Kronach
Kreistagswahl

SPD im Kreis Kronach vermisst ihre Zugpferde

Die Auszählung ist noch nicht endgültig abgeschlossen, doch zeichnen sich Sitzgewinne und -verluste nach der Kreistagswahl im Landkreis Kronach schon klar ab. Vor allem die Sozialdemokraten hadern mit dem Ergebnis.
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Die SPD geht mit Schrammen aus der Kreistagswahl hervor. Zwar verliert man vermutlich ebenso viele Sitze wie die CSU, allerdings schneiden die Sozialdemokraten beim Blick auf die Prozente deutlich schlechter ab. Foto: Marco Meißner
Die SPD geht mit Schrammen aus der Kreistagswahl hervor. Zwar verliert man vermutlich ebenso viele Sitze wie die CSU, allerdings schneiden die Sozialdemokraten beim Blick auf die Prozente deutlich schlechter ab. Foto: Marco Meißner
Die Reduzierung des Kreistags von 60 auf 50 Mitglieder ging wie erwartet zu Lasten der großen Parteien. Auch wenn gestern Abend noch nicht alle Stimmbezirke ausgewertet waren, so haben entsprechend einer Schnellmeldung CSU (21) und SPD (14) jeweils fünf Sitze verloren. Mit einem Sitz weniger müssen die Freien Wähler wohl auskommen, die im neuen Gremium neun Vertreter sitzen haben dürften. Freuen darf sich durchaus die Frauenliste, die ihre drei Sitze verteidigen sollte. Gleiches gilt für die Grünen, die wieder mit zwei Kräften vertreten sein dürften. Da das Auszählverfahren und damit die Berechnung der Sitzverteilung geändert wurde, profitierten vor allem kleinere Parteien.
Ein Zeichen dafür ist nicht zuletzt der voraussichtliche Einzug eines FDP-Mitglieds ins Gremium.


Parteien ziehen Bilanz

CSU-Kreisvorsitzender Jürgen Baumgärtner bewertet das Abschneiden seiner Partei als "insgesamt positiv". Mit laut Schnellmeldung 42,61 Prozent habe man gegenüber 2008 (41,25) leicht zugelegt - "und das unter erschwerten Bedingungen". Damit spricht er nicht zuletzt die Bürgermeisterwahl in Kronach an, bei der man auf ein eigenes Zugpferd verzichtet habe. Die Auswirkungen hätten sich auch in der Wahl zum Kreistag niedergeschlagen. Nicht zu vergessen sei, dass zudem jemand wie Joachim Doppel, der immer viele Stimmen erhalten habe, nicht mehr zur Verfügung gestanden habe. Dass die CSU mit Abstand die stärkste Partei sei, sieht er als "tollen Erfolg". Ganz zufrieden ist er aber dennoch nicht: "Man sieht, wir sind auf einem richtigen Weg. Wir haben aber unser Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft."

Einen Aspekt hat Baumgärtner besonders erfreut zur Kenntnis genommen: "Unsere Rechnung ist aufgegangen, Fachkompetenz von außen zu holen." Ein Beispiel dafür sei Gerhard Brühl, der von Listenplatz 25 weit nach vorne gewählt worden ist. "Er ist bekannt, positioniert sich und kann auch einmal unbequem sein", erklärt Baumgärtner Brühls Wahlerfolg. Generell habe es sich ausgezahlt, dass die CSU schon im Vorfeld signalisiert hatte, in den einzelnen Gremien auf Fachleute zu setzen.

CSU-Fraktionsvorsitzender Klaus Löffler war mit dem Abschneiden seiner Partei zufrieden. "Wir haben es unter schwierigen Rahmenbedingungen geschafft, den Status quo der CSU zu halten", betonte Löffler und verwies auf die Verkleinerung des Kreistags.


