Kronach
Fussball Kreisliga

Schiedsrichter-Gespanne verursachen Mehrkosten

In der Kreisliga Kronach werden seit dieser Saison erstmals Schiedsrichter-Gespanne eingesetzt, obwohl dies die Vereine bei der Arbeitstagung abgelehnt hatten. Vor allem die Art und Weise der Einführung wird kritisiert.
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Beim Kreisliga-Spiel DJK-SV Neufang - SV Friesen II erhielten Schiedsrichter Tobias Püls (Mitte) und seine Assistenten Dominic Kohles und Peter Will gute Noten. Der Einsatz von Gespannen in der Kreisliga ist jedoch alles andere als unumstritten. Foto: Hans Franz
Beim Kreisliga-Spiel DJK-SV Neufang - SV Friesen II erhielten Schiedsrichter Tobias Püls (Mitte) und seine Assistenten Dominic Kohles und Peter Will gute Noten. Der Einsatz von Gespannen in der Kreisliga ist jedoch alles andere als unumstritten. Foto: Hans Franz
Das Votum der Kreisliga-Funktionäre im Steinbacher Sportheim war eigentlich eindeutig. Mit 10:6 Stimmen hatten sie sich Anfang Juli gegen die Einführung von Schiedsrichter-Gespannen in ihrer Spielklasse ausgesprochen. Genutzt hat es nichts, denn seit dieser Serie werden auch die Spiele der Kreisliga Kronach von einem Schiedsrichter und zwei Assistenten geleitet.

Vereine überrascht

Das kam für die betroffenen Vereine mehr oder weniger überraschend, denn informiert wurden sie darüber im Vorfeld vom Verband oder von Kreisspielleiter Helmut Dinkel nicht. Lediglich im Internet war einige Tage vorher auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes ersichtlich, dass zum ersten Spieltag Gespanne eingeteilt sind.

Damit hatten die wenigsten gerechnet, denn in Paragraf 34, Absatz 5 der Spielordnung ist eigentlich klar geregelt: "Bei Pflichtspielen in der Kreisliga entscheiden auf
Vorschlag des Kreisausschusses die Vereine dieser Spielklasse mehrheitlich, ob hier Gespanne zum Einsatz kommen", heißt es wörtlich. Ebenso klar fiel auch die Entscheidung der 16 Vereine aus der Kreisliga Kronach aus, die sich mit 10:6 Stimmen gegen die Gespanne ausgesprochen hatten.

Dass diese Abstimmung aber eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen wäre und selbst bei einem 16:0-Votum nichts an der Einführung geändert hätte, sorgte dann nicht nur in der Arbeitstagung selbst, sondern auch noch im Nachhinein für viel Unmut und Unverständnis. Einen Tag vor der Sitzung in Steinbach hatten sich nämlich die Vertreter der Kreisliga Coburg mit 16:0 Stimmen für die Einführung von Gespannen in ihrer Spielklasse ausgesprochen.

Nach Auskunft von Spielgruppenleiter Egon Grünbeck hatte Grit Labahn, Hauptabteilungsleiterin Gesellschaft/Recht beim BFV, entschieden, dass nicht jede Klasse nur für sich abstimmen dürfe, sondern dass die Voten beider Kreisligen eines Spielkreises zusammen gezählt werden müssten. Das ergab also in der Summe ein Ergebnis von 22:10. Aber selbst ein Patt von 16:16 hätte bedeutet, dass künftig mit Gespannen gespielt wird.

Einspruch abgelehnt

Der FC Gehülz hatte nach der Arbeitstagung Einspruch dagegen eingelegt, doch der wurde zunächst vom Kreisspielleiter und dann auch vom Bezirksspielausschuss als unbegründet abgelehnt. Für den FC Gehülz bedeutete dies Gebühren von 40 Euro, die an den Verband abgeführt werden müssen.

