Stockheim
Gemeinderat

Stockheim kümmert sich um sein historisches Erbe

Gleich zwei bedeutende Maßnahmen, die in die Historie des Bergbaus in Stockheim führen, standen am Montag in der Ratssitzung auf der Tagesordnung.
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Die Rentei, ein Gebäude aus dem Jahr 1847,  soll saniert werden. Ein Förderantrag dafür wurde im Gemeinderat nach längerer Diskussion durchgewunken. K.- H. Hofmann
Die Rentei, ein Gebäude aus dem Jahr 1847, soll saniert werden. Ein Förderantrag dafür wurde im Gemeinderat nach längerer Diskussion durchgewunken. K.- H. Hofmann
In der Sitzung des Gemeinderats wurden die Räte in die Bergwerksgeschichte auch unter Tage mitgenommen. Die Rösche, die vom Stollen an der Katharinazeche in Höhe des jetzigen Bauhofs bis hinunter an die Haßlach bei der Wolfersdorfer Brücke zum Mundloch in die Haßlach führt, soll saniert werden. Es ist höchste Zeit: 1804 wurde der Maximilian-Stollen vom Königreich Bayern zur Entwässerung des Stockheimer Steinkohlenbergbaus angelegt und ist zur Ableitung des Grubenwassers nach wie vor in Funktion. In den Jahren 2014 bis 2016 fand im Auftrag des Bergamtes Nordbayern eine geotechnisch- markscheiderische Erkundung und Bewertung des Stockheimer Steinkohlenbergbaus statt. Dabei wurden eine größere Anzahl von Bauschäden und umfangreiche Sedimentablagerungen in Stollen und Rösche festgestellt. Ab 2018 soll nun der Haupttrakt des Maximilian-Erbstollens einschließlich seiner Rösche im Auftrag der Regierung von Oberfranken/dem Bergamt Nordbayern zur Beseitigung und Vermeidung von Schäden und Gefahren an der intensiv genutzten Tagesoberfläche instand gesetzt werden. Neben der Gewährleistung der Standsicherheit soll im Ergebnis der Sanierung das Grubenwasser dauerhaft, nachsorgefrei und kontrolliert zur Haßlach abfließen. Derzeit werden noch im Rahmen der Planung durch die Ingenieurbüros G.U.B Ingenieur AG, Freiberg, und GolHo, Diplom-Berging Rene Kaiser, Nierderschöna punktuell Untersuchungen durchgeführt und die Planungsunterlagen erarbeitet.

Nach dem gegenwärtigen Bearbeitungsstand worüber Herr Bachmann, ein Ingenieur vom Büro GolHo berichtete, soll die Rösche von Sediment beräumt, punktuell repariert, anschließend verrohrt und der verbleibende Ringraum mit Drainagerohren und Kies verfüllt werden. Der erste Bauabschnitt ist 2018 von der Haßlach bis zur B 85 vorgesehen. Den betroffenen Grundstückseigentümern wurde die Baumaßnahme vor der Gemeinderatsitzung ausführlich erörtert und vorgestellt.

Bürgermeister Rainer Detsch spricht in diesem Zusammenhang von der bisher größten Baumaßnahme für Stockheim seit der Erstellung der Straßenbrücke über die Bahnlinie München- Berlin von der B 85 zur Bergwerksstraße die im Oktober 2007 freigegeben wurde. Die Maßnahme soll sich über drei Jahre hinziehen. eh


Gemeinderat stimmt Förderantrag für Sanierung der Rentei zu

Ein weiteres Relikt aus der Steinkohlbergbauzeit (die letzte Zeche wurde 1968 stillgelegt) ist das 1847 erbaute Gebäude der Rentei. Für die Sanierung dieses unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes soll als Begegnungs- und Informationszentrum über die "Förderoffensive Nordostbayern- Oberfranken" saniert werden. Jörg Detsch vom Architekturbüro 3 D Detsch, Kronach, gab dazu einen ausführlichen Bericht über den Planungsstand. Gegen die Stimmen von Stefan Beetz (CSU) und Daniel Wachter (parteilos) wurde beschlossen, einen Antrag auf Förderung aus dem Programm "Förderoffensive Nordostbayern- Oberfranken" einzureichen. Vor allem als der Planer den Kostenrahmen, ohne jeden Schnickschnack, von rund 2,6 Millionen Euro nannte, zuckten so manche Räte zusammen. Jörg Detsch informierte dazu, dass man mit Ungereimtheiten rechnen müsse. Vor allem im Dachbereich fand noch keine nähere Untersuchung statt, wie es unter dem Dachgebälk aussehen könnte. Die bisherige Planungserstellung erfolgte in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit Bürgermeister Rainer Detsch und den drei Vereinen, Förderverein Bergbaugeschichte, dem Knappenverein und der Bergmannskapelle.

