Marktrodach
Verwaltung

Standesamt: Marktrodach will mit Kronach kooperieren

Die Marktgemeinde Marktrodach möchte ihre Kooperation mit der Stadt Kronach vertiefen. Die soll künftig standesamtliche Aufgaben des Marktes übernehmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch für den Fall, dass sich die Standesämter Kronach und Marktrodach zusammenschließen, darf weiter in Marktrodach standesamtlich geheiratet werden. Symbolbild: Arno Burgi/dpa
Auch für den Fall, dass sich die Standesämter Kronach und Marktrodach zusammenschließen, darf weiter in Marktrodach standesamtlich geheiratet werden. Symbolbild: Arno Burgi/dpa

Dass die Hochzeitsglocken für Marktrodacher künftig nur noch in Kronach läuten, davor muss kein Heiratswilliger aus der Marktgemeinde Angst haben. Auch dann nicht, wenn der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am 3. Dezember einer Zusammenlegung der Standesämter Kronach und Marktrodach zustimmen sollte.

Selbst wenn in diesem Fall die Anfahrt zum Amt ein bisschen länger werden würde, erwartet Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD) von einem Zusammenschluss sogar Vorteile für die Bürger seiner Gemeinde wie auch für seine Verwaltung. Und geheiratet werden kann weiterhin im Marktrodacher Rathaus.

Auf der Tagesordnung

;

"Ich würde das gerne beschließen lassen und hoffe, dass wir eine Mehrheit finden", blickt Gräbner auf die kommende Ratssitzung und den Punkt 6 der Tagesordnung: "Kooperation Kronacher Land - Zusammenlegung der Standesämter Kronach - Marktrodach". Die Aufgabe des Standesamtes sei nämlich mittlerweile eine echte Belastung für die Gemeinde. Das hat mehrere Gründe.

Ein Generationswechsel und Pensionierungen hinterließen ihre Spuren im Rathaus. "Wir haben unsere Verwaltung verschlankt", erklärt Gräbner. Gleichzeitig sind neue Aufgaben hinzugekommen. Es müssen also mehr Lasten auf weniger Schultern verteilt werden. Das Resultat ist, dass aktuell der Kämmerer das Standesamt mit unter seinen Fittichen hat. Keine ideale Situation.

"In einer kleinen Gemeinde macht das einer nebenbei, in Kronach sind drei Mann darauf spezialisiert", erklärt der Bürgermeister. In der Kreisstadt laufe man daher nicht Gefahr, ein zeitweise unbesetztes Standesamt anzutreffen und somit Fahrten vergebens zu machen. Vieles lasse sich heutzutage auch per Telefon oder E-Mail klären. Und die Verwaltung in Marktrodach stehe weiter helfend zur Verfügung. "Deshalb sehe ich für unsere Bürger eigentlich keine Benachteiligung."

Das Vorhalten der EDV für das Standesamt sei kostspielig, die ständige Fortbildung der Mitarbeiter aufwendig, meint der Bürgermeister weiter. Man müsse sich einerseits auf immer kompliziertere Fälle einstellen und andererseits viele Standardbeurkundungen abarbeiten. Vor diesem Hintergrund besann sich Gräbner auf die Ziele der Kooperation "Kronacher Land". "Es geht um Synergieeffekte", erklärt er. Dazu gehöre auch die Bündelung von Verwaltungsstrukturen.

Zeitpunkt ist gekommen

;

Was früher aus Marktrodacher Sicht nicht notwendig gewesen sei, dafür passten nun Zeitpunkt und Personalstruktur der Gemeinde ("Es würde Freiräume für die Verwaltung schaffen"). Zudem gebe es schon jetzt viele Schnittpunkte in der Arbeit der beiden Standesämter. So sei es zu guten Gesprächen und einem Angebot der Kronacher gekommen, "das in Ordnung ist".

Dass Kronach und Marktrodach mit einer solchen Zusammenlegung sogar Vorreiter im Landkreis werden könnten, überrascht den Bürgermeister ein wenig. Andernorts in Franken sei man da schon einige Schritte weiter (siehe auch Artikel unten). "In Unterfranken ist sowas fast schon die Regel - und es funktioniert dort gut", ist er überzeugt von einem "Schritt in Richtung einer modernen Verwaltung".

Kronach könnte Staffelstab übernehmen

;

Warum erst jetzt der Gedanke an eine Zusammenlegung von Standesämtern im Kreis Kronach konkrete Formen annimmt, kann Harald Suffa-Blinzler nicht sagen. "Die Rechtslage ist die gleiche", erklärt der Leiter des Kronacher Standesamtes, dass in Oberfranken keine anderen Rahmenbedingungen als beispielsweise in Unterfranken herrschen. Dort sind solche Zusammenlegungen längst nichts Besonderes mehr.

