Wallenfels
Fussball

Mit Anstand und Fairness erfolgreich

Der bekannte Fußballer und Trainer Lorenz-Günther Köstner war Ehrengast beim Bürgerempfang in Wallenfels.
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Lorenz-Günther Köstner (links) beim Interview mit Christian Kreutzer.  Foto: Susanne Deuerling
Lorenz-Günther Köstner (links) beim Interview mit Christian Kreutzer. Foto: Susanne Deuerling
Eigentlich stand beim Bürgerempfang im Kulturzentrum die Ehrung verdienter Funktionäre im Vordergrund. Aber da gab es noch ein Highlight, das alle Gäste begeisterte. Bürgermeister Jens Korn konnte einen berühmten "Sohn" der Stadt Wallenfels begrüßen, einen, der es weit gebracht hat, der aber nie vergessen hat, woher er kommt und trotz großer Erfolge auf dem Boden geblieben ist. "Das Beispiel Lorenz-Günther Köstner zeigt, dass es doch noch möglich ist, mit Anstand und Ehrlichkeit erfolgreich zu sein."
Lorenz-Günther Köstner ist als Fußballspieler und Trainer bekannt. Korn: "Auch er hat in seiner Kindheit und Jugend all die ehrenamtlichen Betreuer und Trainer gebraucht, damit ihm jemand beigebracht hat, wie man richtig Fußball spielt. Mir war es sehr wichtig, dass wir am Ehrungsabend jemanden zu Gast haben, der eine Verbindung zu Wallenfels hat und uns etwas mit auf den Weg geben kann."
Lorenz-Günther Köstner stand anschließend Rede und Antwort in einem kurzweiligen Interview, das von Christian Kreuzer moderiert wurde. Köstner spielte bis 1970 beim FC Wallenfels, bevor er nach Hof, Helmbrechts und schließlich nach Mönchengladbach wechselte, wo er nationale und internationale Erfolge feierte. Von dort ging es nach Uerdingen und Bielefeld. Nach seiner aktiven Zeit war der 64-Jährige lange als Trainer auch in der Bundesliga mit Erfolg tätig.
Bei seinem Besuch in seiner Heimatstadt würdigte er das Ehrenamt. "Ohne die vielen ehrenamtlichen Betreuer und Trainer in seiner Jugend wäre ich wohl nicht so weit gekommen", sagte er und erzählte einiges aus dem Profifußball.


Fairness als MNotto

Er sei nie ein "Lautsprecher" gewesen, sagte Lorenz-Günther Köstner von sich selbst. Fairness sei schon immer sein Motto gewesen, auch wenn manchmal kübelweise Spott über ihn und seine Mannschaft ausgegossen wurde wegen der Anständigkeit des Vereins. "Ich habe mich an meinen verschiedenen Wirkungsstätten mit der ansässigen 'Mafia' arrangiert, die das Leben oft aufrecht erhält", meinte Köstner mit einem Schmunzeln. So eine "Mafia" gebe es überall, im guten Sinne natürlich.
Zurzeit sei er der älteste zur Verfügung stehende Trainer, "aber so alte Säcke sind nicht gefragt", fuhr er fort. Zwar sei er gesundheitlich wieder voll auf der Höhe, doch ernst gemeinte Anfragen seien momentan nicht in Sicht. Ab und zu nimmt er die Sichtung junger amerikanischer Spieler für Jürgen Klinsmann vor, die in Deutschland oder Frankreich spielen.
Die Krönung seiner Laufbahn sei für ihn die Zeit in Wolfsburg gewesen. Felix Magath habe ihn für die jungen Spieler geholt. "Ich wollte erst nicht, aber dann bin ich viereinhalb Jahre geblieben, habe danach noch zweimal als Interimstrainer in Wolfsburg agiert und dabei dem Verein aus der Not geholfen", blickte Köstner zurück.
Gut in Erinnerung bleibt ihm auch Rot-Weiß Essen, wo er nur ein halbes Jahr war. "Rot-Weiß spielt nun in der 4. Liga. Aber ich würde gerne wieder zu ihnen gehen und dann mit ihnen aufsteigen." Auch andere Trainer wie etwa Klaus Augenthaler trainieren in unteren Klassen.
Spontan kam natürlich die Frage, ob dann der FC Wallenfels nichts für ihn wäre. Doch der Weg zurück in die Geburtsstadt ist in der Lebensplanung von Lorenz-Günther Köstner nicht vorgesehen. 1973 ging er aus Wallenfels weg und lebt seit 1992 mit seiner Familie in Breuningsweiler, einem Ortsteil von Winnenden. Dort ist in das Ortsleben eingebunden.
Auf das Ehrenamt angesprochen, versicherte er, dass es in der heutigen Zeit wichtiger sei denn je. So wäre es wichtig, den Sonntag für Amateure frei zu halten. Derbys wären wie früher wieder gut besucht, weil der Profifußball am Sonntag niemand in die großen Stadien zieht. Dann gäbe es auch wieder gute Straßenfußballer, die sich hocharbeiten können.
In seiner Jugend brauchte man die Ehrenamtlichen, musste man doch zu den Spielen gefahren werden. "Manchmal ging es auch mit den Fahrrädern los, dann wurde die andere Mannschaft weggeputzt und wir sind wieder nach Hause gefahren."
Das Miteinander dürfe nicht vergessen werden, fuhr er fort. "Ich habe damals schnell begriffen, dass der Schwächere den Starken braucht und der Starke auf den Schwächeren eingehen muss", betonte der ehemalige Profifußballer.
Damit der Jugendfußball weiter existieren kann, sprach sich Köstner auch für Spielgemeinschaften aus, wenn im eigenen Ort nicht genügend Spieler zur Verfügung stehen. Er bot an, seine Beziehungen einzusetzen, um den jungen Fußballern einmal einen Besuch bei einem Europapokalspiel oder anderen internationalen Spielen zu ermöglichen. "Ich war selbst 1967 mal dabei; davon zehrt man sehr lange", erinnert er sich.
Bei der Europameisterschaft geht er davon aus, dass die deutsche Mannschaft die Gruppenphase übersteht. "Danach brauchen wir auch Glück, denn als Weltmeister wird man schon gejagt." Und natürlich drückt er dem 1. FC Nürnberg, die Daumen, dass er wieder in die Bundesliga aufsteigt.
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