Kronach
Kino

Hollywood-Film auf Kronacher Festung Rosenberg: Ein Oscar-Nominierter dreht hier gerade

Seit Montag laufen die Dreharbeiten für den Hollywood-Film "Resistance" auf der Festung Rosenberg in Kronach - was längst nicht mehr zu übersehen ist. Zur Schauspiel-Crew gehören auch ein amerikanischer Oscar-Nominierter sowie ein bekanntes deutsches Gesicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf dem Busparkplatz auf der Rückseite der Festung Rosenberg hat das Filmteam sein "Basecamp" aufgeschlagen. Foto: Marian Hamacher
Auf dem Busparkplatz auf der Rückseite der Festung Rosenberg hat das Filmteam sein "Basecamp" aufgeschlagen. Foto: Marian Hamacher
+17 Bilder

Ungläubig betrachtet Ursula Köckritz das weiße Din-A4-Blatt, das vier dicke schwarze Klebestreifen fest am Sandstein fixieren. "Festung derzeit gesperrt", ist darauf in schwarzen Großbuchstaben zu lesen. Ein Hinweis, der offenbar nicht von jedem verstanden wurde. Jedenfalls fühlte sich offenbar jemand dazu gezwungen, den Text handschriftlich mit einem roten Stift noch einmal um zwei Worte zu ergänzen: "Betreten verboten!"

Ursula Köckritz indes hat verstanden. Neugierig schaut die Touristin zwar durch das Eingangstor der Festung Rosenberg, dreht sich dann aber zu ihrem Mann und den beiden Enkeln um, die einige Meter hinter ihr in der Mittagssonne stehen. "Da haben wir wirklich Pech gehabt", sagt sie enttäuscht. "Eigentlich wollten wir mit unseren Enkeln den abenteuerlichen Rundgang durch die Gänge der Festung machen und auch die Museen besuchen, aber das wird heute wohl nichts."

Vor 15 Jahren habe sie mit ihrem Mann die Führung schon einmal mitgemacht. "Daher wussten wir, dass die ziemlich interessant ist." So interessant, dass sie auch die Enkel einmal erleben sollen - weshalb die vier Dresdner die Herbstferien im Kreis Kronach verbringen. Nach dem Wasserschloss Mitwitz hätte die Festung Rosenberg nun der zweite Punkt des Tagesprogramms werden sollen.

Doch die in ihrer jahrhundertealten Geschichte nie eingenommene Festungsanlage, wird seit dieser Woche erneut belagert. Diesmal allerdings nicht von Schweden - und vor allem in friedlicher Absicht. Seit diesem Montag dreht dort ein internationales Team den Hollywood-Streifen "Resistance". Erzählt werden soll darin jener Lebensabschnitt, den der berühmte Pantomime Marcel Marceau im französischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung verbrachte (siehe Infokasten).

Blumenkübel als Sichtschutz

Wer Mitte der Woche hoch zur Festung ging, konnte die Dreharbeiten nur erahnen, sah doch der Eingangsbereich der Festung größtenteils wieder so aus, wie ihn die Bewohner der Lucas-Cranach-Stadt kennen. Einige Verkehrs- und Warnschilder waren mit frischer Erde wieder fest im Boden verankert. Nur die braune Tafel, die den Rundgang durch die Festung beschreibt, lag noch auf der Wiese neben dem Kopfsteinpflaster. Kein Wunder, denn für die Dreharbeiten sollte nichts auf die Gegenwart hinweisen, schließlich spielt der Film im Frankreich der 1940er Jahre.

Daher verdeckten auch brusthohe Blumenkübel mit grünen Sträuchern die Strahler, die sonst die Festung ins stimmungsvolle Licht tauchen. Und auch die Schranke war noch gut versteckt: Zwar lag die Holzabdeckung, mit der das Filmteam den Öffnungsmechanismus der Absperrung verkleidet hat, ebenfalls auf der Wiese, von der Stange fehlte aber noch jede Spur.