Für Anfang November ist ein Abstimmungsgespräch mit dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) angepeilt. Das ALE steht voll hinter einer Sanierung und Erhaltung dieses einzigartigen Überbleibsels aus einer langen Bergbaugeschichte in Stockheim. Die Nutzung soll von Untergeschoss bis Obergeschoss vielseitig sein. Im UG sollen WC- Anlagen und eventuell eine Küche für größere Außenveranstaltungen (zum Beispiel Form von Biergarten) entstehen. Im Erdgeschoss wird man großräumig drei miteinander verbundene Räume für variable, mobile Ausstellungen haben. Neben einem weiträumigen Treppenhaus wird auch ein Lift in das OG führen. Dort sollen Räume für Vorträge, für kleine Kulturveranstaltungen etc. entstehen. Ein Problem stelle noch das Dachgeschoss dar, da die Dachschale erst noch näher in seiner Beschaffenheit untersucht werden muss. "Bei der Innenausstattung fangen wir quasi von Anfang an, denn in dem in einfacher Symmetrie und klarer Raumstruktur gehaltenen Gebäude ist so gut wie keine Haustechnik. Das heißt weder Heizung, noch sind Wasser und Kanal vorhanden", so Jörg Detsch. Eine Kombination mit der am Bauhof vorhandenen Holzhackschnitzelheizung wäre möglich.

Dritter Bürgermeister Jörg Roth(SPD) fragte nach einem stabilen Fundament. Jörg Detsch konnte dies aufgrund eines Bodengutachtens positiv bescheiden. Dann sollten wir unsere Chance ergreifen und uns dazu bekennen, dieses geschichtsträchtige Gebäude für unsere Nachwelt erhalten, forderte Roth. Anders sah dies Daniel Wachter. Er nahm den Kostenrahmen zum Anlass zu fragen: "Was bringt dies für Stockheim und die Gemeindeteile?" Das Nutzungskonzept erfordere viel Manpower, wo soll dieser herkommen?, fragte Wachter. Reiner Ebert (SPD) wollte den Kostenrahmen gedeckelt sehen, denn trotz 90 Prozent Zuschuss könnte das die Gemeinde bei eventuell ansteigenden Kosten auf vier Millionen Euro, immerhin auch 400 000 Euro kosten.

Stefan Häfner (FW) meinte, das Projekt werde seit 15 Jahren vertagt. Nun wäre es an der Zeit zu handeln. Hedwig Klinger (FW) sah dies auch so, immer wieder sei das Projekt wegen zu geringer Zuschüsse 50 bis 75 Prozent verschoben worden: "Wir haben jetzt die Entscheidung bei 90 Prozent Zuschuss Ja zu sagen oder wir können das Projekt beerdigen. " Jürgen Wöhner (FW) zeigte skeptisch die Alternative auf. Das wäre ein Abriss der auch 300 000 bis 400 000 Euro kosten würde und man hätte eine der letzten Erinnerungen an die Jahrhunderte währende Bergbaugeschichte in Schutt und Asche gelegt.

Zweiter Bürgermeister Siegfried Weißerth meinte, man sei mit der Planung einen großen Schritt weitergekommen, nun sollte der nächste erfolgen: "Das Gebäude ist für die Gemeinde und Traditionsvereine ein Identitätsprojekt." Bürgermeister Detsch fasste zusammen, dass man mit dem Förderantrag ja noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe. "Aber die Vorarbeiten sind gut vorangekommen und jetzt sollte man alles versuchen, um in diese großartige Förderkulisse zu kommen, um ein Identitätsprojekt für Stockheim zu erhalten." Er sei sich sicher, nicht nur die drei beteiligten Traditionsvereine würden Nutznießer sein. "Aber sie haben ihr ehrenamtliches Engagement zugesagt und schon in der Vergangenheit gezeigt, es ist Verlass auf sie." Man werde als weiteren nächsten baurechtlichen Schritt einen Nutzungsänderungsantrag stellen.

Der Gemeinderat Stockheim bekannte sich vollinhaltlich zu der Resolution der Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Bamberg, Kronach, Hof und Forchheim gegen den weiteren Ausbau des Stromnetzes einer weiteren Trasse P 44 und bekräftigt das Dementi mit einer eigenen formulierten Resolution. Unter anderem wird dies begründet mit erheblicher Einschränkung der gemeindlichen Entwicklung, Belastungen durch bereits bestehende Stromtrasse und zur unmittelbaren Nähe zum Wohngebiet.
Den Auftrag zur Installation von Treppengeländer im Mehrzweckhaus Schule Reitsch erhielt die Firma Metall- und Modellbau Föhrweiser Mitwitz zum Preis von rund 26:750 Euro. Einen Hallenneubau der Firma Ralf Emmert wurde gemeindliches Einvernehmen erteilt. eh


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