Kronach
Ultratrail

Simone Gerstmayer meistert die Berge

Simone Gerstmayer absolviert einen Trail, auf dem normalerweise Skirennfahrer zu Hause sind. Die Neuseserin hat noch viel vor.
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Simone Gerstmayer beim Abstieg vom Rüfikopf  Foto: privat
Simone Gerstmayer beim Abstieg vom Rüfikopf Foto: privat

Die Ultratrailläuferin Simone Gerstmayer aus Neuses startete bei der Premiere der Trailchallenge "Der weiße Ring" im österreichischen Lech. Der weiße Ring ist eine legendäre Skirennroute, auf der sich die Skiläufer jedes Jahr im Januar die Zähne ausbeißen. Heuer wurde zum ersten Mal die Strecke für die Trailrunner und Skyracer freigegeben - allerdings in entgegengesetzter Richtung. Gerstmayer startete auf der langen Strecke, die "Große Heldenwertung". Dort musste sie 28,9 Kilometer und 2300 Höhenmeter bewältigen und kam nach 6:29 Stunden auf Platz 44 unter 56 startenden Frauen ins Ziel.

Insgesamt waren 461 Trailrunner aus über 21 Nationen am Start. Die Strecke führte von Lech über die Kriegeralpe zur Balmalp nach Zug, hoch zum Madloch und Madlochjoch, über den Zürsersee runter nach Zürs, wieder bergan über die Monzabonalpe zum Rüfikopf und bergab zurück nach Lech. Jeder Teilnehmer konnte aus drei Strecken wählen.

Vorsicht ist geboten

Die Strecke war durch die vergangenen Regentage teilweise sehr rutschig und nass. Dies setzte auf den steilen, schmalen und ausgesetzten Downhills Vorsicht und Trittsicherheit voraus.

Gerstmayer startete in Lech bei trockenem Wetter. Es ging direkt in den ersten Anstieg. Die ersten 100 Meter gingen senkrecht auf der Skipiste hoch. Danach ging es weiter auf Schotter- und Wanderwegen über etwa sechs Kilometer mit 800 Höhenmetern. An der Kriegeralpe war der erste Anstieg fast geschafft.

Am Grat entlang - zwischen Absturzvorrichtungen und Absperrungen, rechts und links abfallendes Gelände - musste die Neuseserin kurz darauf in den ersten Downhill. Steil und auf schmalen Pfaden schlängelte sich der Weg nach unten. Es ging über Steine, Wurzeln sowie Waldboden, welcher teilweise nass und somit sehr rutschig war.

Der schwierigste Abschnitt

Unten angekommen in Zug stand für Gerstmayer die nächste Uphillpassage an. Hoch zum Madloch und Madlochjoch sind es knapp 1000 Höhenmeter auf sieben Kilometern. Dieser Anstieg war nicht nur der längste, sondern auch der technisch anspruchsvollste.

Es ging ziemlich direkt - ohne Serpentinen - die schwarze Skipiste hoch; der Weg steil und ausgetreten. Oberhalb der Baumgrenze verlief der Weg weiter über Wiesen und Kuhweiden. Er endete in einem schmalen Pfad, der in Fels und Geröllfeld überging bis hinauf zum Madlochjoch.

Nachdem Gerstmayer dieses Ziel erreicht hatte, startete sofort der nächste Downhill vorbei am Zürsersee und weiter Richtung Zürs. Dieser war zwar ziemlich ausgesetzt mit vielen Stufen und Murmeltierlöchern, aber gut laufbar. Der letzte Anstieg von gut 600 Höhenmetern ging serpentinenartig hinauf bis zur Monzabonalpe, wo der Weg wieder auf einen Kuhweidenpfad übergeht.

Das Ziel, der Rüfikopf, war schon zu sehen. Die letzten 350 Höhenmeter senkrecht nach oben standen an. An der Bergstation Rüfikopf angekommen wartete ein gigantischer, technisch sehr anspruchsvoller, schmaler und sehr steiler Downhill. Auf drei Kilometer musste Gerstmayer rund 900 Höhenmeter bewältigen.

Los ging es über Felsbrocken und sehr grobem Geröll - kein exakter Weg war erkennbar. Sie musste sich an den farbigen Fähnchen orientieren, die als Wegmarkierung dienten. Nach gut einem Drittel ging der Weg in einen schmalen Wiesenpfad über. Dieser wurde immer steiler und enger. Die Latschenkiefern versperrten teilweise die Sicht, was auf dem sandigen und mit grobem Schotter und Steinen gespickten Trail eine rutschige und wackelige Angelegenheit machte. Serpentinenartig schlängelte es sich nach unten.

Straffes Programm

Dort angekommen war das Ziel nur noch 500 Meter entfernt. Simone Gerstmayer überquerte die Ziellinie zwar mit brennenden Beinen, aber lächelnd als 44. Frau (Gesamtplatzierung: 166 von 198) nach 6:29 Stunden.

Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt ihr allerdings nicht, denn es stehen noch drei Ultratrailläufe in den nächsten fünf Wochen auf dem Programm. red

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