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Ohne Schiedsrichter geht es nicht

Die Kronacher Gruppe sucht Verstärkung und führt wieder einen Neulingskurs durch. Bei entsprechender Eignung ist relativ schnell der Aufstieg möglich.
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Fabian Gratzke zeigt nicht nur in der Bezirksliga, sondern seit 2014 sogar in der Landesliga, wo es lang geht.  Fotos: Jürgen Stöcklein/anpfiff
Fabian Gratzke zeigt nicht nur in der Bezirksliga, sondern seit 2014 sogar in der Landesliga, wo es lang geht. Fotos: Jürgen Stöcklein/anpfiff
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Kurz vor Spielbeginn stellt der Schiedsrichter fest, dass die Eckfahnen fehlen. Da der Platzwart die Schlüssel für den Geräteraum verloren hat, kann der Mangel auch nicht behoben werden. Muss das Spiel nun etwa ausfallen?
Mit solchen Fragen beschäftigten sich die Schiedsrichter der Gruppe Kronach jedes Wochenende. Entscheidungen müssen dabei oft in Sekundenbruchteilen getroffen werden. Zweikampfsituationen müssen beurteilt werden, ohne jegliche Chance, nochmals eine Wiederholung zu sehen. Entscheidend ist: Ohne Schiedsrichter geht es nicht und wird es auch in Zukunft nicht gehen!
Deshalb veranstaltet die Schiedsrichtergruppe Kronach auch in diesem Jahr einen Neulingskurs. Den Teilnehmern werden bei diesem Lehrgang in allererster Linie die Regeln des Fußballs anschaulich präsentiert. Ebenso wird ihnen das Handwerkszeug für eine erfolgreiche und sichere Spielleitung von erfahrenen Kollegen mit auf den Weg gegeben.
Nach erfolgreich abgelegter Prüfung ergibt sich meist auch recht zeitnah der erste Einsatz als Schiedsrichterassistent in einem Kreisliga-Spiel der Herren. Dabei ist man mit einem erfahrenen Schiedsrichter und einem zweiten Assistenten im Team unterwegs und lernt das Spiel aus der Perspektive des Linienrichters kennen. Vor dem Spiel wird im Team besprochen, dass das Augenmerk dabei darauf liegt, Entscheidungen wie Einwürfe oder Abseits zu treffen und Vergehen hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu beobachten.
Einer, der dies alles bereits durchlaufen hat, ist der 23-jährige Fabian Gratzke aus Neukenroth. Mit 14 Jahren hat er seine Prüfung abgelegt und ist seitdem als Schiedsrichter für den TSV Neukenroth aktiv. Nachdem er in der Saison 2007 erste Juniorenspiele leitete und Erfahrung als Schiedsrichterassistent sammeln konnte, durfte er relativ schnell Herrenspiele bis zur Kreisliga pfeifen. Mit nur 16 Jahren wurde er dann als Schiedsrichter für die Bezirksliga nominiert. Hier wird man mit seinen beiden Assistenten von Beobachtern beurteilt, um festzustellen, ob man für höherklassige Spiele geeignet ist.


Einen Mittelweg gefunden

Fabian fand schnell für sich einen Mittelweg zwischen seinem eigenen Stil und dem, was er sich bei erfahrenen Kollegen abschaute, und er hat damit Erfolg. Bereits nach einem Jahr in der Bezirksliga stieg er mit 17 Jahren in die Bezirksoberliga auf und durfte wiederum ein Jahr später als Assistent in der B-Junioren- Bundesliga an der Linie stehen. Das Niveau bei den Nachwuchsteams der Profivereine ist extrem hoch, und somit bringen diese Einsätze viel Erfahrung mit sich.
Seit 2014 leitet Fabian Gratzke Spiele in der Landesliga und wird als Linienrichter inzwischen sogar für Spiele in der A-Junioren-Bundesliga und in der Herren-Regionalliga eingesetzt. Dass es dabei nicht nur Höhen gibt, muss auch er zugeben. "Auch als Schiedsrichter hat man mal einen schlechten Tag und muss mit Kritik umgehen können. Aber das ist ja bei den Fußballern genauso."
Ein ganz besonderes Spiel in seiner Karriere war für ihn das Regionalliga-Spiel Würzburger Kickers gegen den FC Bayern München II, bei dem es für beide Mannschaften um die Tabellenführung ging. 5700 Zuschauer sorgten bei Flutlicht für eine besondere Atmosphäre.