Deutlich mehr müssen die 16 Kreisligisten an Schiedsrichter-Kosten aufbringen. Norbert Schülein, der seit Jahren den Kostenpool betreut, rechnet mit Mehrausgaben von 450 bis 500 Euro pro Saison. Schließlich kann jeder Assistent zwölf Euro Spesen und zusätzlich (allerdings eingeschränkt) Fahrtkosten geltend machen.

"Von diesem Geld", so rechnete ein Vereinsvertreter vor, "könnten wir ein Jahr lang die Schiedsrichter für unsere A- und C-Junioren bezahlen." Wohl wissend, dass die Zuschauerzahlen und damit die Einnahmen auf den Sportplätzen rückläufig sind, worauf auch Leonhard Welscher, Vorsitzender des TSV Neukenroth, hinweist. "Mit dem Geld, das wir künftig mehr für die Schiedsrichter bezahlen müssen, könnten wir einen Monat lang die kompletten Kosten für unsere Sportanlage bestreiten oder zweieinhalb Monate lang unseren Strom bezahlen."

Die ersten Erfahrungen mit den Gespannen sind durchaus umstritten, wie so mancher Berichterstatter gemeldet hat. "Bis zum Halbzeitpfiff sorgte nur noch einer der SR-Assistenten mit seinen unmöglichen Abseits entscheidungen für helle Aufregung auf den Rängen", hieß es etwa. Aber auch: "Das Schiedsrichter-Gespann bot eine tadellose Leistung." Und schließlich: "...ob man jedoch ein Gespann benötigt, bleibt weiter fraglich."

Die Gespanne, vor allem die Assistenten, werden gerade in der Anfangsphase der Saison genau unter die Lupe genommen. Das hat Leonhard Welscher schon gemerkt und festgestellt, "dass auch von Zuschauern der Vereine, die für die Gespanne gestimmt haben, teils deutliche Kritik an den Linienrichtern geübt wurde".

Zuversicht bei Obmännern

Dass der Einsatz in Gespannen gerade für den Schiedsrichter-Nachwuchs eine gute Möglichkeit ist, Erfahrungen zu sammeln, war von den Verantwortlichen als Hauptgrund genannt worden, diesen Schritt zu forcieren. Und fast alle Obmänner im Bezirk hatten sich im Vorfeld sehr zuversichtlich geäußert, dass sie genügend Unparteiische zur Verfügung stellen könnten. Immerhin werden nun allein für die Kreisliga Kronach 16 Schiedsrichter als Assistenten pro Spieltag zusätzlich benötigt. "Das ist die 8. Liga; ist es da wirklich nötig?", lautet die rhetorische Frage des Neukenrother Vorsitzenden.

Ob die Obmänner ihre Zusage auch einhalten können, erscheint zumindest fraglich. Schon jetzt müssen verstärkt ältere Schiedsrichter an die Seitenlinie beordert werden, wie die ersten Einteilungen zeigen. Engpässe werden spätestens dann nicht zu vermeiden sein, wenn in wenigen Wochen auch noch die Jugendspiele besetzt werden müssen. Nicht wenige Aktive müssen sich dann wohl entscheiden, ob sie lieber spielen oder pfeifen wollen, weiß auch Leonhard Welscher, der befürchtet, dass sich der eine oder andere fürs Pfeifen entscheidet und dann als aktiver Spieler wegfällt.

Die Kritik vor allem an Assistenten hat auch schon zu ersten Meldungen geführt, mit denen sich das Kreissportgericht befassen muss, wie dessen Vorsitzender Siegfried Baier auf Anfrage bestätigte. Er appelliert an Zuschauer und Verantwortliche zu mehr Besonnenheit. "Die Entscheidung ist nun einmal gefallen, und jetzt sollten alle vernünftig damit umgehen!" Vor allem solle man sich vor Augen halten, dass nicht nur in den unteren Spielklassen, sondern auch in der Bundesliga Fehler gemacht werden, ergänzte er mit einem Verweis auf das reguläre, aber nicht gegebene Tor am Samstag im Spiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen den 1. FC Nürnberg.

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