Die Spur zum Filmteam ist aktuell hingegen nicht schwer zu finden. Schwarze Pfeile weisen den Weg zum Basislager, das die Produktion am Busparkplatz auf der Rückseite der Festung aufgeschlagen hat. Neben großen Wassertanks stehen dort nicht nur weiße Pavillons und die Wagen der Caterer, die die Crew mit Essen versorgen, sondern auch zahlreiche Autos mit Kennzeichen aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands - und Tschechiens. "Bevor wir nach Kronach gekommen sind, haben wir in Prag gedreht, daher haben wir auch viele Tschechen dabei", erklärt ein Mitglied der Filmcrew.

Kronach sei für die meisten der Arbeiter rund um den Film, die sogenannte Main-Crew, die drittletzte Station. Geplant sind noch Drehs in Nürnberg und München, dann soll der Großteil des Films im berühmten Kasten sein. Geplant ist die letzte Klappe für den 15. November.

Doch bis dahin geht es erst noch in der Kreisstadt weiter. Lediglich am Wochenende werden die Dreharbeiten unterbrochen und die Festung wieder für Besucher geöffnet. Zwei weitere Drehtage später geht es bis Freitag in der Oberen Stadt weiter (siehe Text unten auf dieser Seite). "Da dürften wir die Kronacher wohl leider ein bisschen nerven, weil wir vor allem nachts drehen werden", vermutet das Crew-Mitglied.

Viele Freiwillige

Interessante Einblicke in die Filmwelt machten auf der Festung bislang nicht nur die Kinder aus dem Landkreis, die extra Schulfrei bekommen haben, um als Statisten mitzuwirken. Auch mehrere Ehrenamtliche des BRK-Kreisverbands Kronach schnupperten Filmluft. Wenn auch nicht vor der Kamera.

Vielmehr war das BRK vor Ort, um zur Stelle zu sein, falls an den Dreharbeiten beteiligte Personen bei einem Unfall verletzt werden oder medizinische Hilfe benötigen sollten. Tätig hätten die eingesetzten Helfer des BRK bisher aber nicht werden müssen, sagt BRK-Ehrenamtsmanager Ralf Schmidt.

Normalerweise sei für eine Unfallsicherung nur eine Person mit einer Notfallausrüstung im Einsatz. Diesmal waren es aber meist zwei. Schmidt: "Solche Dreharbeiten sind ja etwas Besonderes, da fällt es uns dann schon leichter, Freiwillige zu finden." Denn für sie heißt es dann schließlich nicht: "Betreten verboten!"

Darum wird es im Film gehen

Hintergrund: Als 1940 in Frankreich der Krieg ausbricht und das Land von den Nationalsozialisten eingenommen wird, muss die jüdische Familie Mangel fliehen. Zwei Jahre später schließen sich die beiden Söhne Marcel und Simon einer Gruppe der französischen Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung an. Im Untergrund fälscht der junge Marcel zunächst Pässe. Für andere Verfolgte und auch für sich selbst. Um nicht aufzufallen, gibt er sich den in Frankreich unauffälligen Namen Marceau, den er nach Kriegsende als Erinnerung beibehalten und unter diesem als Pantomime "Bip" berühmt werden wird.

Inhalt: In dem Historiendrama wird Regisseur und Autor Jonathan Jakubowicz ("Hands Of Stone") nicht nur beleuchten, wie Marceau mit dem Widerstand in Kontakt kam, sondern auch wie er zusammen mit der Widerstandskämpferin Emma Tausende jüdische Waisenkinder von Frankreich in die Schweiz brachte und so vor den Nazis rettete.

