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Leerstand

Steinwiesen: Nachmieter für alte Schlecker-Filiale gesucht

Das Stadtumbaumanagement Oberes Rodachtal hatte zum "Tatort" in den ehemaligen Schlecker-Markt in Steinwiesen eingeladen. Diese Immobilie ist ungenutzt - wie so viele andere. Doch das soll sich ändern.
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Natürlich ist im ehemaligen Schlecker-Markt nicht wirklich ein Mord passiert, aber zur Tatort-Zeit hat Lichtkünstlerin Elke Harras aus Nordhalben die Kulisse in Szene gesetzt. Der Tatort ist mit Farbe, die nur in Schwarzlicht zu sehen ist, auf die Wand gemalt.
Natürlich ist im ehemaligen Schlecker-Markt nicht wirklich ein Mord passiert, aber zur Tatort-Zeit hat Lichtkünstlerin Elke Harras aus Nordhalben die Kulisse in Szene gesetzt. Der Tatort ist mit Farbe, die nur in Schwarzlicht zu sehen ist, auf die Wand gemalt.
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Die Nachricht von der Schlecker-Insolvenz traf Lilo und Ingrid Simon wie ein Schlag. Denn nach 24 Jahren zog der Drogeriemarkt aus dem Laden in Steinwiesen aus. Seitdem steht das Gebäude leer - und das, obwohl die Simons gerade einmal 3,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter verlangen.

Die Immobilie der beiden Simon-Schwestern in Steinwiesen war für sie immer eine Lebensversicherung. Früher war ein Möbelgeschäft im Untergeschoss untergebracht. Dann zog Schlecker ein. 24 Jahre lang residierte der Drogeriemarkt in dem 220 Quadratmeter großen Gebäude. Neun Parkplätze, ein Büro und WC sind noch dabei. Doch jetzt will keiner mehr in die 220 Quadratmeter große Gebäudlichkeit einziehen. "Wir haben uns viel Gedanken gemacht. Wir können aus dem großen Laden auch zwei Läden oder drei Läden machen", erklärt Lilo Simon und zeigt bei der öffentlichen Veranstaltung mit dem Stadtumbaumanagement Oberes Rodachtal Pläne. Ja, die Simons würden Geld in die Hand nehmen, wenn sich wieder ein oder mehrere Mieter finden ließen. Lassen sich aber nicht.

Problem bei dem Laden ist: Für die großen Ketten ist der Laden zu klein. Vollsortimenter brauchen mindestens 800 Quadratmeter und mehr - und für einen kleinen Einzelhändler sind 220 Quadratmeter manchmal schon zu viel.

80 Offerten geschrieben

Die Simon-Schwestern haben sich bereits viel Mühe gegeben, um einen Nachmieter zu finden. Lilo Simon hat mehr als 80 Offerten geschrieben, hat sich auch an Drogerieartikelanbieter gewandt und selbst die Initiative ergriffen. "Aber die rücken einfach nicht von ihrem Konzept ab. Die sind total stur. Aber wir bräuchten wieder einen Drogeriemarkt", sagt Lilo Simon und hätte sich auch eine kleine Ausgabe einer großen Marktkette vorstellen können. Doch die Marketing- und Betriebswirtschaftsexperten können dies nicht. Für manche Berechnungen reichen die 3000 Menschen, die in Steinwiesen leben und 4500 Menschen aus der Umgebung einfach nicht aus, um ein Geschäft wirtschaftlich darzustellen.

Nicht nur in Richtung Drogerie wurden die beiden Schwestern aktiv. Denn natürlich könnten sie sich auch andere Nutzungen vorstellen. "Die Räumlichkeiten wären beispielsweise auch für eine Physiotherapiepraxis gut", sind sich die beiden Besitzerinnen einig. Sie hatten Bewerbungen für einen Tierfutterladen, für einen Korbladen. Und vielleicht würde sich die Räumlichkeit auch für eine Arztpraxis, für einen Telefonladen oder ähnliche kleine Dienstleistungen eignen. "Auch ein Kurzwarengeschäft wäre schön. So muss man jetzt wegen jeder Nadel und jedem Faden nach Kronach fahren", sagt Lilo Simon. Und sogar für ein Bistro oder ein Jugendcafé wären die beiden offen. Hauptsache, es tut sich etwas.

