Teuschnitz
Bilanz

Stadt hat sich neu erfunden: Arnika prägt nun das Erscheinungsbild von Teuschnitz

Seit vier Jahren präsentiert sich Teuschnitz als Arnika-Stadt. Die Projektförderung zum strategischen Meilenstein "Netzwerkmanagement Arnika-Stadt" endet.
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Der Kräuterlehr- und -schaugarten von Teuschnitz hat sich zu einer wahren Touristenattraktion entwickelt.Nicole Julien-Mann
Der Kräuterlehr- und -schaugarten von Teuschnitz hat sich zu einer wahren Touristenattraktion entwickelt.Nicole Julien-Mann
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Die Arnika entwickelt ihre Kräuterheilkräfte an Plätzen, für die man geschaffen sein muss: Das Klima darf rau, der Boden muss karg sein. Im Juni setzt sie zerzauste Leuchtpunkte in die wilden Wiesen. Ähnlich widerstandsfähig, eigenwillig und selbstbewusst präsentiert sich die Stadt, der die Heilpflanze zu einer neuen Identität verholfen hat und die sie nun stolz im Namen trägt: die Arnikastadt Teuschnitz. Als hier Anfang der 2000er Jahre rund 1500 Arbeitsplätze wegfielen, besannen sich die Bürger auf ihre Stärken und vor allem auf ihr Alleinstellungsmerkmal weit und breit: die intakte Natur in der Teuschnitz-Aue. So kam es, dass sich unter dem Leitmotiv "Gesundheit und Natur" die kleine Stadt im oberen Frankenwald neu erfand und zu neuer Ausstrahlung und Anziehungskraft gelangte.

Aber zuerst musste die Veränderung in den Köpfen ankommen. Bürgermeisterin Gabriele Weber erinnert sich: "Aber wir waren von dem Thema überzeugt und sind es mit Optimismus und Elan angegangen."

Viele sichtbare Früchte

Beharrlich arbeitete das Team aus Stadtverwaltung, Politikern und Ehrenamtlichen weiter an der Idee, mit dem Ergebnis, dass diese heute an vielen Stellen der Stadt sichtbare Früchte trägt. Das Gelb der Arnika prägt heute das Erscheinungsbild von Teuschnitz, das in den letzten vier Jahren im Rahmen des Projekts Netzwerkmanagement Gestalt annahm. Das Logo der Stadt, die Website, Beschilderungen zeigen alle das einheitliche Corporate Design.

Die größte Außenwirkung aber haben die Arnika-Akademie  und  der  Kräuterlehr-  und -schaugarten. Er hat sich zu einer wahren Touristenattraktion entwickelt: Mehr als 60 Busgruppen haben ihn im laufenden Jahr besucht. Die Beete im sogenannten New German Style liefern außerdem die Rohstoffe für die Produkte der Marke Naturmanufaktur Teuschnitz.

25 Nebenjobs und zwei Angestellte weisen die Arnika-Akademie als Arbeitgeber mit Perspektive aus. Zurzeit läuft der dritte Weiterbildungskurs zum Zertifizierten TEH-Praktiker, für den vierten im nächsten Jahr gibt es bereits eine Warteliste. Wer sich auf diese profunde Ausbildung mit 160 Unterrichtsstunden einlässt, hat die Chance einer beruflichen Existenz im Umfeld der traditionellen europäischen Heilkräuter. Die Arnika-Akademie bildet aus und rekrutiert zugleich ihr Fachpersonal. Die nächsten Schritte zum erklärten Ziel, Zentrum für Kräuter und Heilpflanzen in Mitteldeutschland zu werden, sind damit vorgezeichnet.

Die Aktivitäten des Stadtumbaumanagements und des Netzwerkmanagements gehen Hand in Hand. Im Mai nächsten Jahres ist die Brücke zwischen der Arnika-Akademie und dem Stadtkern von Teuschnitz geschlagen. Dann werden der neue Festplatz, die Kulturwiese und der Erlebnisspielplatz eröffnet.

Doch damit nicht genug: In Planung ist der Wiederbelebung der ehemaligen Gastwirtschaft "Schwarzes Kreuz" als Treffpunkt für Bürger und Gäste mit Biergarten und Übernachtungsmöglichkeiten, daran angegliedert eine Touristeninformation und ein Kräuterinformationszentrum.

Aus einem Guss und vielen Töpfen

Das Dreigestirn aus Netzwerkmanagement, Stadtumbaumanagement und dem Arnika-Verein entwickelte mit Bürgermeisterin Gabi Weber an der Spitze ein Zukunftsprojekt aus einem Guss. Die finanziellen Mittel für die Realisierung der Arnikastadt Teuschnitz stammen aus vielen Fördertöpfen, wie dem Leader-Programm der Europäischen Union, dem Bund-/Länder-Städtebau-Förderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden", der Initiative Landaufschwung und der Oberfrankenstiftung. Mit den Leader-Mitteln wurde die Stelle eines Netzwerkmanagers geschaffen. Seit 2014 knüpft Oliver Plewa die Fäden im Netzwerk der Arnika-Stadt.

Kurzinterview

Ein paar Fragen an Netzwerkmanager Oliver Plewa:

Welche Erkenntnis nehmen Sie aus den letzten vier Jahren mit?

Oliver Plewa: Wie unglaublich wichtig es ist, erreichbare Ziele mit allen Beteiligten zu definieren, klare Strukturen zu schaffen und die Umsetzung der Maßnahmen systematisch abzuwickeln.

Als Sie anfingen, gab es nichts außer einer Idee. Wie sind Sie an ihre Aufgabe herangegangen?

Ich war neugierig und hatte große Lust dieses Projekt mitzugestalten. Gerade am Anfang gab es einen enormen Zeitdruck. Wir haben alle die Ärmel hochgekrempelt und angepackt.

Der Zeitplan wurde eingehalten, viele Projekte wurden realisiert. Was war ausschlaggebend für den Erfolg?

Viele abendfüllende Sitzungen und die ständige Rückkopplung mit den Bürgern und den Akteuren wie dem Regionalmanagement, den Fördergebern und Touristikern. Entscheidend war und ist das herausragende ehrenamtliche Engagement im Arnika-Verein. Die Fragen stellte Nicole Julien-Mann.

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