Kronach
Bauvorhaben

Stadt Kronach will leerstehendes THW-Gebäude kaufen: Platz für neue Sozialwohnungen

Das THW-Gelände am Kreuzberg liegt seit Jahren brach, Gerüchte über Kaufanfragen und Investoren machen die Runde. Nun bezieht die Stadt Kronach Stellung.
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Seit 2013 steht das ehemalige THW-Gebäude am Kronacher Kreuzberg leer. Nun möchte die Stadt das Gelände kaufen. Foto: Marco Meißner
Seit 2013 steht das ehemalige THW-Gebäude am Kronacher Kreuzberg leer. Nun möchte die Stadt das Gelände kaufen. Foto: Marco Meißner

Die Ratten sollen sich schon eingenistet haben. Zumindest ist das Anwältin Sabine Gross zu Ohren gekommen. Seit 2013 steht das ehemalige THW-Gebäude am Kreuzberg leer. Abgesichert hinter Zäunen und Vorhängeschlössern wuchert die Anlage langsam zu. Stadtrat Klaus Simon (SPD) ruft die Stadt schon seit Längerem dazu auf, das Grundstück zu erwerben und darauf Sozialwohnungen zu bauen. Und tatsächlich: Dem derzeitigen Eigentümer liegt eine Kaufanfrage vor.

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Im Frühjahr nahmen Alfred Bittruf, Vorsitzender des Kronacher Mietervereins, und Rechtsanwältin Sabine Gross, die den Verein juristisch vertritt, am Workshop "Familienfreundlicher Landkreis" teil. In diesem Rahmen habe Angela Hofmann (CSU) den Kauf des THW-Geländes selbst angesprochen. Ein weiterer Teilnehmer habe sich bei der Zweiten Bürgermeisterin erkundigt, ob es zum Thema sozialer Wohnungsbau für die nächste Zeit konkrete Pläne in Kronach gebe.

THW-Gelände: Kaufabsicht und Investor

Hofmann habe daraufhin verkündet, dass die Stadt ein brach liegendes Gelände erwerben möchte. Es gebe auch schon einen möglichen Investor dafür, der die Fläche für Sozialwohnungen nutzen wolle. Ob es sich dabei um das ehemalige THW-Grundstück in der Joseph-Haydn-Straße handelt und wer der Investor ist, habe sie damals jedoch nicht verraten.

Derzeitiger Eigentümer des Grundstücks ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Auf FT-Anfrage bestätigt die BImA, dass die Stadt die Fläche über einen sogenannten Erstzugriff erwerben möchte. "Das ist eine besondere Art des Direktverkaufs, den nur Kommunen oder andere Gebietskörperschaften ausüben können", erklärt Larissa Komnick von der Schweinfurter BImA-Nebenstelle. "Ansonsten müssen wir es zum Verkauf ausschreiben." Die Stadt prüfe den Erstzugriff aktuell noch, kläre also ab, was nach einem möglichen Kauf konkret mit der Fläche geschehen soll. "Uns gegenüber hat die Stadt jedenfalls erklärt, dass sie das Gelände erwerben möchte", fasst Komnick zusammen.

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Laut Hofmann habe sich der Stadtrat im Mai mit dem Wohnungsbaukonzept auseinandergesetzt. Die Stadtverwaltung stehe nun in Kontakt mit der BundesImmoVerwaltung, um das ehemalige THW-Gelände zu kaufen. "Die Stadt Kronach hat ein bevorrechtigtes Interesse und gute Chancen, das Grundstück zu erwerben", schreibt Hofmann. Aufgrund seiner Lage sei die Fläche durchaus für Mietwohnungen oder sozialen Wohnungsbau geeignet. Hofmann zufolge fehle es in Kronach derzeit an bezahlbarem Wohnraum für Einzelpersonen, aber auch für Familien. Für das Bauvorhaben der Stadt müssten die bestehenden Gebäude auf dem Gelände abgerissen werden. "Dann ist Platz für einen Neubau", so Hofmann. Auf die Nachfrage, ob auch Kaufinteresse an weiteren Grundstücken bestehe, verweist Hofmann nur auf das Wohnungsbaukonzept, das die vorrangige Nutzung von Brachen und Leerständen vorsieht.

SPD in Kronach: Zeit zu handeln

Das THW-Gelände liegt seit sechs Jahren brach und befindet sich in einem schlechten Zustand, sagt Simon. "Wenn sie weiterhin nichts damit machen, wächst es noch komplett zu." Dabei biete sich das rund 2000 Quadratmeter große Grundstück für neue Projekte an.

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Vor allem die Aussicht auf neue Sozialwohnungen findet Anwältin Gross spannend - und für die Stadt Kronach absolut hinfällig. Denn in den vergangenen Jahren sei hier nichts für den Sozialen Wohnungsbau getan worden. "In Kronach wird schon recht viel gebaut, aber vor allem hochpreisige Eigentumswohnungen", sagt Gross. "Aber was sollen die anderen machen? Den KWG-Bewohnern steigen die Mieten beispielsweise über den Kopf." Von den rund 650 KWG-Wohnungen würden etliche leer stehen, fügt Simon an. Über 40 müssten zudem dringend saniert werden.

Die Kronacher SPD-Fraktion hatte im Mai beantragt, den Kauf des THW-Geländes im Haushaltsplan zu berücksichtigen sowie mögliche Fördermittel und Projektpartner in der Stadtratssitzung zu besprechen. Von ihnen sei auch die Anregung zum sozialen Wohnungsbau gekommen, sagt Stadtrat Ralf Völkl. "Seit zwei Jahren wird über das Gelände nur diskutiert, wir wollten aber ein klares Zeichen setzen." Kollege Simon ist sicher: "Wenn wir den Antrag nicht gestellt hätten, wäre bis heute nichts passiert." Bis zum 28. Juni hätte die Stadt noch Zeit gehabt, Kaufinteresse anzumelden. Nach Ablauf der Frist hätte die BImA das Grundstück jedoch auch ausschreiben können.

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