Gehülz

Mutig im Ring und im Alltag

Bernhard Dietz und Ugur Eren sind leidenschaftliche Kickboxer. Mit ihrem Hobby stärken sie nicht nur ihre Muskeln, sondern auch ihr Selbstbewusstsein. Als Trainer wollen sie dies auch an andere weitergeben.
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Beim Training geht es zwischen Ugur Eren (links) und Bernhard Dietz schon mal zur Sache.  Fotos: Dominic Buckreus
Beim Training geht es zwischen Ugur Eren (links) und Bernhard Dietz schon mal zur Sache. Fotos: Dominic Buckreus
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Ugur Eren verbeugt sich, bevor er den Trainingsraum in der alten Gehülzer Volksschule betritt. "Das ist eine schöne Regel, sich zu begrüßen und dem Raum Respekt zu zeigen", erklärt er. Der Tettauer ist seit fünf Jahren Kickboxer bei der Turnerschaft Kronach. 85 Mitglieder zählt die Abteilung, darunter 25 Kinder. Diese trainiert er zusammen mit Bernhard Dietz. Für Eren ist der 31-Jährige nicht nur Trainer und Mentor sondern auch ein guter Freund. Beide sind sich einig: Es braucht viel Mut, um in den Ring zu steigen.

"Am Anfang sind Schmerzen dabei, aber mit der Zeit lernt der Körper, mit den Schmerzen umzugehen. Da muss man sich schon überwinden, wieder zum Training zu gehen", sagt Eren. Zum Kickboxen gehört aber nicht nur Einstecken, sondern vor allem auch Austeilen. "Ich habe mich am Anfang nach den Schlägen entschuldigt. Wenn du die Boxhandschuhe an hast, darfst du kein Mitleid mit dem Gegner haben. Da musst du dich auch erstmal dazu überwinden. Du willst ja ohne Schaden aus dem Ring gehen. Das ist das Ziel."

Dann wird es irgendwann ernst. Der erste Kampf steht bevor. "Du wirst aufgerufen, du bist nervös, dann siehst du deinen Gegner in der Ecke. Du blendest alles aus", beschreibt er seine Gefühle vor seinem ersten Kampf. "In dem Moment, wenn es ,Ding' macht bist du voll mit dir selbst beschäftigt. Du hörst nicht mal den Trainer, obwohl er in der Ecke steht."

Rückschlag durch Verletzungen

Erens erster Kampf ging verloren. Dazu brach er sich beim ersten Schlag gleich den rechten Daumen, kämpfte aber trotzdem sechs Runden bis zum Ende. Später brach er sich bei einem Arbeitsunfall die linke Hand. Er war von einer Leiter gestürzt und hatte den Fall mit seinen Händen abgefedert. "Beim Kampfsport lernt man auch, richtig zu fallen. Das muss man als Reflex haben."

Beinahe hätten ihm diese beiden Verletzungen sein Hobby gekostet. Aber er erkämpfte sich den Mut wieder zurück. "Ich hatte Angst, mich im Training beim Fallen abzustützen oder richtig auf die Pratzen zu schlagen", erinnert sich Eren. "Ich bin froh, dass ich diesen Sport heute noch ausüben kann." Seit diesen Verletzungen konzentriert er sich jedoch mehr auf seine Trainerkarriere. Trotzdem will der 30-Jährige bald wieder in den Ring steigen.

Bernhardt Dietz blieb in seinen rund 17 Jahren als Kickboxer von großen Verletzungen verschont. Das schreibt er seinem eher passiven Kampfstil zu. Sehr aktiv wurde er aber vor zehn Jahren, als er die Kickbox-Abteilung in der Kronacher Turnerschaft gründete: "Wir haben mit null Mitgliedern angefangen. Aber über die Jahre ist alles sehr stark gewachsen. Das ist das, was mich antreibt und das bedeutet für mich auch Mut: Dinge wie Arbeit, Hausbau, Familie und Vereinsleben unter einem Hut zu bekommen und immer weiterzumachen."

Selbstvertrauen für den Alltag

Seit etwa drei Jahren bietet Dietz zusammen mit Eren Kickbox-Training für Kinder an. Dabei geht es ihnen bei den vier- bis achtjährigen Teilnehmern nicht allein um den Sport. "Wir versuchen, den Kleinen auch Mut mitzugeben. Sie sollen nicht nur beim Kämpfen mutig sein, sondern auch außerhalb des Rings mit erhobenem Haupt gehen können", sagt Dietz, und Eren fügt an: "Wir stärken ihr Selbstbewusstsein, damit sie im Alltag schwierige Situationen selbstständig bewältigen können. Natürlich ohne Schläge, sie sollen immer diszipliniert vorgehen."

Das funktioniert aber auch bei Erwachsenen. Ugur Eren hat durch das Kickboxen selbst einen Wandel erlebt. "Ich habe Zielstrebigkeit und Perfektionismus entwickelt. Zum Beispiel habe ich studiert, nebenbei Schichten gearbeitet, mittlerweile bin ich sogar Führungskraft", sagt er. "Das Leben ist ein Dauerkampf. Man hat immer etwas zu bewältigen."

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