Laden...
Friesen
Die Geschichte hinter dem Bild

Aufstiegstraum des SV Friesen platzt dreimal

Wie der SV Friesen gleich mehrmals den Aufstieg in die Fußball-Bayernliga "vergeigte".
Artikel drucken Artikel einbetten
Für Frederic Martin war das Relegationsspiel gegen  Garching 2013 besonders bitter, denn nach einem Zusammenprall  verletzte sich der Kapitän des SV Friesen so schwer, dass er seine aktive Karriere  beenden musste.   Zuletzt war er Trainer beim  FC Coburg.
Für Frederic Martin war das Relegationsspiel gegen Garching 2013 besonders bitter, denn nach einem Zusammenprall verletzte sich der Kapitän des SV Friesen so schwer, dass er seine aktive Karriere beenden musste. Zuletzt war er Trainer beim FC Coburg.

Der SV Friesen und die Fußball-Bayernliga - das ist eine lange Geschichte. Irgendwie sollte es bisher nicht sein, mehrmals verpasste der kleine Klub aus dem Frankenwald, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, den Aufstieg in die Bayernliga. Dreimal stand das Tor sperrangelweit offen.

Der 1. Akt

Zuerst unterlagen die "Friesen-Jungs" in der Saison 2007/08 nach einem packenden Relegationsspiel in Schwabach im Elfmeterschießen gegen den TSV Rain am Lech. Das Kuriose dabei: Weil sich der Fahrer des Mannschaftsbusses bei der Hinfahrt an einen Abkürzungstipp von Trainer Carlo Werner hielt und sich deshalb mehrmals verfuhr, wären die Spieler fast zu spät zu ihrem "Spiel des Jahres" gekommen. Der Ex-Bundesligaprofi (unter anderem bei Düsseldorf) blieb jedoch - wie gewohnt - auch in dieser "verfahrenen Situation" cool und hätte mit seinen "Grünen" fast die fantastische Landesliga-Saison mit dem Aufstieg ins Oberhaus gekrönt.

Der 2. Akt

Drei Jahre später - inzwischen hatte der Neustadter Christoph Böger das Team übernommen - der zweite Akt im Relegationsdrama: Der SV Friesen wurde dank eines späten 4:3-Auswärtssieges am letzten Spieltag bei Saas Bayreuth Bezirksoberliga-Meister. Die Wagnerstädter wurden damals vom aktuellen SVF-Coach und Ex-Profi Armin Eck trainiert.

Da diese Liga nach der Saison 2011/12 abgeschafft wurde, stieg der SV Friesen nicht nur in die Landesliga auf, sondern bekam als letzter oberfränkischer Meister auch noch die einmalige Chance, eine Liga zu überspringen. Wegen der Neugliederung der Ligen spielten die Frankenwälder um die torgefährlichen Akteure Frank Fugmann, René Schubarth und Maurice Koch also die Relegation zur Bayernliga.

Und nach dem Hinspiel sah es auch richtig gut aus. Friesen beherrschte den ASV Hollfeld, führte bis zur 90. Minute mit 3:0, traf in der Nachspielzeit sogar noch den Querbalken, um im Gegenzug nach einem "Fuchs" des Keepers das späte, aber entscheidende Gegentor zum 3:1 zu kassieren.

Das Rückspiel verloren die Friesener nämlich mit 0:2 und schieden so wegen der Auswärtstorregelung doch aus. Der große Traum vom Bayernliga-Fußball im eigenen Dorf war wieder geplatzt.

Der 3. Akt

"Aber was nicht ist, kann ja noch werden", dachte sich in diesen schweren Stunden nicht nur Dauer-Optimist und Hauptmäzen Sepp Geiger. In der darauffolgenden Landesliga-Saison mit 20 Mannschaften wurde sein Team als Aufsteiger auf Anhieb Vizemeister. Eine fantastische Leistung.

Nur die SpVgg Weiden hatte am Ende mehr Punkte, obwohl der Meister nach drei Treffern des ein Jahr später für den Regionalligisten FC Eintracht Bamberg auf Torejagd gehenden Aleksander Hurec mit 4:0 regelrecht aus dem schmucken Frankenwaldstadion geschossen wurde. Es kam also erneut zu einem Relegationsdrama - dem dritten und wohl aufregendsten Teil der Friesener "Leidensgeschichte".

Zuerst wurde der FC Trogen deutlich aus dem Weg geräumt, doch in dieser Saison musste ein zweites Relegationsduell gewonnen werden, um aufzusteigen. Dieses führte die kleine Gemeinde bis an die Grenzen der Landeshauptstadt. Beim VfR Garching fiel die Entscheidung. Das Spiel war für die tapferen Friesener wegen der damaligen Hochwasser-Katastrophe in Bayern, die zu Spielausfällen führte, die vierte Relegationspartie innerhalb von zehn Tagen - eine zuvor noch nicht dagewesene Situation und nach Auffassung vieler Beobachter auch eine Wettbewerbsverzerrung. Grund: Garching hatte vor den Spielen gegen Friesen eine deutlich längere Pause.

Dennoch verzichtete Friesen um seinen gewieften Rechtsanwalt Geiger auf Proteste und stellte sich der großen sportlichen Herausforderung. Und das fast mit Erfolg: Bis in die lange Nachspielzeit des Rückspiels sendeten die "Grünen" Lebenszeichnen, ehe zwei unvermeidbare VfR-Konter (93. und 95.) den Friesenern den Garaus machten: 0:2 - das Hinspiel ging mit 0:1 verloren.

Die Großstadt-Kicker waren für die "Grün-Weißen" eine Nummer zu groß.

Gefeiert wurde aber trotzdem. Und das sogar spontan und lautstark. Auf der Rückfahrt von Garching nach Friesen, standen die mitgereisten Fans plötzlich in Greding Spalier und zollten ihrer Mannschaft anerkennend vor einem Treppenaufgang zur Wirtschaft Applaus.

Sogar der mit schmerzverzerrtem Gesicht an Krücken gehende Kapitän Frederic Martin (Trainer beim Landesligisten FC Coburg) war nach seiner schweren Knieverletzung aus dem Hinspiel mittendrin. Er wurde nach oben getragen.

Als wenig später dann auch noch ein unerlaubtes Feuerwerk auf dem Parkplatz gezündet wurde, fühlten sich ein paar Friesener wie auf dem Kronacher Vogelschießen und für einen Moment vielleicht sogar in der Bayernliga. Träumen ist schließlich erlaubt...

Neue Serie: Für die Serie "Die Geschichte hinter dem Bild" hat die Sportredaktion ihr Foto-Archiv durchstöbert und ist auf aussagekräftige und kuriose Bilder gestoßen. Manche regen auch zum Schmunzeln an. Und zu jedem Foto gibt es natürlich eine Geschichte. In der Serie blickt die Sportredaktion in die Vergangenheit, schwelgt in Erinnerungen, spricht mit Zeitzeugen und erzählt diese Geschichte neu.

Verwandte Artikel