Klaus Löffler: "Wir können zufrieden sein"

Bei einer Größe von 60 Mitgliedern hatte die CSU 26 Sitze, was 43 Prozent entsprach. Jetzt, bei 50 Mitgliedern und 21 Sitzen, sind es 42 Prozent. "Damit können wir zufrieden sein." Stolz war Löffler über das Angebot, das die CSU den Wählern im Landkreis gemacht hat. Das hätten die Wähler honoriert. Was den weiteren personellen Fahrplan der CSU betrifft, so wollte sich Löffler nicht äußern. Dafür sei es noch zu früh.

Die Vertreter der SPD wollten nicht um den heißen Brei herumreden. Sowohl Kreisvorsitzender Ralf Pohl als auch Fraktionssprecher Richard Rauh sehen die Sozialdemokraten als die Verlierer der Kreistagswahl. "Wir wollten ein Ergebnis von circa 30 Prozent realisieren. Das scheinen wir nicht zu erreichen", bilanzierte Pohl, als nur noch wenige Stimmbezirke auszuwerten waren. "Nach sechs Jahren intensiver Arbeit im Kreistag haut einen so ein Ergebnis erst einmal um." Und Rauh brachte es auf den Punkt: "Ich bin enttäuscht. Wir haben das Klassenziel nicht erreicht."

Rauh machte als einen Grund für den prozentualen Einbruch das Fehlen vieler Personen auf der SPD-Liste aus, die seit Jahren Garanten für ein gutes Ergebnis gewesen seien. Steiger, Laczo, Raum und noch einige andere seien diesmal nicht angetreten. Genau diese bekannten Gesichter hätten jedoch für Stimmen auch über die Grenzen ihrer Heimatgemeinde hinaus gesorgt.

Dem pflichtete Ralf Pohl bei: "Viele, die nicht mehr angetreten sind, haben Stimmen gezogen." Aber er sah noch andere Faktoren, die mit in das schlechte Ergebnis der SPD hineingespielt hätten. Nicht zuletzt nannte er einen Trend aus anderen Wahlen, von dem man sich nicht habe abkoppeln können. "Das Ergebnis muss jetzt komplett analysiert werden", gibt er die Marschrichtung für die kommenden Tage vor.


Freie Wähler sehen sich als Gewinner

Deutlich freundlicher gestaltet sich der Wahlausgang aus Sicht der Freien Wähler. Bei den Prozenten gibt es einen spürbaren Gewinn, bei den Sitzen geht vermutlich nur einer verloren. Eine Bilanz, mit der Fraktionssprecher Peter Hänel gut leben kann. Der Sitzverlust sei schließlich der Verkleinerung des Gremiums geschuldet, die Zugewinne beim Ergebnis - "damit bin ich sehr zufrieden" - seien eine Bestätigung für die Arbeit der Freien Wähler im Kreistag.

"Wir Freien Wähler sind auf alle Fälle zufrieden", stellt auch FW-Kreisvorsitzender Tino Vetter fest. Zwar war gestern Abend noch nicht ganz klar, ob seine Gruppierung bei neun oder am Ende doch zehn Sitzen ankommen wird, doch selbst wenn ein Sitz - wie zu vermuten - verloren gehen sollte, wäre das für ihn kein Beinbruch. Wenngleich: "Schön ist es natürlich nie, etwas zu verlieren."

Dass die Freien Wähler sich so gut geschlagen haben, macht er auch daran fest, dass der Kreistag eine Persönlichkeitswahl sei, bei der besonders die FW-Bürgermeister ihrer Rolle als Zugpferde gerecht geworden seien. "Es war unser gestecktes Ziel, dass sie vorne reinkommen", so Vetter.

Ein weiterer Grund für das gute Ergebnis sei der Status als "Freie". "Es zeichnet sich immer mehr ab, dass der Parteicharakter bei den Wählern nicht mehr so gefragt ist", hebt der Kreisvorsitzende der Freien Wähler hervor.
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