Hauptdarsteller: Gespielt wird der junge Marcel Marceau vom amerikanischen Schauspieler Jesse Eisenberg ("The Social Network"). Matthias Schweighöfer ("Keinohrhasen") hat die zweite Hauptrolle des Antagonisten übernommen und mimt in dieser den berüchtigten SS-Kommandanten Klaus Barbie, der auch als "Schlächter von Lyon" bekannt war. Von Adolf Hitler hatte dieser den Auftrag erhalten, den französischen Wiederstand, die Résistance, zu zerschlagen. Kinostart: Bis der Film ins Kino kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Geplant ist bislang der 24. Oktober 2019.

Kein Durchkommen: An diesen Stellen wird kommende Woche in der Oberen Stadt gedreht

Sobald sich die Dreharbeiten am Film "Resistance" kommenden Montag, 22. Oktober, von der Festung Rosenberg in die Obere Stadt verlagern, wird es dort bis zum Freitag, 26. Oktober, zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen. Insbesondere für den Parkverkehr werde es zu Einschränkungen kommen, teilt die Stadt Kronach mit.

Unter anderem seien Intervallsperrungen erforderlich, was bedeutet, dass einzelne Straßenzüge im Rahmen der Dreharbeiten immer wieder für etwa 15 bis 20 Minuten gesperrt werden müssen. Anschließend sei die Durchfahrt dann wieder möglich, bis die nächsten Aufnahmen gefertigt werden.

Los geht es am Dienstag, 23. Oktober, von 18 bis 23 Uhr im Bereich des Pottugässchens, dem Strauer Torweg und der Lucas-Cranach-Straße. Am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Oktober, folgen jeweils von 8 bis 18 Uhr Dreharbeiten in der Lucas-Cranach-Straße sowie vom Melchior-Otto-Platz bis zum Bamberger Tor.

Am Donnerstag, 25. Oktober, finden von 18 bis 23 Uhr zusätzlich auch Aufnahmen im Abschnitt Strauer Straße/Strauer Torweg statt. In diesen Zeiten wird es nach Angaben der Stadt auch für den Fußgängerverkehr zu Einschränkungen kommen.

"Angespannte Parksituation"

Des Weiteren sind in der Zeit von Dienstag, 23. Oktober, bis Freitag, 26. Oktober, um 8 Uhr die Parkplätze in der unteren Lucas-Cranach-Straße, der unteren Amtsgerichtsstraße sowie am Marktplatz vor dem Rathaus nicht nutzbar. Im Bereich des Melchior-Otto-Platzes gilt am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Oktober, jeweils ganztägig ein generelles Halteverbot. Und am Donnerstag, 25. Oktober, sind zusätzlich die Parkplätze entlang der Strauer Straße und der kleine Parkplatz am Strauer Torweg ab 15 Uhr für den Rest des Tages gesperrt.

Zur Verfügung stehe dagegen zumindest teilweise der Parkplatz hinter dem Rathaus. Allerdings ist dieser wegen der Baustelle in der Festungsstraße nur aus nördlicher Richtung über die Umleitungsstrecken (von Dörfles beziehungsweise Bernsroth her kommend) anfahrbar.

"Uns ist bewusst, dass die ohnehin bereits sehr angespannte Parksituation in der Oberen Stadt dadurch noch zusätzlich verschärft wird", bittet Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) um Verständnis für die Einschränkungen.

Für Kronach sei das internationale Filmprojekt eine "tolle Werbung und ich hoffe, dass alle Bürgerinnen und Bürger den reibungslosen Ablauf der Dreharbeiten durch ihr rücksichtsvolles Verhalten unterstützen".

Kostenlose Parkscheine

Darum bat auch Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU), die sich in einem Brief an die Anwohner der Oberen Stadt wandte. Beigefügt war dem Schreiben ein Parkberechtigungsschein, der es gestattet, vom 22. bis zum 26. Oktober auf allen gebührenpflichtigen Parkplätzen kostenfrei sein Auto abzustellen - auch auf Kurzzeitparkplätzen.

Lediglich das Parken im absoluten Halteverbot und Feuerwehrzufahrten wird trotz des Scheins verständlicherweise verboten bleiben.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren