Kronach
Europawahl

SPD erlebt im Kreis Kronach einen weiteren Rückschlag

Die Sozialdemokraten mussten wieder eine bittere Pille schlucken. Sie büßten auf Kronacher Kreisebene rund zehn Prozent gegenüber der Wahl von 2014 ein.
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Warteten am Sonntagnachmittag auf die Wähler im Kronacher Rathaus: Jürgen Ditsche, Rosemarie Beetz und Wolfgang Hümmer. Foto: Anna-Lena Deuerling
Warteten am Sonntagnachmittag auf die Wähler im Kronacher Rathaus: Jürgen Ditsche, Rosemarie Beetz und Wolfgang Hümmer. Foto: Anna-Lena Deuerling

Europa hat 2019 offenbar wieder mehr Interesse beim Wähler im Landkreis Kronach geweckt als noch bei der Wahl im Jahr 2014. Schon gegen 19 Uhr war die Zahl derer geknackt, die fünf Jahre zuvor zur Urne gegangen waren - dabei war über ein halbes Dutzend Stimmbezirke zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ausgezählt. Als 25 Minuten später alle Schnellmeldungen auf Kreisebene vorlagen, stand fest: Über 10 000 Wähler mehr hatten ihre Stimme abgegeben (31 142 zu 21 125). Die Wahlbeteiligung stieg damit von 37,33 auf stolze 56,67 Prozent.

Die SPD wird dieses positive Ergebnis wenig trösten, denn die Sozialdemokraten erlebten auf Kreisebene erneut eine Schlappe. Zwar blieben sie mit 14,97 Prozent zweitstärkste Kraft, doch büßten sie 10,37 Prozent gegenüber der Europawahl 2014 ein. Mit Tettau (29,27), Reichenbach (28,75) und Ludwigsstadt (23,34) gab es nur noch drei Kommunen, in denen die SPD über die 20-Prozent-Marke hinauskam. Dreimal blieb sie sogar unterhalb der zehn Prozent hängen: Steinwiesen (9,99), Wallenfels (9,71) und Wilhelmsthal (9,20).

CSU gibt den Ton an

Auch die CSU verbuchte ein Minus, doch mit 1,78 Prozent fiel es bei Weitem nicht so schmerzlich aus. Die Christsozialen kristallisierten sich schon früh als die mit Abstand erfolgreichste Partei auf Kreisebene heraus und brachten es letztlich auf 47,60 Prozent. Sie hatten in allen Gemeinden die Nase vorn. In Wilhelmsthal (60,74) gelang es gar, die 60-Prozent-Schwelle zu überschreiten. Sechsmal kam die CSU auf über 50 Prozent, nur dreimal (Mitwitz, Reichenbach, Tettau) reichte es nicht für die 40 Prozent. Auch in der Kreisstadt Kronach (46,00 Prozent) gab man den Ton an.

Ein Gewinner der Wahl waren auf Kreisebene die Grünen. Sie legten mit einem Plus von 4,92 Prozent auf das nun zweistellige Ergebnis von 10,03 Prozent die größte Schippe drauf. Ihre höchsten Werte verzeichneten die Grünen in Mitwitz (15,52), Marktrodach (14,20), Kronach (12,54), Weißenbrunn (12,35) und Küps (10,13).

Die AfD verzeichnete zwar auch einen Zuwachs auf Kreisebene (plus 3,20), jedoch blieb sie mit 9,33 Prozent im einstelligen Bereich hängen. Lediglich in Tschirn (17,91) und Reichenbach (13,13) überschritt sie die Zehn-Prozent-Marke sehr deutlich.

Ein Plus von 1,67 Prozent erzielten die Freien Wähler (5,72), die vor allem in Stockheim mit 10,24 Prozent aufhorchen ließen. Die FDP (2,19/plus 0,38) kam nirgends auf mehr als 3,73 Prozent (Schneckenlohe und Tschirn). Die sonstigen Gruppierungen teilten insgesamt 10,16 Prozent unter sich auf. In acht Kommunen fuhren sie jeweils über zwölf Prozent ein.

Stimmen zur Wahl

CSU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Baumgärtner spricht von einem "marginalen Verlust". "In Anbetracht der Situation der Volksparteien in Europa bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden." Dass die CSU in allen Gemeinden gesiegt habe, sei eine beeindruckende Leistung. Für die gestiegene Wahlbeteiligung sehe er mehrere Gründe. "Die Bürger wollten ganz klar die Rechtspopulisten in ihre Schranken weisen." Außerdem hätten wohl viele verstanden, wie stark auch Kronach als Industrielandkreis von einem starken Europa abhänge und dass viele zentrale Themen nur gemeinsam zu schultern seien.

Edith Memmel, Sprecherin des Kreisvorstandes Bündnis 90/Die Grünen, zählt mit ihrer Partei zu den Gewinnern der Wahl. "Die harte Arbeit, die wir investiert haben, hat sich ausgezahlt", sagt sie. Man gehe nun auch selbstbewusster auf die kommenden Kommunalwahlen zu. Sie sieht ihre Strategie bestätigt: Einfach zäh bei den zentralen Themen bleiben und wenn es sein muss, den Finger in die Wunde legen. "Bei manchen Sachen darf man keine Kompromisse machen." Das Plus bei der Wahlbeteiligung freut sie. Sie lobt die Informationspolitik der Medien. Dass die Europawahl medial sehr präsent und natürlich das Desaster von Großbritannien stets vor Augen gewesen seien, habe sicher viele zur Wahl motiviert.

Für Ralf Pohl, Kreisvorsitzender der SPD, ist das Ergebnis "sehr enttäuschend". Es zeige, dass man die Trendwende nicht geschafft habe, die Wähler inhaltlich nicht habe erreichen können. Lösung könnte sein, in Zukunft kritisch zu sein und eine deutliche Sprache zu wählen. Da letzte Reformen nicht gefruchtet hätten, könnte ein neues Grundsatzprogramm für die Partei die Lösung sein. "Es ist an der Zeit, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, die wir offensichtlich verloren haben."

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