Hirschfeld
Fußball

Legende mit Charme und Killerinstinkt: Jean-Marie Pfaff in Hirschfeld

Der ehemalige Welttorhüter verrät in Hirschfeld jungen Nachwuchstorhütern das Geheimnis seines Erfolges und überzeugt durch seine lockere Art.
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Jean-Marie Pfaff (rechts) in seinem Element bei der Torwartschulung in Hirschfeld.  Fotos: Hans Franz
Jean-Marie Pfaff (rechts) in seinem Element bei der Torwartschulung in Hirschfeld. Fotos: Hans Franz
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Wenn bei einem Fußballspiel ein Elfmeter verhängt wird, dann ist der Torwart in den meisten Fällen nur der zweite Sieger. Nicht so bei Jean-Marie Pfaff. Weit mehr als die Hälfte der gegen ihn verhängten Strafstöße hat der Torhüter vereitelt. Sein Erfolgsgeheimnis verriet er rund 20 Nachwuchstrainern beziehungsweise Junioren-Torstehern. Und dies rund 650 Kilometer entfernt von Brasschaat bei Antwerpen, dem jetzigen Wohnort des einstigen belgischen Nationaltorhüters: im oberen Frankenwald auf dem Sportgelände des FC Hirschfeld.

Hier hatte gerade eine Torhüterschulung stattgefunden, die die Junioren-Förder-Gemeinschaft Rennsteig initiiert hatte und bei der Torwarttrainer Marcel Renner vom Nachwuchsleistungszentrum Coburg und Ralf Bröckner, DFB-Stützpunktrainer in Poppenreuth, praktische Trainingshilfen vermittelt hatten.

Die richtige Bewegung

Doch nach eineinhalb Stunden wurden beide von der Torwartlegende abgelöst. Nachdem Pfaff jeden Anwesenden mit Handschlag begrüßt hatte, verfiel der Belgier sofort in sein Torwartelement. Mit vier heimischen Junioren-Torhütern demonstrierte er unter anderem, wie sich ein Torwart zu bewegen, wohin seine Blickrichtung zu gehen, wie er auf seine Gegner zu reagieren oder wie er eine Mauer zu stellen hat.

Fast schon entrüstet war er darüber, dass sich heute so mancher Torhüter auch in höheren Ligen wie ein Volley- oder Handballer zum Ball hin bewegt. "Als Torwart musst du immer mitspielen, mitdenken, in Bewegung sein und deine Mitspieler von hinten so dirigieren, als wärst du der zweite Coach." Das Dirigieren müsse aber so lautstark sein, dass es auch gehört wird. Schon beim Betreten des Spielfeldes müsse der Torwart den Eindruck eines "bösen Mannes" erwecken, damit der Gegner und die Anhänger der gegnerischen Mannschaft Respekt bekommen. "Hat ein Torwart Angstgefühle, dann hat er schon verloren."

Trainings-Tipps vom Starkeeper

Tipps gab Pfaff, der seine Glanzzeit von 1982 bis 1988 zwischen den Pfosten des FC Bayern München und im EM-Finale zwei Jahre zuvor mit der belgischen Nationalmannschaft erlebte, zum Schuhmaterial und zur Handhabung mit den Handschuhen. Oftmals würden diese nur von außen mit Wasser benetzt. Nein, das Wasser müsse in die Fingerhüllen getan werden.

Er erklärte auch, wie und was ein Torwart zu trainieren hat. Schließlich war dies auch einer der wichtigsten Gründe der eigentlichen Schulung. Die Fußball-Ikone plädiert für einen extra Torwarttrainer mit entsprechenden Kenntnissen in den Vereinen. Dabei ließ er aber nicht unerwähnt, dass ein Torhüter auch für sich alleine tätig sein müsse, indem er zum Beispiel in der Halle auf einer Matte oder an einer Holzwand trainiere. An Hand einer knapp zwei Meter langen Holzstange zeigte er die verschiedensten Übungen und sagte dabei schmunzelnd zu den aufmerksamen Schulungsteilnehmern: "Aber heute dies nicht alles nachmachen, sonst könnt ihr abends nicht schlafen." Überhaupt wartete er immer wieder mit einem lockeren Spruch auf und sorgte so für eine äußerst entspannte Atmosphäre.

Interessante Gespräche

Nach den Handlungen auf dem Spielfeld schloss sich eine Gesprächsrunde im FC-Sportheim zwar an, jedoch waren dabei die Anwesenden recht wortkarg. Allerdings war dies unwesentlich geworden, denn wenn Pfaff in seiner charmanten und verbindlichen Art zu etwas Stellung nahm, dann war dies so ausführlich und interessant, dass sich weitere Fragestellungen erübrigten.

JFG-Leiter Thomas Löffler wollte wissen, wie man es schaffen könne, über eine längere Zeitspanne zu den weltbesten Spielern auf der Torwartposition zu gehören: "Kämpfen, dich nicht beeinflussen lassen, Mentalität beweisen, die Moral festigen." Ein Satz, der mehrmals über die Lippen von Pfaff kam, war: "Du spielst, wie du trainierst." Letztlich liege das Geheimnis eines Spitzentorwarts in der Mischung aus Reflexen, Sprungkraft, Technik, Konzentration und im Willen, den Ball in allen Situation fangen zu wollen.

Apropos Geheimnis zum Elfmeterkillerinstinkt des Belgiers: kurz vor der Ausführung vom Elfmeterpunkt aus sich völlig uninteressiert und angekratzt geben, noch etwas hadernd mit der angeblichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters, sich zum Torgehäuse bewegen. Beim Blick auf den Ball und den Schützen dann aber plötzlich für sich selbst hochkonzentriert sein. Am Ende dankte Thomas Löffler, der auch Bürgermeister von Steinbach ist, dem Superstar mit Bodenhaftung für seine mit viel Leidenschaft und Herzblut vorgetragenen Motivations- und Fachkommentare.

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