Kronach
Gesundheitswesen

Kronach: Situation an der Frankenwaldklinik verschärft sich

In einem Brief kritisieren Mitarbeiter der Helios-Frankenwaldklinik die Arbeitsbedingungen und sehen die Pflege der Patienten in Gefahr. Auch Landrat Klaus Löffler wird nun erstmals in der Öffentlichkeit mehr als deutlich.
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Die Helios-Frankenwaldklinik steht in der Diskussion - nicht zum ersten Mal. Doch nun ist eine neue Dimension erreicht. Foto: Archiv
Die Helios-Frankenwaldklinik steht in der Diskussion - nicht zum ersten Mal. Doch nun ist eine neue Dimension erreicht. Foto: Archiv

Bereits seit Wochen und Monaten schwelt in der Helios-Frankenwaldklinik die Auseinandersetzung zwischen Beschäftigten und Betriebsrat auf der einen und Geschäftsführung auf der anderen Seite. Zwischenzeitlich hat sich auch die Politik eingeschaltet. Allen voran MdL Jürgen Baumgärtner wurde nicht müde, die Ablösung von Klinik-Geschäftsführer Christian Kloeters zu fordern. Nun hat der Streit eine neue Dimension erreicht.

Auslöser ist ein Schreiben der Mitarbeiter der Station 2, die Patienten der Kardiologie und der inneren Medizin versorgt. Nicht zum ersten Mal geht es um Überbelastung der Klinikmitarbeiter, um kurzfristige Schichtumplanungen etc. Wie groß die Verzweiflung mittlerweile sein muss, belegt auch die Tatsache, dass das Gewerbeaufsichtsamt eingeschaltet wurde. Ein Kritikpunkt ist des Weiteren, dass die Klinik häufig abgemeldet ist, also in Notfällen nicht angefahren werden kann. Bereits seit Mai erfolgt deshalb an Wochenenden eine turnusmäßige Abmeldung der Notaufnahme für Herzkatheter-Patienten und deren Umleitung an benachbarte Kliniken. Dies bestätigte uns die Klinik bereits Anfang September.

Ausreichend Personal

Klinik-Geschäftsführer Kloeters beschwichtigt indes: "Bezüglich der Pflegesituation auf Station 2 dürfen wir Ihnen versichern, dass eine Unterplanung mit Pflegepersonal nicht vorliegt. Blicken wir zurück auf die vergangenen drei Monate, so sehen wir bei einer Belegung, die sich zahlenmäßig vollkommen im Normalbereich bewegt hat, auch stets eine adäquate Zuteilung von Pflegepersonal." Nicht eingerechnet seien hierbei Stationshilfepersonal, Auszubildende der Pflege und Praktikanten, die in der Regel zusätzlich zur Verfügung standen.

"Unvorhersehbare Häufungen pflegeaufwendiger Patienten und kurzfristige krankheitsbedingte Schichtumplanungen bergen allerdings natürlich jederzeit ein Potenzial für Stresssituationen und Unzufriedenheit", räumt Kloeters ein. Die Klinikverwaltung sei sich dessen bewusst und suche den aktiven Austausch mit der Belegschaft. "Wo notwendig, gehen wir gemeinsam auf Lösungssuche." Dies entspreche auch den jüngsten Hinweisen seitens des Gewerbeaufsichtsamts, dessen Vertreter keine relevanten Verstöße identifiziert hätten. "Konkrete pflegerische oder medizinische Forderungen sind seitens des Amtes nicht erhoben worden", so Kloeters.

Anpassung in Arbeitsplanung

Der Klinikgeschäftsführer verweist auf gemeinsame Gespräche, die bereits zu Anpassungen in der Arbeitsplanung geführt hätten, um eine gleichmäßigere Tätigkeitsverteilung zwischen den verschiedenen Schichten zu erreichen. Außerdem spricht Kloeters die Übernahme mehrerer neuer Pflegekräfte an, um das bestehende Team zu unterstützen. Neue Hilfsmittel zur Erleichterung der Betreuungsaufgaben seien ebenso angefragt.

