Lauenstein
Ausdauer

So wird man Wanderweltmeister: "Alles eine Kopfsache"

Auch wenn er den WM-Titel nur inoffiziell trägt, ist Daniel Trauts Leistung auf den Wanderpfaden der Region unumstritten meisterlich. Am Rennsteig lief er eine Strecke über 170 Kilometer in knapp 29 Stunden.
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Daniel Traut in seiner Wahlheimat Lauenstein. Neue Wanderschuhe muss der gebürtige Thüringer alle zwei Jahre anschaffen.  Foto: Anna-Lena Deuerling
Daniel Traut in seiner Wahlheimat Lauenstein. Neue Wanderschuhe muss der gebürtige Thüringer alle zwei Jahre anschaffen. Foto: Anna-Lena Deuerling

Es schmerzt alles. Mal die Füße. Mal die Oberschenkel. Und die Schienbeine. Ja, vor allem die Schienbeine. Doch nach den ersten zehn, vielleicht nach 20 Kilometern kommt Daniel Traut "in Tritt" und nimmt den restlichen Marsch wie manch anderer einen gemütlichen Sonntagsspaziergang. Und von Spaziergang kann man bei einer Strecke von knapp 170 Kilometern sicher nicht mehr sprechen.

Bereits zum zweiten Mal hat sich der 42-Jährige aus Lauenstein Anfang Mai den Titel bei der (inoffiziellen) Wander-Weltmeisterschaft über den Rennsteig geholt. Der "Xtrem-Marsch" führt mit Start in Blankenstein über eine Strecke von 169,3 Kilometern über den gesamten Rennsteig. Das Verrückte an der Veranstaltung: Die Wanderung läuft Non-Stop. 28 Stunden und 53 Minuten war Traut unterwegs, bis er in Gumpelstadt endlich aus seinen Wanderschuhen schlüpfen konnte.

"Da ist vieles Kopfsache. Ja eigentlich ist alles Kopfsache", beantwortet der gebürtige Thüringer die Frage, wie das der Körper überhaupt schaffe. "Wenn man immer seine eigene Geschwindigkeit läuft, macht sich keine Müdigkeit breit." Wie eine klassische Wettkampfsituation dürfe man sich diese Wandermarathons ohnehin nicht vorstellen. "Wir laufen alle miteinander, nicht gegeneinander", sagt Traut. Die meisten Wanderer kennen sich untereinander, auch in Blankenstein sei es ein großes Wiedersehen gewesen. Vorstellen darf man sich den Start dann trotzdem ein wenig wie beim "richtigen Marathon". Nach gemeinsamen Aufwärmübungen stellen sich die Sportler auf und warten auf den Startschuss. "Dann geht es los und jeder läuft in dem Tempo, das er mag." Während andere im Rahmen einer geführten Gruppenwanderung unterwegs sind, läuft Traut lieber alleine - in "seinem Tritt". "Solange ich das kann, und darf", sagt er und muss schmunzeln.

Strafminuten für Geschwindigkeit

Wanderer mit Schrittgeschwindigkeiten über 7,5 Kilometern pro Stunde bekommen nämlich "Strafminuten". Denn Kontrolle muss sein: Jeder passiert auf der vorgeschriebenen Strecke Kontrollposten, wo er sich mit einer Chip-Karte einloggen muss.

Wer wie Traut alleine loszieht, kann sich den Streckenverlauf vorher herunterladen und selbst durch die Natur navigieren. Traut ist ansonsten mit "leichtem Gepäck" unterwegs. Lediglich ein Notfall-Set mit Pflastern und Wärmedecke, Getränke und Energieriegel, Lampen und Ersatzbatterien landen in seinem Rucksack. Alles weitere - zum Beispiel Klamotten und Schuhe zum Wechseln - können die Teilnehmer vorher an Versorgungspunkten deponieren. Dort können die Wanderer eine Pause einlegen und sich mit Essen und Getränken versorgen. Und sich wie beim diesjährigen Rennsteig-Marathon "erst einmal trockenlegen". Nach einem verregneten Start und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt ist es da nämlich recht ungemütlich zugegangen. "Naja, Schnee macht wenigsten nicht so nass", sagt Traut lachend. Betont aber: Ungefährlich ist der Rennsteig bei dieser Witterung - wurzelbewachsene Wege mit einer Schneedecke überzogen - nicht. Da sei seine Ortskenntnis von Vorteil gewesen und er für einige Kilometer vom Wanderweg auf die asphaltierte Straße ausgewichen. Sicherheit geht für den Familenvater da vor.

Mit seinen 42 Jahren ist der Holzmechaniker übrigens ein "Küken" unter den Extremwanderern. Viele seine Mitstreiter haben das Rentenalter längst überstritten. Für ihn sei es trotzdem der ideale Sport. "Man kann perfekt abschalten und in sich gehen. Da bekommt man viele gute Ideen."

Ungewöhnliches Hobby

Doch wie stößt man überhaupt auf ein solch ungewöhnliches Hobby? Angefangen haben die Wanderungen durch Geocaching. Bei diesen Schatzsuche-Spielen, bei dennen man mittels GPS-Koordinaten Behälter und Objekte aufspürt, müsse man hin und wieder auch weitere Strecken zurücklegen.

Was mit fünf Kilometern begann, habe sich schnell auf zehn bis 20 Kilometer gesteigert. Vor einigen Jahren lief er dann den Frankenwaldsteig in Etappen - das längste Teilstück ist 65 Kilometer lang. "Da habe ich gedacht - wenn 65 Kilometer gehen, warum nicht 100?" Und es ging. Beim "Saale-Orla-Hunderter" trat er bei seiner ersten 24-Stunden-Wanderung an. Seitdem läuft er über den Sommer fast jeden Monat bei großen Veranstaltungen bundesweit mit. Ob 24 oder 48 Stunden, 100 oder 180 Kilometer: "Es geht immer noch extremer."

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