Unheimlich viel gebracht

Dass er die Schiedsrichter-Prüfung abgelegt hat, bereut Fabian Gratzke bis heute nicht, habe es ihm doch unglaublich viel gebracht: Neben Durchsetzungsvermögen, Persönlichkeitsbildung und gutem Auftreten, was im Beruf von großem Vorteil ist, hat er vor allem viele Menschen kennen gelernt und gute Freunde unter seinen Kollegen gewonnen.
Auch bei der Schiedsrichtergruppe Kronach wird Kollegialität groß geschrieben. So werden neben dem wöchentlichen Training, das natürlich freiwillig ist und bei dem meist Fußball gespielt wird, auch Busfahrten zu Bundesliga-Spielen angeboten. Schiedsrichter haben durch Vorzeigen ihres Ausweises generell freien Eintritt zu allen Fußballspielen, auch in der Bundesliga und im Pokal. Einmal im Monat findet ein Lehrabend statt, bei dem Aktuelles, aber auch Regeländerungen und Einteilungen besprochen werden.
Da die Zahl der Anmeldungen zu den Neulingskursen in den letzten Jahren zurückgegangen ist, hat die Schiedsrichtergruppe nun Personalprobleme. Jedes Wochenende alle Fußballspiele im Umkreis mit einem Schiedsrichter oder gar mit einem Gespann zu besetzen, ist inzwischen fast unmöglich und stellt eine große Herausforderung und vor allem einen riesigen Zeitaufwand für die Einteiler dar. Dazu kommt, dass viele Vereine im Landkreis Kronach zwar einen Schiedsrichter stellen, dieser aber nur noch passives Mitglied der Gruppe ist und nicht mehr für Spielleitungen zur Verfügung steht.
Obmann Dr. Michael Völk appelliert daher an alle Vereine, sich in den eigenen Reihen nach Interessenten umzuschauen. Sollten sich nicht genügend neue und zuverlässige Schiedsrichter finden oder bereits bestehende Schiedsrichter reaktiviert werden können, droht im schlimmsten Fall eine Auflösung der Kronacher Gruppe.
Dies hätte zur Folge, dass zukünftig Spiele überhaupt nicht mehr von Schiedsrichtern geleitet werden können oder nur noch Schiedsrichter aus umliegenden Gruppen die Jugend- und Herrenspiele leiten, was aufgrund der Fahrtkosten zu einer immensen Erhöhung der Kosten führen würde. Daher hofft der Obmann auf die Unterstützung der Vereine und viele Anmeldungen.
Der Neulingskurs richtet sich sowohl an alle Fußballinteressierten, die das Spiel einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchten, als auch an junge Quereinsteiger, die noch nie an einen Ball getreten haben. Auch ehemalige Fußballer, die aufgrund von Verletzungen nicht mehr aktiv sind, ihre Leidenschaft zum Fußball aber trotzdem nicht aufgeben möchten, sind angesprochen.
Wer Schiedsrichter werden möchte, sollte mindestens 14 Jahre alt sein und Interesse am Fußball mitbringen. Optimal wäre es, wenn die Interessierten am Wochenende regelmäßig verfügbar wären. Allerdings wird auch für alle Schichtarbeiter und Studenten eine Lösung gefunden.
Zurück zur _Eingangsfrage: Muss das Spiel nun also ausfallen, weil keine Eckfahnen vorhanden sind? Nein, es findet auf jeden Fall statt. Ein gut ausgebildeter Schiedsrichter weiß das natürlich.
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