Die Ermittlungen gegen mehrere Ärzte wegen fahrlässiger Tötung einer 17-Jährigen aus dem Landkreis Kronach wurden eingestellt. Das teilte Martin Dippold, Oberstaatsanwalt in Coburg, mit.
"In drei Fällen wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt, in einem Fall wegen Geringfügigkeit", erklärt Dippold. Einer der Fälle wurde laut dem Oberstaatsanwalt wegen der Zuständigkeit an die Staatsanwaltschaft in Hof abgegeben.

"Es gibt ein medizinisches Gutachten, das zeigt, dass dieses Krankheitsbild für ein 17-jähriges Mädchen absolut außergewöhnlich ist", erklärt Dippold. Eine solche Aortendissektion betreffe eher ältere Menschen und dann auch meist Männer. "Deswegen hat man das Verschulden der Ärzte als geringfügig angesehen", so Dippold weiter. Mit der Zustimmung des Gerichts habe die Coburger Staatsanwaltschaft deshalb entschieden, das Verfahren einzustellen.


Keine klare Diagnose

Was war passiert? Wie die Angehörigen der 17-Jährigen angegeben hatten, hatte die junge Frau am 6. Februar 2016 über starke Brustschmerzen geklagt (wir berichteten). Wegen des Verdachts, es könnte sich um einen Herzinfarkt handeln, hatte sich die 17-Jährige in die Notaufnahme der Helios-Frankenwaldklinik Kronach bringen lassen.

Ihre tatsächliche Erkrankung konnte jedoch nicht diagnostiziert werden. Bei einem zweiten Besuch am Folgetag wurde ihr empfohlen, eine Kinderklinik aufzusuchen, da sie noch keine 18 Jahre alt war. Das tat sie unverzüglich. Doch auch in Hof ist keine klare Diagnose gestellt worden, hieß es. Ebenfalls ratlos soll der Vertreter des Hausarztes am Folgetag gewesen sein.

Am 9. Februar 2016 wurde die 17-Jährige schließlich leblos in ihrem Zimmer aufgefunden. Die Ursache hierfür war eine Aortendissektion (Riss im Gewebe der Hauptschlagader), welche zu einem Herzversagen führte.


Fall bleibt auf dem Tisch

Der Anwalt der Angehörigen, Martin Jensch, reagiert auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft relativ gelassen. Rechtlich gesehen habe er auf den Verlauf des Strafverfahrens keinen Einfluss. "Und die Einstellung der Ermittlungen heißt ja nicht, dass nichts dran ist", betont er auch mit dem Blick auf die verhängten Geldauflagen.

Nun werde eben weiter der zivilrechtliche Weg sowohl gegen die Kliniken als auch die Ärzte beschritten. Die Angehörigen hätten ihre Anliegen bereits geltend gemacht.
Sie und ihr Anwalt warten jetzt die Antworten ab. Das Resultat kann laut Jensch entweder eine außergerichtliche Einigung werden, oder es geht vor Gericht. In welche Richtung das Pendel schwingt, lässt sich momentan noch nicht sagen. Mit einer Entscheidung rechnet Jensch in etwa zwei Monaten.