die Pressesprecherin der Unternehmensgruppe. Die betroffene Person befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Weitere 16 Mitarbeiter seien unmittelbar nach Vorliegen des Testergebnisses auf Anweisung des Gesundheitsamtes ebenso unter Quarantäne gestellt worden.

Das sind jedoch nicht die einzigen Auswirkungen, die das Corona-Virus auf die heimische Industrie hat. In vielen Unternehmen muss die Produktion herunter gefahren werden. Jeder Tag ist aktuell anders, so die Pressesprecherin der Dr. Schneider Unternehmensgruppe, Ria Schuberth. Sie geht davon aus, dass viele der Kunden in dieser Woche ihre Produktion einstellen werden.

Aufgrund der Gegebenheiten habe die Geschäftsführung an den Standorten in Neuses, Tschirn und Judenbach Maßnahmen getroffen. So wird die Produktion soweit zurückgefahren, dass noch verbleibende Kundenwünsche produziert und Lieferverpflichtungen erfüllt werden können. Schuberth hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Produktion bis auf 20 Prozent zurückgefahren werden könnte. Deshalb werden auch die von der Regierung neu geschaffenen deutlich flexibleren Möglichkeiten der Kurzarbeit genutzt.

Virtuelle Konferenzen

Die Mitarbeiter im administrativen Bereich gehen im Homeoffice ihren Tätigkeiten nach beziehungsweise bauen Stunden ab, erklärte sie. An den deutschen Standorten arbeiten rund 550 Mitarbeiter im Homeoffice. Schuberth betonte auch, dass sich die Dr. Schneider Unternehmensgruppe strikt an die gesetzlichen Schutzvorgaben hält. Das Unternehmen sei in enger Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygienevorschriften seien verpflichtend.

Besprechungen würden nur noch über Video- und Audio-Konferenz abgehalten. Zusätzlich wurde ein Pandemie-Stab, bestehend aus Geschäftsführung, Personal, IT und den Verantwortlichen für Sicherheit und Gesundheitsschutz ins Leben gerufen. Täglich erfolgen hier Abstimmungen.

Flaschenbier derzeit gefragt

Den Absatz von Glas und PET-preform beziehungsweise PET-Flaschen bezeichnet der Geschäftsführer der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe, Oliver Wiegand, als noch "normal bis gut". Aufgrund dessen, dass derzeit die Gastronomie geschlossen hat und somit auch der Ausschank von Fassbier zurückgeht, werde mehr Bier aus Flaschen konsumiert.

Dennoch geht auch bei dem Steinbacher Behälterglashersteller "Corona" nicht spurlos vorüber. Um die Glasproduktion aufrechtzuerhalten, wurden beispielsweise im Formenbau die Mitarbeiter in zwei Teams aufgeteilt, erklärt er. Dies geschah aus Vorsichtsgründen, damit im Falle eines Falles nicht eine ganze Werkstatt geschlossen werden müsste und somit auch die Glasproduktion zum Stocken käme.

Keine Gehaltseinbußen

Durch die neue Teambildung fehlen den Mitarbeitern in den betroffenen Abteilungen am Monatsende Stunden. Deshalb sei auch Kurzarbeit angemeldet worden. Gehaltseinbußen müssen die betroffenen Mitarbeiter nicht hinnehmen, da das Unternehmen die entsprechende Differenz ausgleicht.

Die Aufrechterhaltung der Produktion sei für "mich auch eine "gesellschaftliche Verpflichtung", so Wiegand. Denn Wiegand-Glas sei zwar kein direkter Lebensmittelproduzent, das Unternehmen liefere aber wichtige Verpackungen für Getränke und Lebensmittel und habe immerhin deutschlandweit einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Kontakt wird vermieden

Wiegand spricht davon, dass auch bei der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe die Vorgaben, wie der Mindestabstand, eingehalten werden. Auch wurde der Schichtwechsel so strukturiert, dass Kontakte zwischen den Mitarbeiter soweit als möglich vermieden werden.

Gleich in der Nachbarschaft von Wiegand-Glas ist die Firma Rauschert Steinbach mit rund 300 Mitarbeitern angesiedelt. Der Geschäftsführer Roland P. Rauschert spricht von einer "großen Verunsicherung". Produktionseinstellung von Autoherstellen, die Unterbrechung von Lieferketten werden sicherlich auch Auswirkungen auf sein Unternehmen haben. Welche das sein werden, darauf habe er noch keine Antwort.

"Es ist viel los, so etwas habe ich noch nicht erlebt!", meint der Prokurist von petz industries, Wolfgang Porzelt. Ständig kommen seitens der Geschäftspartner andere Anweisungen. Mal werden Bestellungen abgegeben, um eine Stunde später widerrufen zu werden und zwei Stunden später in abgeänderter Form als Auftrag wieder einzugehen.

petz Industries gehört mit seinen 170 Mitarbeitern zu den Autozulieferern. Porzelt ist zuversichtlich, auch in den schweren Zeiten von Corona zumindest teilweise produzieren zu können. Zum einen werde nicht nur die Automobilindustrie bedient, sondern unter anderem auch Bereiche der Medizintechnik, der Solar und Energiebranche.

Nichts ist mehr planbar

Auch werde in Ländern wie China und Bulgarien nach wie vor Autos produziert. Aber die Verunsicherung sei groß und das Problem sei, dass man gar nichts mehr planen und einschätzen könne. Auch wisse man nicht, wie lange die Lieferketten noch funktionieren. "Die Situation ändert sich stündlich!"

Bei der Firma W.O.M. in Ludwigsstadt ist Kurzarbeit kein Thema. "Wir freuen uns, dass wir gerade in schweren Zeiten Arbeitsplätze anbieten können", erklärt der Geschäftsführer Clemens Scholz. Die WOM ist zuhause in der Minimal Invasiven Medizin und entwickelt Geräte und Zubehör, die für Operationen auf der ganzen Welt benötigt werden.

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