Kronach
Handwerk

So original wie möglich: Zu Besuch im Atelier einer Kronacher Restauratorin

Die Restauratorin Petra Zenkel-Schirmer kümmert sich in ihrem Kronacher Atelier darum, dass alte Kunstgegenstände wieder wie neu wirken. Ihr jüngstes Projekt: ein 500 Jahre alter Altar aus Kehlbach.
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Die abschließenden Retuschearbeiten machen Restauratorin Petra Zenkel-Schirmer am meisten Spaß. Foto: Marian Hamacher (3)/privat (1)
Die abschließenden Retuschearbeiten machen Restauratorin Petra Zenkel-Schirmer am meisten Spaß. Foto: Marian Hamacher (3)/privat (1)
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Jetzt nur nicht zittern. Vorsichtig führen Zeigefinger und Daumen den schmalen Pinsel, der kleine Finger ruht derweil auf dem hölzernen Untergrund und stützt so die die rechte Hand. Doch Sorgen um einen ungewollten Pinselstrich muss sich Petra Zenkel-Schirmer nicht machen. Die sind längst der Routine gewichen. "Das Retuschieren ist die Kür", sagt sie entspannt. "Da sind alle empfindlichen Arbeiten längst erfolgt." Und von solchen hat sie schon so einige hinter sich.

31 Jahre ist es inzwischen her, dass sich Zenkel-Schirmer in Steinbach am Wald als Restauratorin selbstständig gemacht hat. Zuvor hatte sie neben ihrer Ausbildung im Münchner Stadtmuseum auch einen berufsbegleitenden Studiengang absolviert. Seit 2005 ist sie mit ihrem Atelier für Restaurierung nun in Kronachs Oberer Stadt zu Hause und versucht von dort aus, alte Gegenstände zu erhalten oder wiederherzustellen. Seien es Gemälde, metallene Werbeschilder, Holzfiguren - oder Altäre. Wie ihr gerade erst abgeschlossenes Projekt.

"Ein besonderes Objekt"

Eigentlich ist der 3,40 Meter hohe und 1,60 Meter breite neogotische Seitenaltar in der Kehlbacher Marienkirche zu Hause. Ein Jahr lang mussten die Gläubigen allerdings auf den Anblick verzichten. Erst seit Anfang des Monats steht er nicht mehr in Zenkel-Schirmers Atelier, sondern wieder an seinem gewohnten Platz. "Der ist schon wirklich ein besonderes Objekt", sagt Zenkel-Schirmer, als unser Reporter sie in der Schlussphase der Restaurierungsarbeit besucht.

Ein wenig ehrfürchtig schaut sie auf den hellblauen hölzernen Unterbau des Altars. Zu sehen sind darauf zwei Engel, die das Leichentuch Christi hochhalten. "Der ist von 1480", erzählt sie. Der Aufbau sei erst 400 Jahre später hinzugekommen. Oft hat sie solche Gegenstände nicht bei sich stehen. "Sehr teure Objekte restaurieren wir meistens vor Ort. Öffentliche Bilder verlassen das Museum beispielsweise erst gar nicht."

Reinhard Stauch kennt den Kehlbacher Altar schon seit seiner Kindheit. Wie alt dieser aber tatsächlich ist, ist ihm neu. "Das habe ich erst durch Frau Zenkel-Schirmer erfahren", sagt der Pfarrer, der inzwischen zwar in Bayreuth zu Hause ist, aber immer wieder seine Kehlbacher Heimat besucht. "Mit der Zeit wurde es mein Anliegen, den Altar den Generationen nach uns zu erhalten", sagt er. Von der Kirchenstiftung habe er letztlich den Auftrag erhalten, den Altar restaurieren zu lassen.

Hätten die Kehlbacher gewusst, welch historisches Schätzchen sie in ihrer Kirche stehen haben, hätten sie wohl nicht jenen Kardinalsfehler begangen, der Zenkel-Schirmer schon bei so vielen antiken Altären aufgefallen ist: zu gießen. "Das Holz ist oft in einem schlechten Zustand, weil Blumen darauf stehen und gegossen werden", erklärt sie.

Das Wasser laufe dann am Altars hinunter und greife das Holz sowie die Farbe an. "Würde man aufs Gießen verzichten, könnte man sich manche Restaurierungsarbeit sparen."

Bis auf das Gold und das Relief, das die Momente nach der Kreuzabnahme und vor der Grablegung des Leichnams Jesu zeigt, sei der Altar dennoch in einem äußert guten Zustand gewesen. Am auffälligsten war dabei, dass sich die Farbe vom Holzträger gelöst hatte. Farbschollen nennen Restauratoren jene nur wenige Millimeter großen Elemente, die nicht mehr von alleine am Untergrund halten wollen und sich vom Gesamtbild gelöst haben. "Die werden aber auf keinen Fall entfernt, sondern wieder mit Störleim befestigt", betont Zenkel-Schirmer. "Denn nichts ist wertvoller als das Original."

Die passende Mischung

Bei den abschließenden Retuschearbeiten gehe es darum, möglichst den Originalton zu treffen und auch der passenden Körnung sehr nahe zu kommen. Sonderlich schwierig sei es aber nicht, auf der Farbpalette die richtige Mischung zu finden. Mit jedem Pinselstrich kommt sie so immer näher an jenen Zustand heran, den das Relief einmal hatte, als es im 15. Jahrhundert entstand.

Gleiches bei der Goldverkleidung zu schaffen, gestaltet sich dagegen noch einmal deutlich schwieriger. "Das Fatale an Gold ist, dass es alles zum Vorschein bringt. Selbst der kleinste Riss ist sofort zu sehen", sagt Franz Schirmer. Von denen habe es im Altar aber leider einige gegeben. Einst als Werkzeugmachermeister ins Berufsleben gestartet, steckte ihn seine Frau mit der Liebe zur Restaurierung alter Stücke an. Es folgte eine Umschulung, die nun auch schon an die zehn Jahre her ist. Seitdem ist das Kronacher Atelier ein Familienbetrieb. Knapp einen halben Quadratmeter Gold habe sie für die Ausbesserungsarbeiten benötigt, erzählt Petra Zenkel-Schirmer. Das sei vergleichsweise wenig. Zwei Gramm Pudergold (kostet etwa 160 Euro) reichen nämlich aus, um eine Fläche von zwei Quadratmetern zu vergolden.

Sechs Spezialisten

Zwar stand der Altar ein Jahr lang in Zenkel-Schirmers Atelier, sie war aber nicht die einzige Restauratorin, die an ihm arbeitete. Insgesamt waren es sechs Spezialisten, die dabei mithalfen: "Fast alle Projekte machen wir in einem Zusammenschluss. Dadurch können wir Aufträge in einem Umkreis von 300 Kilometern annehmen." Alleine sei das gar nicht machbar - und ermögliche zudem Aufträge, die sie alleine nie bekommen hätte. Wie etwa die Restaurierung des Lutherzimmers auf der Wartburg, an dem das Kronacher Ehepaar seit zwei Jahren beteiligt ist. "So etwas würde sonst nur an große Restaurierungsfirmen gehen."

Und wie soll das Ergebnis aussehen, wenn neben der Pflicht auch die Kür erfüllt ist? "Wenn man auf den ersten Blick nicht sieht, was wir gemacht haben, dann haben wir unseren Job gut gemacht."

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