Marktrodach
Politik

SPD Oberrodach will Oliver Skall

Die Mitglieder haben den 45-Jährigen als Bürgermeisterkandidaten für 2020 auserkoren.
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Oliver Skall privat
Oliver Skall privat
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Was sich längst abgezeichnet hat, ist nun Fakt: In der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Oberrodach am Dienstag haben dessen Mitglieder Oliver Skall als möglichen SPD-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl 2020 gewählt. Von den 26 anwesenden Mitgliedern haben in einer geheimen Abstimmung 25 für Skall gestimmt, ein Mitglied hat sich enthalten.

"Das ist für mich ein schöner Vertrauensbeweis", kommentierte Skall auf FT-Nachfrage das Votum seines Ortsvereins. Sollte er am Ende tatsächlich zum Bürgermeister gewählt werden, will Skall der Gemeinde ein Leitbild geben, anhand dessen sich die Bürger unter Berücksichtigung der einzelnen Gemeindeteile wiedererkennen sollen. "Was macht eine Gemeinde aus?", stellte Skall vor diesem Hintergrund eine rhetorische Frage und gab die Antwort gleich selbst. Noch viel mehr als bisher müssen seiner Meinung nach die Bürger, Firmen und die Vereine in den Mittelpunkt der Gemeindepolitik gestellt werden.

In Unterrodach ist alles offen

Skall ist sich natürlich bewusst, dass es am Ende nur einen SPD-Kandidaten in Marktrodach geben kann. Die Frage wird deshalb sein, ob die Unterrodacher SPD Skall mittragen oder ob sie vielleicht sogar einen eigenen Bewerber aufstellen und es damit zur parteiinternen Kampfabstimmung kommen wird. In diesem Fall könnte das Nominierungsverfahren eine entscheidende Rolle spielen.

Skall hofft grundsätzlich auf eine Einigung und vor allem darauf, dass es am Ende zu keiner Spaltung der SPD in Marktrodach kommen wird. "Bei uns ist aktuell noch alles offen", so Norbert Friedlein, der somit auch eine eigene Kandidatur nicht ausschließt. Der SPD-Ortsvorsitzende von Unterrodach geht davon aus, dass der SPD-Bürgermeisterkandidat für die gesamte Gemeinde im Juni nominiert wird. Die Unterrodacher müssen in den nächsten Wochen Gespräche führen, ob sie Skall mittragen oder ob sie einen eigenen Kandidaten präsentieren, so Friedlein. "Wir haben viel zu tun."

"Wenn in Marktrodach zwei SPD-Mitglieder für das Amt des Bürgermeisters kandidieren wollen, wäre das eine schwierige Sache", so SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl. Dann stünde es den beiden Vorständen offen, ob die Entscheidung durch die Delegierten oder durch alle SPD-Mitglieder vor Ort fallen soll.

Bei einer Delegiertenwahl könnten die beiden Ortsvereine ihren eigenen Schlüssel festlegen. Beispielsweise könnte pro zehn Mitglieder ein Delegierter seinen jeweiligen Ortsverein vertreten. Sollten sich die beiden SPD-Ortsverbände nicht einigen können, würde der übergeordnete Delegiertenschlüssel (1:25) in Kraft treten.

In diesem Fall würden beide Vereine jeweils zwei Delegierte entsenden, weil sie zum Stichtag 31. Dezember 2018 knapp über (Oberrodach) beziehungsweise knapp unter 30 Mitglieder (Unterrodach) hatten. Hier könnte eine Pattsituation entstehen. In diesem Fall würde am Ende sogar das Los die Entscheidung bringen müssen.

Vollversammlung

Eine andere Möglichkeit den Kandidaten zu bestimmen, wäre eine Vollversammlung aller Mitglieder beider SPD-Ortsvereine. In diesem Fall hätten Stand heute die Oberrodacher Vorteile, weil seit Anfang des Jahres 14 neue Mitglieder hinzugewonnen werden konnten und im Falle der Vollversammlung die Mitgliederzahl am Tag der Einladung zur Veranstaltung entscheidend wäre.

Auslöser der aktuellen Situation war die Aussage von Bürgermeister Norbert Gräbner, entgegen mancher Erwartungen allen voran im SPD-Ortsverein Oberrodach 2020 erneut für den Bürgermeistersessel kandidieren zu wollen.

Noch bevor es zur parteiinternen sachlichen Auseinandersetzung kam, trat Gräbner schließlich aus der SPD aus, weil er Wertschätzung und Respekt vermisste. Er wird nun 2020 vermutlich als unabhängiger Bürgermeisterkandidat antreten. "Ich werde für das Bürgermeisteramt nochmals kandidieren", bekräftigt der amtierende Bürgermeister seine Aussage von vor zwei Wochen.

Parteipolitisch will er sich nicht festlegen. Vielmehr geht er davon aus, dass er mit einer Unterstützungsliste antreten wird. Das bedeutet, dass sich mindestens 80 wahlberechtigte Marktrodacher auf einem amtlichen Formblatt eintragen müssen, damit Gräbner bei den Wahlen im März 2020 antreten kann. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass er diese Unterstützung erhält. Er spricht von einem großen Rückhalt in der Marktrodacher Bevölkerung, den er seit seinem Austritt aus der SPD erhalten hat.

Noch immer enttäuscht

Aktuell ist immer noch Enttäuschung aus seinen Worten zu entnehmen, wenn er von seiner inzwischen ehemaligen Partei spricht. Fast 37 Jahre war Gräbner bei den Sozialdemokraten Mitglied. Bei den vergangenen Kreistagswahlen erzielte er für die SPD hinter dem Ludwigsstädter Bürgermeister Timo Ehrhardt und Altlandrat Heinz Köhler das drittbeste Ergebnis. Deshalb kommt es für ihn auch nicht infrage, dass er sein Kreistagsmandat niederlegt. Denn: "Eigentlich hat ja die SPD von meiner Person profitiert."

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