Kronach
Gottesdiensttest

 St. Bartholomäus Rothenkirchen: Warum man Wunder nicht erklären kann

In der St. Bartholomäus-Kirche in Rothenkirchen erlebte unser Tester einen Gottesdienst, der ganz im Zeichen der Gemeinschaft stand.
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Zuletzt wurde die Rothenkirchener St. Bartholomäus-Kirche zwischen 2001 und 2004 renoviert - und  damit genau 400 Jahre nach dem Neu- beziehungsweise Umbau der Kirche und des Kirchturms (1601 bis 1604). Foto: Marian Hamacher
Zuletzt wurde die Rothenkirchener St. Bartholomäus-Kirche zwischen 2001 und 2004 renoviert - und damit genau 400 Jahre nach dem Neu- beziehungsweise Umbau der Kirche und des Kirchturms (1601 bis 1604). Foto: Marian Hamacher

Das Urteil unseres Testers:

Würde man den Gottesdienst mit einer Mahlzeit vergleichen, bekamen die Gläubigen ein Gericht serviert, das zwar alle Zutaten enthielt - dem aber die letzte Würze fehlte. Angenehm war, das Pötzl eine Predigt hielt, die nicht belehren, sondern zu mehr Gemeinschaftssinn und Zusammengehörigkeit animieren wollte. Letztlich blieb sie aber doch zu theologisch und zu unkonkret, um auch noch nach der Messe nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Schon eher gelang das mit einer Aussage, die der Pfarrer gleich zu Beginn tätigte. Der Mensch sei auf der Erde, weil er den Auftrag habe, Gutes zu tun.

Einen Besuch ist die St. Bartholomäus-Kirche auf alle Fälle wert. Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten. Besonders imposant ist der goldene Altar im rechten Flügel des Gotteshauses.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Mit einer solch großen Messe hatten die meisten Gläubigen gar nicht gerechnet. Zunächst nehmen sie auf den Bänken im rechten Bereich der Kirche Platz. Stattfinden wird der Gottesdienst jedoch im größeren der beiden Altarräume - auch wenn sich die Besucher dort im ebenfalls viel größeren Zuschauerraum verlieren. Groß beziehungsweise lang ist auch die Einstiegsrede von Pfarrer Detlef Pötzl. Die dauert knapp vier Minuten und ist damit sogar etwas länger als später die Predigt. In dieser Messe werde das Fest der Apostel Philippus und Jakobus gefeiert, kündigt er an. Diese seien die ersten gewesen, die die Botschaft von Jesu Auferstehung verkündet haben.

2. Musik

Temperamentvoll spielt der Organist bekannte Lieder aus dem Gotteslob - die die Gemeinde ebenso engagiert wie lautstark mitsingt. Nicht nur beim angenehm zurückhaltenden Orgelspiel während der Kommunion merkt man, dass dort jemand hinter den Tasten sitzt, der sein Handwerk versteht.

Auch eher langsame Titel spielt er so zügig, dass er regelrecht dazu auffordert, entsprechend nach dem Takt zu singen. Die Folge: Das Lied wird so nicht zur Leier.

3. Lesungen Die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther wird von einem Gemeindemitglied laut und verständlich vorgetragen. Wie von Pötzl angekündigt, taucht darin mit Jakobus der erste Apostel auf, der in diesem Gottesdienst gewürdigt werden soll.

Philippus hat anschließend im vom Pfarrer vorgetragenen Evangelium nach Johannes seinen Auftritt. Darin geht es um die "Speisung der 5000", auf die Pötzl kurze Zeit später in seiner Predigt noch einmal genauer eingehen wird.

4. Predigt

Immer wieder sucht Pötzl den Blickkontakt zu seiner Gemeinde, während er in seiner Predigt die "Speisung der 5000" interpretiert. "Wunder kann man nicht erklären", sagt er in einem Tonfall, der es einem nicht schwer macht, seinen Worten weiter zu folgen. Dass alle satt geworden sind, habe aber sicher nicht nur daran gelegen, dass nun genug zum Essen da war. Das resultiere wohl vielmehr daraus, dass jeder gegeben habe, was er konnte. Die wichtigste Hilfe sei durch den kleinen Jungen mit dessen fünf Gerstenbroten und zwei Fischen gekommen. Also von jemandem, von dem man sie am wenigsten erwartet.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Eucharistie erfolgt durch Pfarrer Pötzl als Wandelkommunion. In zwei Reihen stellen sich die Gläubigen vor ihm auf, um den Leib Christi zu empfangen. Begleitet wird die Kommunion von einem angenehm zurückhaltenden Orgelspiel.

6. Segen

Auch im Segensspruch erinnert der Pfarrer noch einmal daran, dass dieser Gottesdienst eine ewige Anbetung der "guten Hirten" Philippus und Jakobus war.

Den Gläubigen gibt er zwar keinen ritualisierten Segensspruch mit auf den Weg, dankt aber "für das gemeinsame Beten und Singen" sowie "für die Gebetsgemeinschaft". Wer es bisher nicht gemerkt hat, wird - überspitzt formuliert - nun mit dem theologischen Holzhammer darauf hingewiesen, dass man sich gegenseitig unterstützen soll. Vielleicht nicht, um Wunder zu vollbringen. Aber womöglich, um so etwas leichter durch den Alltag zu kommen.

7. Ambiente

Die Kirche ist nicht nüchtern, aber auch nicht überschwänglich, nicht kalt. Zwar dominieren die weißen Wände, die in erdigen Farben gemalten Bilder, die den Kreuzweg zeigen, strahlen aber eine gewisse Wärme aus. Wenn man so will, eine eher neutrale Stimmung, in der man sich dennoch ein stückweit wohl und willkommen fühlt.

8. Kirchenbänke

Nicht wenige Gläubige dürften Jubelsprünge gemacht haben, weil der Pfarrer die Wandlung nicht unnötig in die Länge zog. Denn mit jeder Minute machte sich mehr und mehr bemerkbar, dass die Kniebänke keine Polsterung haben - anders als die Sitzbänke. In dieser Hinsicht dürfte die ansonsten gut ausgestattete Kirche ruhig noch einmal nachlegen.

Daher war es nur allzu verständlich, dass einige Besucher sich gar nicht erst hinknieten. Ihr Orthopäde und ihre Knie dürften es ihnen danken.

9. Beleuchtung Zwar hängt unter jedem Kreuzweg-Bild eine Kerze, zur Beleuchtung werden diese aber nicht benötigt. Einerseits fällt durch die Fenster ausreichend Licht, andererseits baumeln seit der letzten Sanierung Lampen von der Decke, die verhindern, dass in einer düsteren Kirche die Liedtexte nicht entziffert werden können.

10. Sinne

Beschweren dürfen sich die beiden mit diesem Gottesdienst geehrten Apostel sicherlich nicht. Gleich fünf Messdiener sorgten für einen würdigen Rahmen. Während sie zu einigen Grundgebeten mit den Glöckchen klingelten, läuteten während der Lesung aus dem Evangelium sowie während der Wandlung sogar die Kirchenglocken.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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