Ein Auto zieht mit Schwung um die Kurve und biegt in das kleine Steinmühlgässchen ein. Wenig später folgt das nächste. Dann quetscht sich schnell noch ein Lieferwagen in flottem Tempo hinein, ehe ein Fußgänger seinen Weg kreuzen kann. Natürlich gibt es Straßen in der Kronacher Innenstadt, die bei weitem mehr Verkehr schlucken müssen. Doch das Nadelöhr zwischen Marienplatz und Europabrücke ist nach Ansicht von Anwohner Norbert Borst mit (seiner Schätzung nach) 800 Autos am Tag bereits weit überfordert. Und er sieht dort einen besonderen Gefahrenherd. Die Fußgängersituation. Vor allem zur Schulschluss-Zeit.


In schlechtem Zustand

In der Stadtratssitzung hatte Borst angeprangert, dass sich der mäßige Straßenzustand weiter verschlechtert und in der Engstelle sowie durch den kreuzenden Fußgängerverkehr im Einmündungsbereich brenzlige Situationen entstehen. "Die Leute müssen schon mal zur Seite springen und sich an die Wand drängen", erklärt er, dass sich viele Fahrer nicht um die Beschilderung als verkehrsberuhigter Bereich kümmern würden.

Wie er erfahren habe, nutze sogar der überörtliche Verkehr aus Richtung Friesen hin zur südlichen Stadtausfahrt die Abkürzung über den Marienplatz und die Kulmbacher Straße. So vermieden Autofahrer die vier Ampeln gegenüber der regulären Fahrt über die Stöhrstraße und die Bundesstraße 173, erklärt er. "Es hat sich wohl rumgesprochen, dass man so ohne Ampel zum Real kommt." Doch er hat nicht nur das Gässchen im Blick. "Es geht auch darum, den Verkehr vom Marienplatz wegzubringen", führt Borst aus. 800 Autos am Tag mehr oder weniger seien für das Stadtzentrum schon eine Hausnummer. Außerdem beschwert er sich über Fahrer, die durch die Fußgängerzone in die Hirtengasse einbiegen, um abzukürzen.

Obwohl am und im Steinmühlgässchen noch nichts Schlimmes passiert ist, nimmt die Stadtverwaltung die Beschwerde von Norbert Borst ernst. "Wir werden das prüfen", verspricht Dieter Krapp vom Ordnungsamt. Welche Maßnahmen man dazu ergreifen wird, soll im Gespräch mit der Polizei geklärt werden. Eine Verkehrszählung und eine Geschwindigkeitsmessung sind denkbar.
"Bei uns sind noch keine Beschwerden eingegangen", bestätigt Matthias Stöcker, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Kronach, den Kenntnisstand von Krapp. Dennoch will er auf diesen Hinweis hin seinerseits Kontakt mit der Stadt aufnehmen.

Ob die Langstrecken-Abkürzungstheorie von Borst einer Prüfung standhalten kann, daran zweifeln beide Fachleute. "Taugt diese Strecke für eine Abkürzung?", fragt sich Stöcker. Krapp verweist auf die verzwickte Route, die wohl kaum eine Zeitersparnis brächte. Er ergänzt aber: "Ich denke, es ist vor allem eine Abkürzung für diejenigen, die vom Marienplatz kommen und sich eine Schleife sparen wollen."


Umkehrung ist keine Lösung

Wäre es daher eine schnelle Lösung, Borsts Vorschlag aufzugreifen und - wie vor einigen Jahren - die Einbahnstraßen-Ausrichtung einfach umzudrehen? Wohl eher nicht. Dann könnte sich eine Abkürzungsstrecke in der umgekehrten Richtung entwickeln, wie Krapp befürchtet. In der Folge würden Probleme in der Güterstraße drohen.