Kronach
Gottesdiensttest

St. Nikolaus Windheim: Im Zeichen der Nächstenliebe

Noch wird die Windheimer St.Nikolaus-Kirche saniert - zur Weihnachtszeit sollen die Bauarbeiten aber beendet sein. Unser Tester erlebte daher eine der letzten Messen vor dem großen Umbau.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nur wer genauer hinsieht, erkennt bei der Windheimer St. Nikolaus-Kirche den bröckelnden Außenputz. Bei der Sanierung, die noch bis Weihnachten andauert, wird allerdings auch die Inneneinrichtung erneuert. Foto: Marian Hamacher
Nur wer genauer hinsieht, erkennt bei der Windheimer St. Nikolaus-Kirche den bröckelnden Außenputz. Bei der Sanierung, die noch bis Weihnachten andauert, wird allerdings auch die Inneneinrichtung erneuert. Foto: Marian Hamacher

Das Urteil unseres Testers:

Insgesamt bietet der Besuch in Windheim das, was man sich von einem katholischen Gottesdienst erhofft: die bekannte Liturgie, eine flüssig vorgetragene Predigt, die zum Denken anregt sowie ein nicht zu aufdringliches Orgelspiel, zu dem jeder Mitsingen kann. Von daher sollte auch die Liedauswahl lobend erwähnt werden. Die stellte die Gemeindemitglieder vor keine allzu großen gesanglichen Herausforderungen, sondern passte mitunter zum großen Thema des Gottesdienstes: einander zu lieben.

Es war zu spüren, dass Josef Grünbeck sein Leitthema nicht ohne Grund ausgesucht hatte. Gekonnt schlug er den Bogen vom Neuen Testament zu Beispielen aus dem Alltag der Gläubigen. Wer jung ist und noch etwas leisten könne, erfahre meist Liebe und Anerkennung, erzählte er. Anders sehe das bei älteren Menschen aus, die nur noch selten aus dem Haus kommen. "Aber gerade die sind auf Liebe angewiesen", betonte er. Andererseits dürften jene, "die Hilfe brauchen, nicht immer nur an Jüngeren herumnörgeln." Das habe nichts mit gegenseitiger Liebe zu tun.

Der größte Kritikpunkt am Gebäude dürfte bald verschwunden sein, denn der seitliche Kircheneingang soll barrierefrei gestaltet werden. Die Beschallungsanlage wird zwar ebenfalls erneuert, negativ fiel die bisherige bei unserem Test aber nicht auf.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Bevor Pastoralreferent Josef Grünbeck an den Altar tritt, ergreift ein Gemeindemitglied das Wort. Es informiert über anstehende Veranstaltungen in Steinbacher Gemeindeteilen und lädt herzlich ein. Auch Grünbeck wird an diesem Tag eine Einladung aussprechen. Jene, im Alltag viel öfter Liebe, Zuneigung und Dankbarkeit zu zeigen. Dass Liebe das zentrale Thema dieses Gottesdienstes sein wird, macht er daher schon in seiner Begrüßung klar. "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe", zitiert er Jesu Worte vom letzten Abendmahl. "Das ist die Lebensaufgabe, die wir als Christen bewerkstelligen sollten", betont Grünbeck.

2. Musik

Nicht nur sprichwörtlich findet der Organist den richtigen Ton: Sei es zur musikalischen Untermalung während des Abendmahls, als Vorsänger beim Halleluja oder wenn es darum geht, dass die Gemeinde selbst singt.

Die vorangegangenen Teile unseres Test haben gezeigt, dass es gar nicht so einfach ist, die Besucher zum Mitsingen zu bewegen. Da der Organist auch die passende Lautstärke findet, harmonieren das Instrument und der engagierte Gesang der Gemeinde perfekt.

3. Lesungen Klar, deutlich und mit ausreichend Pausen lesen erst ein Mann, dann eine Frau aus der Apostelgeschichte und der Offenbarung des Johannes vor. Aus dem Evangelium wird später Grünbeck selbst vorlesen. Wie von ihm schon zu Beginn des Gottesdienstes angekündigt, handelt es sich dabei um eine Stelle, die sich auf das zentrale Thema der Messe bezieht: Liebt einander - auch wenn es manchmal schwer fällt.

4. Predigt

Grünbeck zuzuhören, fällt nicht schwer - was vor allem daran liegt, dass man gar nicht merkt, ob er seine etwa zehn Minuten lange Predigt vom Blatt abliest. Während dieser versucht er, die Gemeinde davon zu überzeugen, mehr Nächstenliebe zu zeigen. Dazu zählt er gleich mehrere Beispiele auf. Dadurch wirkt die Predigt etwas wiederholend. Allerdings: Der eine oder andere dürfte sich nach dem Gottesdienst sicher gefragt haben, ob er oft genug Verständnis für andere aufbringt.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Kommunion wird in Form einer Wandelkommunion gereicht. Die Besucher verlassen also ihre Bänke und stellen sich vor dem Altarraum in zwei Reihen auf, um die Hostie in Empfang zu nehmen. Das begleitende Orgelspiel verleiht der Zeremonie zusätzliche Würde.

6. Segen

Bevor der Pastoralreferent seine Gemeinde in einen "gesegneten Sonntag und eine gute Woche" entlässt, schließt er die thematische Klammer des Gottesdienstes. Er wünsche allen, dass sie ein Stück von Jesu Liebe spüren, "die Sie dann auch verschwenderisch weitergeben können".

7. Ambiente

Die Kirche hat einen enormen Sanierungsbedarf: Die Fassade bröckelt, und in den unteren Bereichen der Wände ist der Innenputz feucht. Um das festzustellen, muss man aber schon sehr genau hinsehen. Der Laie staunt vielmehr über die prunkvolle Einrichtung. Denn sowohl die drei Altäre als auch die Kanzel sind goldverziert.

Die Kreuzwegbilder an den Wänden und die danebenstehenden Kerzen wirken beruhigend und sorgen für eine warme Ausstrahlung. Dafür, dass es in den kalten Monaten nicht nur bei einer emotionalen Wärme bleibt, soll bald eine neue Rohrheizung sorgen; angebracht an den denkmalgeschützten Fenstern.

8. Kirchenbänke

Wer in Windheim nach der Sanierung einen Gottesdienst besucht, wird auf einer nagelneuen Sitzbank Platz nehmen. Was gut so ist. Den rotgepolsterten Knie- und braungepolsterten Sitzbänken war nämlich deutlich anzusehen, dass sie schon etwas in die Jahre gekommen sind.

Am Komfort war dennoch wenig auszusetzen. Schließlich waren die Bänke nicht nur gepolstert, sondern der Abstand zwischen den Bänken so gewählt, dass auch große Menschen ausreichend Beinfreiheit hatten.

9. Beleuchtung Zwar hat die Kirche weiße Wände, sie kann durch die dunkle Holzdecke allerdings auch schnell etwas düster wirken. Da hilft es, dass von außen ausreichend Licht durch die hohen Fensterscheiben fallen kann - und damit auch die goldenen Altäre schön ausleuchtet.

10. Sinne

Kirchen vermitteln häufig ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Das konnte man von der St.-Nikolaus-Kirche auch schon vor der umfassenden Sanierung behaupten. Vor allem der Altarbereich in den Farben Gold, Blau und Rosa vermittelt eine gewisse Wohlfühlatmosphäre. So machte das Gotteshaus trotz der dunklen Holzdecke dann doch einen recht hellen Eindruck. Spannend wird daher, wie es nach den Bauarbeiten aussehen wird.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren