Geroldsgrün
Gedenkfeier

ManU-Fanclub erinnert an Flugzeugkatastrophe vor 60 Jahren

23 Menschen starben bei dem Unglück, darunter viele Spieler von Manchester United. Noch heute trauern Fans wie der Geroldsgrüner Gerhard Wachter.
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Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (v.l.) gedenken der Opfer des Flugzeugunglücks in München. Vor 60 Jahren kamen dabei 23 Menschen ums Leben, darunter viele Spieler und Funktionäre von Manchester United.  Fotos: Gerhard Wachter
Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (v.l.) gedenken der Opfer des Flugzeugunglücks in München. Vor 60 Jahren kamen dabei 23 Menschen ums Leben, darunter viele Spieler und Funktionäre von Manchester United. Fotos: Gerhard Wachter
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Am 6. Februar 1958 ereignete sich am Rande des früheren Flughafens München-Riem die Katastrophe. Vor 60 Jahren starben bei einem Flugzeugunglück 23 Menschen, darunter viele Spieler und Funktionäre des Englischen Spitzenclubs Manchester United. Gerhard Wachter erinnert sich noch genau an diesen Unfall. Das Ereignis machte ihn zum "ManU"-Anhänger und er gründete 1976 den Fanclub "Manchester United Friends" in seinem Heimatort Dürrenwaid-Silberstein (Gemeinde Geroldsgrün). Zur Gedenkfeier anlässlich des Jahrestags reiste er nach München und schildert seine Eindrücke:

"Ich stehe direkt am damaligen Unglücksort und sehe vor mir ein zerborstenes Flugzeug im Schneegestöber, so wie man es in Filmausschnitten des Fernsehens heute noch im Internet finden kann. Sieben Jahre war ich alt, als im Rundfunk über die Tragödie berichtet wurde und ich hörte zum ersten Mal in meinem Leben von der Fußballmannschaft namens Manchester United, die in dieser Maschine saß und auf brutale Weise zerstört wurde.

Heute bin ich hier in Trudering, um an der Gedenkfeier für die Opfer des Britisch-Airways-Flugs 609 teilzunehmen. Manchester United hat mich nie mehr losgelassen und es gibt sogar einen Fan-Club Vor 42 Jahren habe ich ihn mitgegründet und bin aktuell Zweiter Vorsitzender. Im Laufe der Jahre gab es viele Reisen zu Heim- und Auswärtsspielen der 'Red Devils' (Rote Teufel), wie der Verein auch genannt wird.


Zu früh gestartet

Manchester United kam vor 60 Jahren von einem Europapokalspiel aus Belgrad, wo sich das Team im Viertelfinale gegen Roter Stern erfolgreich durchgesetzt hatte. In München gab es einen Tankzwischenstopp. Beim Weiterflug mussten zwei Startversuche wegen unregelmäßigem Ladedruck der Motoren abgebrochen werden. Die Insassen stiegen wieder aus und richteten sich auf eine längere Wartezeit ein. Doch schon eine Viertelstunde später versuchten die Piloten den erneuten, verhängnisvollen Start.

Wegen Schneematsch auf der Startpiste oder vereister Tragflächen - die Ursache wurde nie geklärt - erreichte der Flieger die erforderliche Geschwindigkeit zum Abheben nicht, aber es war auch nicht mehr möglich, das Flugzeug sicher zu stoppen. So raste die ,Lord Burghley' mit 44 Menschen an Bord über den Begrenzungszaun des Flughafens hinaus, streifte ein Haus, das in Flammen aufging und zerschellte an einem Baum.

Insgesamt 23 Opfer gab es zu beklagen: acht Spieler, drei Vereinsfunktionäre, acht Journalisten, der Copilot und drei weitere Personen waren unter den Toten. Die Verletzten kamen ins Münchner Krankenaus ,Rechts der Isar'. Viele kämpften wochen- und monatelang um ihr Leben. Darunter Manager Matt Busby, der eine starke Mannschaft geformt hatte, die wegen ihres jugendlichen Alters ,Busby Babes' genannt wurde.

Zur Gedenkfeier anlässlich des 60. Jahrestags dieser Tragödie im Münchner Stadtteil Trudering am Manchesterplatz hatten sich bei Minustemperaturen 1500 Menschen zusammengefunden, um den Opfern mit Blumen und Kränzen zu gedenken. 1200 Fans kamen von der britischen Insel und zollten den früheren Idolen ihren Respekt an einem Gedenkstein, der im Jahr 2004 von der Stadt München errichtet wurde.


Deutsch-Englische Freundschaft

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und der FC Bayern-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hielten ihre Ansprachen in bestem Englisch, was mit großem Beifall und ,München-München'-Rufen bedacht wurde. Reiter lobte die lange Städtefreundschaft zwischen München und Manchester, die rund ein Jahrzehnt nach dem Krieg entstanden war und maßgeblich zur Völkerverständigung beitrug. Karl-Heinz Rummenigge sprach von der starken Verbundenheit beider Fußballklubs. Der FC Bayern alle bringt 14 Tage neuen Blumenschmuck zum Gedenkstein.

Reden von Offiziellen von Manchester United und dem Initiator des Denkmals, dem früheren Stadtrat Hermann Memmel, folgten. Memmel sprach aus, was viele dachten: ,Die Zeit vergeht, die Trauer und Erinnerung nicht.'

Genau um 15.04 Uhr, dem Zeitpunkt der Tragödie, wurde mit zwei Schweigeminuten der Opfer gedacht. Eine englische Sängerin sorgte mit dem Lied ,Flowers of Manchester', das zu Ehren der Verunglückten geschrieben wurde, für Tränen in den Augen vieler Teilnehmer.

Erwähnenswert noch, das eine Abordnung von Manchester United vor der Gedenkfeier das Klinikum ,Rechts der Isar' besuchte, das sich 1958 um die Verletzten gekümmert hatte. Sie trafen einen Arzt und zwei Krankenschwestern, die damals dort ihren Dienst verrichteten, statteten ihren Dank ab. Chefarzt Dr. Maurer wurde im Jahr des Unglücks sogar nach England eingeladen und von Queen Elisabeth II. mit einem Orden geehrt. "
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