Dass sich nun auch im Frankenwald etwas bewegt und das Thema "Standesämter" über die Kooperation "Kronacher Land" auf die Tagesordnung kommt, sieht er positiv. "Wir arbeiten gut mit den umliegenden Standesämtern zusammen", versichert Suffa-Blinzler. Umso leichter sei es gefallen, nun den Marktrodachern entgegenzukommen. Bis über die Zusammenlegung entschieden ist und sie umgesetzt werden kann, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Nicht nur der Marktrodacher Rat muss noch grünes Licht hierfür geben, sondern auch das Kronacher Gremium und die Rechtsaufsicht.

"Das Prozedere für eine solche Übergabe ist vorgeschrieben", erklärt Suffa-Blinzler zu den dann folgenden Schritten. "Es gibt Ablaufpläne." Wenn alles reibungslos klappt und es keine Widerstände gibt, könnte er sich die Übergabe des Staffelstabs am 1. Juli 2019 vorstellen.

Die Bürger aus Marktrodach müssten sich davor nicht fürchten, sagt er und weist auf Möglichkeiten wie das Online-Serviceportal hin. Was passiert, wenn später weitere Kommunen auf den Zug aufspringen möchten? "Das müsste man im Einzelfall entscheiden", so Suffa-Blinzler. Grundsätzlich könnte er sich weitere Kooperationen durchaus vorstellen.

In Unterfranken hat sich Kooperation schnell eingespielt

;

Auch wenn die Zusammenlegung von Standesämtern für den Landkreis Kronach ein unbeschriebenes Blatt ist, wird das Rad mit dieser Idee nicht neu erfunden. Aus unterschiedlichen Gründen wurden andernorts in Bayern bereits solche Kooperationen zwischen Kommunen verwirklicht. Beispielsweise gibt es seit 2013 zwischen den unterfränkischen Verwaltungsgemeinschaften (VG) Giebelstadt (6800 Einwohner) und Kirchheim (3400) eine solche Partnerschaft.

"Es ist dazu gekommen, weil die Nachbar-VG gesagt hat, dass sie das nicht mehr stemmen kann", erinnert sich der Giebelstadter Geschäftsstellenleiter Joachim Neef an die Ausgangslage vor der Zusammenlegung. In Giebelstadt schuf man Freiräume in anderen Aufgabenbereichen, um die Mehrarbeit aus Kirchheim schultern zu können. "Seitdem läuft das gut", versichert Neef. "Es gibt auch keine Beschwerden von den Bürgern."

Kein Einzelfall

;

Für die standesamtlichen Formalitäten führt der Weg der Kirchheimer nun ins etwa acht Kilometer entfernte Nachbar-Rathaus. Da die Leute aus den Ortsteilen und selbst aus dem Kernort aber ohnehin meist mit dem Auto zur Behörde fahren, mache ihnen die wenig längere Fahrt nichts aus, so Neefs Erfahrungswert.

Geheiratet werden kann übrigens weiterhin in beiden Rathäusern. Nur die Formalitäten vorab müssen Kirchheimer Paare in Giebelstadt erledigen. "Aber wenn man bedenkt, welche Wege für eine Hochzeit in Kauf genommen werden, ist das nicht schlimm", versichert Neef.

Ein Einzelfall sind solche Zusammenlegungsgedanken im Umfeld der beiden Verwaltungsgemeinschaften übrigens längst nicht mehr. Bereits vor Giebelstadt und Kirchheim hatte Gaukönigshofen sein Standesamt nach Ochsenfurt abgegeben, wie sich Neef erinnert. Und zwischenzeitlich haben zwei weitere Kommunen aus dem gleichen Grund in Giebelstadt angeklopft. Hier mussten die Giebelstädter aber abwinken. Personell wie auch räumlich wäre ein größerer Zusammenschluss für die Gemeinde nicht zu schultern.

Ein Standesamt für die Region

;

Auch in Bad Kissingen hat man gute Erfahrungen mit der Zusammenlegung von Standesämtern gemacht. Anfang 2021 soll das dortige Rathaus noch die Aufgaben des Bad Bockleter Standesamtes mit übernehmen. Bad Bocklet wird damit bereits die vierte Gemeinde, mit der Bad Kissingen eine solche Vereinbarung trifft. Somit wird das dortige Amt langsam zu einem Standesamt für die Region.

Richtig in Gang gekommen, so der städtische Justiziar Joachim Kohn, sei die Entwicklung dahin aber erst durch Oerlenbach, das sich als erster Nachbar auf die "standesamtliche Hochzeit" mit der Großen Kreisstadt einließ. Vergleichbare Vereinbarungen mit Nüdlingen und der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf folgten danach jedoch auf dem Fuße.

Was die zukünftige Zusammenarbeit von Bad Kissingen und Bad Bocklet angeht, erhoffen sich beide Kommunen Vorteile von dem Schritt. Das Standesamt im Kissinger Rathaus könne damit noch ein bisschen besser und effektiver arbeiten, sagen die Bad Kissinger.

Und die Marktgemeinde gleich nördlich der Großen Kreisstadt könne eine Aufgabe abgeben, die angesichts steigender Anforderungen für kleinere Kommunen personell und auch finanziell immer mehr zur Belastung wird.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren