Steinberg
Sport in Franken

Baseball: Der etwas andere Sport

Wer in Franken Baseball spielt, stößt oft auf Unverständnis. Kaum einer kann etwas mit dem US-Sport anfangen. Die Spieler lieben trotzdem ihre Leidenschaft.
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Sandsturm: Beim Baseball müssen die Spieler auch auf die Base rutschen, wenn es eng wird. Fotos: Dominic Buckreus
Sandsturm: Beim Baseball müssen die Spieler auch auf die Base rutschen, wenn es eng wird. Fotos: Dominic Buckreus
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Manchmal bleiben Spaziergänger ein paar Minuten stehen und schauen sich das Treiben auf dem ungewohnt aussehenden Spielfeld an, gleich hinter dem Sportplatz des TSV Steinberg. Lange halten die meisten aber nicht inne, trinken vielleicht mal einen Kaffee. Das Spiel, das dort seit 2012 gespielt wird, verstehen sie nicht so ganz. Klar, es ist Baseball, wie man es aus Filmen oder Serien im Fernsehen kennt. Doch wie es funktioniert, ist ihnen nicht bekannt.

"Das ist das, was wir oft hören", sagt André Wicklein. Er ist Abteilungsleiter der Kronach Royals, einem von zwei Baseball-Teams im Landkreis Kronach. "Baseball ist eben eine andere Sportart. Viele verstehen sie einfach nicht, obwohl es jeder in der Schule spielt: Brennball ist sozusagen die einfachste Form von Baseball."

Seit 25 Jahren gibt es den Verein. Dennoch spüren die Mitglieder noch Berührungsängste bei den Einheimischen. Diese seien jedoch schnell überwunden, sobald ihnen jemand das Spielprinzip erklärt, versichert Wicklein. So kommen immerhin 30 bis 50 Zuschauer zu den Heimspielen der Royals. In der Landesliga Nordwest stehen sie auf Rang 1, kurz vor der Meisterschaft und den Aufstiegs-Play-offs.


Die Präsenz fehlt

Großen Druck verspürt die Mannschaft deshalb jedoch nicht. Beim Training am Dienstagabend geht es eher locker zu. Hier und da mal ein flotter Spruch und alle paar Sekunden hallt ein lautes Knallen über den Platz, wenn der Hitter den Ball perfekt trifft und weit wegdrischt. Die aufgebauten Netze verhindern, dass diese Bälle auf den Nebenplatz fliegen, wo gerade die Fußball-Jugend des TSV Steinberg trainiert.

Baseball fristet in Deutschland immer noch ein Schattendasein, während andere Sportarten aus Übersee boomen, zum Beispiel Football. "Das Angebot ist da mit dem Super Bowl sehr groß. Generell wird davon mehr im Fernsehen übertragen", sagt der Spielertrainer der Royals, Marco Limmer. Das Interesse beim Baseball ist hingegen nicht sehr groß. Genau deshalb sieht der Zuschauer nicht viel davon im frei empfangbaren Fernsehen. "Ein Teufelskreis", ergänzt Wicklein.

"Beim Fußball oder Basketball ist ein gewisser Spielfluss da. Ein Baseballspiel kann zwar in 90 Minuten rum sein, es gibt aber auch Spiele, die vier Stunden dauern", sagt Limmer. "Auf dem Platz ist das natürlich mega spannend. Aber für den Zuschauer kann sich das schon etwas ziehen." Dennoch kämen ab und an neue Interessenten zum Ausprobieren vorbei. Einen eigenen Baseball-Handschuh braucht man zum Mitmachen, Schläger und Helm stellt der Verein. Baseballschuhe gibt es auch, aber Fußballschuhe seien auch Okay., erklärt Limmer.

"Jeder findet an sich eine Eigenschaft, die das Team weiterbringt. Die Person, die alles kann, gibt es eigentlich gar nicht", sagt Limmer. So könne ein großer, starker Spieler kräftig schlagen und hat eine gute Reichweite beim Werfen. Ein eher kleinerer, schmächtigerer Akteur überzeuge hingegen vielleicht eher durch seine Schnelligkeit. "Das Schöne am Baseball ist, dass alles gefordert ist", erklärt er seine Liebe zu diesem Spiel.

Diese haben bereits 1993 einige Pioniere für sich entdeckt, als ein Amerikaner namens Tom Wongsa die Kronach Royals gegründet hat. Schnell waren 20 bis 25 Begeisterte gefunden, erinnert sich Wicklein, der damals schon dabei war. Nachdem sich die Royals der Kronacher Turnerschaft angeschlossen hatten, spielten sie 19 Jahre lang auf dem Sportplatz am Schulzentrum in Kronach, bis sie dann im fünf Kilometer entfernten Steinberg ein Grundstück gefunden hatten und ihr Sportgelände größtenteils eigenhändig aufgebaut haben. Und am Samstag in einer Woche spielen sie um die Meisterschaft im letzten Saisonspiel bei der zweiten Mannschaft der Memmelsdorf Barons.

Deren "Erste" spielt da, wo die Royals hin wollen, in der Bayernliga Nord und ist mit drei Bayerischen Meisterschaften zwischen 1993 und 1995 das erfolgreichste Team der Region. Im Juli 1991 wurde der Verein nach einem Aufruf des Bayerischen Baseball und Softball Verbands (BBSV) gegründet. Bernd Scholz aus Oberhaid (Landkreis Bamberg) war der dritte, der diesem Aufruf damals gefolgt ist, und hat diese Gründerphase mit dem sofortigen Aufstieg in der ersten Saison nicht nur miterlebt, sondern auch in einem Roman festgehalten.


Jedes Jahr nach Amerika

"Am Anfang hatten wir im Schnitt 60 Zuschauer da, zu Hochzeiten auch mal 200. Beim letzten Spiel der ersten Mannschaft waren meine Frau und ich die einzigen Zuschauer", sagt er.

Die Begeisterung für Baseball merkt man ihm mit jedem Wort an. Seit 2010 fliegt er jedes Jahr in die USA, um sich Spiele der Profiliga Major League Baseball (MLB) anzuschauen. Er bezeichnet die Stimmung dort als "Happening". Die Leute treffen sich, unterhalten sich, holen sich öfters mal etwas zu Essen, Familiencharakter eben.

Um das auch in Deutschland mehr zu erleben, wünscht sich Scholz mehr Initiative vom Verband - wie vor 25 Jahren: "Man muss die neuen Zuschauer mehr informieren. Da macht der Verband zu wenig. Er überlässt alles den Vereinen", klagt er. Auch Scholz sieht das größte Problem im mangelnden Wissen über diesen Sport. "Beim Fußball muss man als Laie die Regeln nicht kennen. Die meisten erklären sich beim Zuschauen von selbst. Beim Baseball ist das anders, aber es ist keiner da, der das Spiel erklärt."

Die Akzeptanz fehlt, auch weil der Fußball alles überschattet. "Wenn die von der Allgemeinheit gepflegte Sportart so dominant ist, haben andere natürlich ein Problem", sagt Scholz.


So wird gespielt: Die Grundregeln des Baseballs (siehe Grafik)

Beim Baseball besteht jede Mannschaft aus neun Spielern. Anders als bei den meisten Sportarten erzielt nicht der Ball die Punkte, sondern der Spieler selbst: "Ein Punkt wird erzielt, sobald ein Spieler einmal außen herum gelaufen ist", erklärt der Spielertrainer der Kronach Royals, Marco Limmer. Das heißt, sobald ein Spieler alle vier sicheren Standpunkte (Bases) überquert hat und er somit einen Run erzielt hat.

Punkten kann nur die Mannschaft, die sich in der Offensive befindet, also schlägt. Der Schläger (Batter) steht dabei auf dem Ausgangsstandpunkt (Homeplate) und erwartet den Ball aus den Händen des Werfers (Pitcher), der im Zentrum des Innenfelds (Infield) steht.

Im Außenfeld (Outfield) stehen die Verteidiger der gegnerischen Mannschaft und versuchen, den geschlagenen Ball des Hitters möglichst schnell zu fangen. In dieser Zeit versucht der Hitter über möglichst viele Bases zu laufen, bis er wieder die Homeplate erreicht.

"Jeder muss schlagen und jeder muss auch mal in die Verteidigung. Es wird mehrmals pro Spiel gewechselt. Bei sechs Innings, also Durchgängen, die es in unserer Liga gibt, muss also jede Mannschaft sechsmal schlagen und sechsmal verteidigen. Zwischen Verteidigung und Schlag wird gewechselt, sobald drei Aus erzielt sind. Ein Aus wird zum Beispiel erzielt, wenn der Schlagmann dreimal daneben schlägt (Strike), das ist der Klassiker. Oder wenn er einen Ball trifft und dieser von der Verteidigung direkt aus der Luft gefangen wird. Oder der Ball erreicht die Base, bevor der Läufer dort ist", erklärt der Spielertrainer. dob
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