Mitwitz
Frauenfußball

Frauenfußball beim FC Mitwitz: Vom Gauditeam zur Meisterelf

Zur Kirchweih 1981 gründen mehrere Mitwitzerinnen spontan eine Fußballmannschaft. Zunächst müssen die unerfahrenen Spielerinnen die Grundlagen lernen. Später feiern sie eine Meisterschaft.
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Die Kreisliga-Meistermannschaft des FC Mitwitz in der Saison 1986/87: (Hinten v. l.) Spielleiterin Anne Weißbrodt, Christine Bauer, Gitta Heim, Brigitte Müller, Doris Hannweber, Dora Titz, Elke Günter, Margit Bauer, Spielertrainerin Helga Laufer, Vorsitzender Günther Heidenbluth (kniend v. l.) Karin Bauersachs, Nicol Winterstein, Monika Jakobs, Irene Slotosch, Petra Titz, Marina Schwämmlein und Silvia Völk  Fotos: Herbert Fischer
Die Kreisliga-Meistermannschaft des FC Mitwitz in der Saison 1986/87: (Hinten v. l.) Spielleiterin Anne Weißbrodt, Christine Bauer, Gitta Heim, Brigitte Müller, Doris Hannweber, Dora Titz, Elke Günter, Margit Bauer, Spielertrainerin Helga Laufer, Vorsitzender Günther Heidenbluth (kniend v. l.) Karin Bauersachs, Nicol Winterstein, Monika Jakobs, Irene Slotosch, Petra Titz, Marina Schwämmlein und Silvia Völk Fotos: Herbert Fischer
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Ein Stapel Ordner liegt auf dem Tisch im Sportheim des FC Mitwitz. Einen nach dem anderen schlagen Brigitte Bauersachs, Anne und Werner Weißbrodt auf. Sie blättern durch die Seiten. Erinnerungen kommen hoch - hervorgerufen durch alte Zeitungsausschnitte, Spielergebnisse und Tabellen. Ein altes Fotoalbum zaubert dem Trio mehrmals ein Lächeln ins Gesicht. Sie zeigen auf die Bilder, erzählen Anekdoten und fachsimpeln über ihre Zeit in der Damenmannschaft des FC Mitwitz in den 80er-Jahren. Bauersachs und Anne Weißbrodt waren von Beginn an dabei, als aus einer Gaudi eine Erfolgsgeschichte wurde.

Alles begann einige Wochen vor der Kirchweih 1981. "Wir kannten natürlich die Fußballer aus der Ersten. Das waren alles Freunde oder Geschwister von uns", erzählt Bauersachs. Sie hatten die Idee zu einem Gaudispiel zwischen den Altherren und einer Mitwitzer Damenmannschaft. "Wir dachten uns: Ach, Fußball, warum nicht?" Auf dem Fußballfeld war vorher noch keine Spielerin gestanden. "Wir haben bei Null angefangen", sagt Bauersachs.

2500 Zuschauer beim ersten Spiel

Zweimal pro Woche trainierten sie unter den Trainern Klaus Dötschel und Hans-Günther Engelhardt. Passen, Schießen, Laufen mit Ball waren die Trainingsinhalte. Grundsätzliches eben. Ihre Trikots haben sich die Spielerinnen bei Adidas in Herzogenaurach selbst gekauft. Die Schuhe hatte sich Bauersachs von ihrem Bruder geliehen. "Ich war sehr aufgeregt", erinnert sie sich an ihren ersten Auftritt bei der Kirchweih im August 1981 vor einer Rekordkulisse von etwa 2500 Zuschauern. "Ich habe als Stürmerin gegen meinen Onkel gespielt. Ich musste mich dann sogar foulen lassen und wurde mit der Trage herausgetragen. Das war vorher abgesprochen. Ein bisschen Action sollte es halt geben. Meine Mutter war fix und fertig", erzählt sie und lacht. Den Zuschauern boten die beiden Teams aber auch Tore. Mit 7:5 gewannen die Damen ihr erstes Spiel. Es war der Beginn eines durchaus erfolgreichen Weges, an dessen Ende sogar eine Kreismeisterschaft stehen sollte.

Die ersten Schritte

Die Damen beschlossen, dem Kicken treu zu bleiben. Es folgten Freundschafts- und Pokalspiele. "Wir haben da erstmal auf die Hucke bekommen", sagt Anne Weißbrodt. Sie unterstützte die Mannschaft als Spielleiterin - ebenso wie ihr Mann Werner bei der Ersten Herrenmannschaft - und sprang in der Not auch mal auf dem Platz als Stürmerin ein.

"Es war oft schwierig, einen elfköpfigen Kader zusammenzubekommen. Teilweise haben Spielerinnen kurz vor dem Spiel abgesagt. Manchmal habe ich den ganzen Tag nur herumtelefoniert", erinnert sich Anne Weißbrodt.

Zur Saison 1982/83 traten die Mitwitzerinnen in der Kreisliga Coburg/Kronach an. Zusammen mit dem ATSV Gehülz waren sie die erste Frauenmannschaft aus dem Landkreis, die am Verbandsspielbetrieb teilnahmen. Mit dem ATSV lieferte sich der FCM fortan die intensivsten Duelle: "Das Verhältnis zu Gehülz war immer etwas angespannt. Da ist es immer etwas zur Sache gegangen", sagt Bauersachs. Ihre erste Saison schlossen die Mitwitzer Damen als Vorletzter ab. "Uns war klar, dass wir konditionell und technisch nicht mithalten können", sagt Bauersachs. "Es war manchmal schon eine Zumutung", muss Werner Weißbrodt lachend gestehen, der ab 1982 den Trainerposten übernahm. "Aber es hat Spaß gemacht", sagt er rückblickend.

Anfangs wurde die Mitwitzer Damenmannschaft noch etwas belächelt. Doch das änderte sich schnell. Mit der Zeit verbesserten sich die Resultate und erste Erfolge stellten sich ein. Die Mannschaft verstärkte sich fortan auch mit auswärtigen Spielerinnen. 50 bis 60 Zuschauer kamen in Schnitt zu den Heimspielen. "Ein paar treue Fans sind überall mit hin", sagt Bauersachs. "Die Spielerinnen waren allen bekannt und im Vorstand sehr beliebt", sagt Werner Weißbrodt. 1985 durften einige Mitwitzerinnen für die Kreisauswahl gegen die Chicago Kickers auflaufen (0:2). Der Gegenbesuch fiel jedoch flach.

Auf den Aufstieg verzichtet

Der Höhepunkt folgte in der Saison 1986/87: Mit 12:4 Punkten wurde der FC Mitwitz Meister in der Kreisliga Kronach vor dem FC Stockheim, dem ATSV Gehülz, dem SC Steinbach und dem SSV Ober-/Unterlangenstadt. Schon ein Jahr zuvor gewannen die Mitwitzerinnen die Hallenkreismeisterschaft in der Kronacher Dreifachturnhalle. Zwei weitere sollten folgen. "Wir haben die Halle geliebt. Wir waren dort extrem gut und auch die Stimmung war toll", schwärmt Bauersachs.

Auf den Aufstieg in die Bezirksliga verzichtete die Mannschaft nach der Meisterschaft und blieb weiter in der Kreisliga. In den folgenden Jahren wurde es immer schwieriger, genügend Spielerinnen zu finden. 1988/89 gründete man eine Spielgemeinschaft mit dem benachbarten SC Hassenberg. Eine eigene Mannschaft entstand in Mitwitz erst wieder im neuen Jahrtausend und spielte bis 2012, zum Schluss als SG Mitwitz/Schneckenlohe.

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