Aktionsreihe

Mit der Aktionsreihe "Tatort Leerstand" möchte das Stadtumbaumanagement Oberes Rodachtal die leer stehenden Immobilien in der ganzen Region ins Licht rücken und auf die Gelegenheiten aufmerksam machen. Dazu wurde Lichtdesignerin Elke Harras aus Nordhalben engagiert, das Elektrogeschäft Behrschmidt aus Steinwiesen sorgte für technische Unterstützung. Und gemeinsam wurden Lichtakzente gesetzt. Ein "Mordswinkel", wurde inszeniert - mit Schwarzlicht, ein Verhörzimmer mit blauer Birne wurde aufgebaut und auch sonst wurde eine gruselige Atmosphäre geschaffen.

"In Steinwiesen stehen aktuell 40 Wohngebäude und Geschäfte leer, im gesamten oberen Rodachtal - mit Wallenfels und Nordhalben - sogar 196. In der ersten Phase haben wir die Leerstände festgestellt und haben Fragebögen versandt", erklärt Lea Gulich vom Stadtumbaumanagement. In einer zweiten Phase sollen die leer stehenden Gebäude jetzt in Listen erfasst und Bewerbern offeriert werden. Tatsächlich gibt es immer wieder Anfragen - meistens aus München oder Berlin. Doch bislang hat sich auch von dieser Seite nichts getan. Und mittelfristig sollen die Gebäude natürlich auch im Internet auf einen Blick angeboten werden. "Mit der Tatort-Reihe wollen wir jetzt erst einmal Aufmerksamkeit", sagt Gulich offen und ehrlich. Denn wenn den Leuten die Möglichkeiten bewusst sind, lässt sich vielleicht auch eher eine Nutzung finden. Zur ersten Tatort-Reihe allerdings kamen allerdings nur fünf Interessierte.

Andrea Holzmann und ihre elfjährige Tochter Paula schauten vorbei, um mal zu sehen, wie der Tatort inszeniert ist. Denn natürlich sind beide Steinwiesener echte Tatortfans. Außerdem ist die Elfjährige bei der Projektgruppe Jugend, die ebenfalls von Lea Gulich koordiniert wird, mit von der Partie. Sie würde sich so sehr ein Kino oder ein Jugendcafé in Steinwiesen wünschen. Und auch, wenn der ehemalige Schleckermarkt von Säulen durchsetzt ist, hält sie ein solches Unterfangen nicht für unmöglich.

Keine Hilfestellung bekommen

Waltraud Günther ist aus Wallenfels nach Steinwiesen gekommen. Sie hat selbst in der Wallenfelser Stadtmitte ein leer stehendes Gebäude. "Ich hätte immer gerne ein Ärztehaus in dem Gebäude gesehen, aber leider habe ich keine Hilfestellung dabei bekommen", sagt Günther und hat diese Hoffnung jetzt begraben. Denn im Nachbarhaus ist eine Arztpraxis eingezogen. Deshalb begrüßt sie jetzt die Koordinierung der Leerstände im Stadtumbaumanagement Oberes Rodachtal. "Ich werde auch zu den andern Tatortveranstaltungen gehen", hat sich Günther vorgenommen und kann es nur begrüßen, dass etwas getan wird und dass den Immobilienbesitzern nun unter die Arme gegriffen wird.

Neugierig, was sich so tut, waren auch Rolf Menke und Peter Wahlich aus Steinwiesen. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass man das Objekt als Montage nutzt", sagt Peter Wahlich und regte eine Nutzung in ganz anderer Hinsicht an.

"Tatort im Leerstand"

Reihe Die nächsten Veranstaltungen aus der Reihe "Tatort im Leerstand" finden am 3. November um 20 Uhr in Wallenfels, Marktplatz 3, und am 1. Dezember um 20 Uhr in der ehemaligen Schule in der Kronacher Straße 3 statt. Bei der Gelegenheit sollen Ideen für die Nutzung der leer stehenden Immobilien gesammelt werden. Und ab 20.15 Uhr wird dann die aktuelle Tatort-Folge, die in der ARD zusehen ist, live auf Großleinwand übertragen. Und Knabbereien und Getränke gibt es natürlich auch.

Infos Auskünfte über den ehemaligen Schleckermarkt in Steinwiesen gibt es direkt bei den Besitzern Tel. (09262) 13 68 oder 97 48 96 oder beim Stadtumbaumanagement Oberes Rodachtal, Lea Gulich, Tel. (09262) 945 16 so

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