"Durch die beschriebenen Maßnahmen soll kurzfristig mehr Spielraum für Patienten mit erhöhtem Betreuungsbedarf geschaffen werden", betont Christian Kloeters, der die aktuelle Beschwerde auf jeden Fall zum Anlass nehmen will, um erneut mit den betroffenen Teams der Pflege in den Austausch zu gehen.

Kein Vertrauen mehr vorhanden

Doch dies geht im Klinikbeirat vertretenen Mitgliedern wie Landrat Klaus Löffler, Jürgen Baumgärtner (beide CSU) und auch Richard Rauh (SPD) nicht weit genug. Sie werden mehr als deutlich: "Verlässlichkeit schafft Vertrauen. Und wenn diese nicht gegeben ist, dann ist auch kein Vertrauen vorhanden", betont beispielsweise der Landrat, der damit klar signalisiert, das Vertrauen in Kloeters verloren zu haben. Damit vollzieht er nun den Schulterschluss zu Baumgärtner, der die Absetzung von Kloeters fordert. Löffler erklärt, sofort auf den "Brandbrief" der Station 2 reagiert und mit einem Schreiben an die Geschäftsleitung gefordert zu haben, durch schlüssige Maßnahmen aufzuzeigen, wie derartige Situationen in Zukunft vermieden werden können.

Für den Landrat ist das Maß nun voll, nachdem man schon mehrfach auf die Problematik hingewiesen und um ein Abstellen der Probleme gebeten habe. Löffler verweist auf mittlerweile "vielfältige Vorfälle", die von Bürgern an ihn herangetragen worden seien. Deshalb könne es so nicht weitergehen. "Es geht hier um den Sicherstellungsauftrag und die Versorgungssicherheit für die Bürger. Wir brauchen eine starke Klinik", betont Löffler und spricht damit nicht zuletzt einen wichtigen Mosaikstein in der Daseinsvorsorge an.

Viel Porzellan zerschlagen

In die gleiche Kerbe schlägt auch Richard Rauh."Wir müssen aufpassen, dass nicht alles in die Brüche geht." Rauh äußert Bedenken, man könnte am Ende nur noch eine so genannte Portalklinik ohne Spezialabteilungen oder sogar überhaupt keine Klinik mehr haben. "Das schadet ja nur der Bevölkerung", sorgt sich Rauh, der sich über die klare Haltung von Landrat Löffler freut. Dass es so nicht weitergehen kann, steht auch für Rauh außer Frage: "Da ist die Kacke wirklich am Dampfen. Es wurde schon so viel Porzellan zerschlagen, das kann man nicht mehr kitten." Deshalb spricht sich auch Rauh klar gegen Kloeters aus: "Wir müssen einen Neuanfang machen, um die Klinik endlich in ein ruhiges Fahrwasser zu bekommen."

Allerdings sind sich die Beiräte im Klaren, dass sie trotz der fünfprozentigen Anteile des Landkreises kein Mitspracherecht haben. Vielmehr ist damit lediglich eine Berichtspflicht der Klinikleitung verbunden: "Wenn wir ehrlich sind, sitzen wir nur am Katzentisch", erklärt Rauh. Damit macht er deutlich, dass der Landkreis nicht eingreifen könne, sollte der Helios-Konzern, der am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar war, weiterhin an Kloeters festhalten.

"Stinkig" sind Rauh und Löffler, dass in diesem Jahr trotz vier angedachter Zusammenkünfte noch keine Beiratssitzung durchgeführt wurde. "Das Ziel sollte doch sein, miteinander zu reden", betont Rauh.

Kloeters erklärt wiederum, man befinde sich derzeit in der Terminabstimmung auf Basis mehrerer von der Klinikleitung eingereichter Vorschläge. Doch Jürgen Baumgärtner traut dem "Frieden" nicht und fährt schwere Geschütze auf: "Ich habe meinen Anwalt gebeten zu prüfen, ob wir die Durchführung einer Beiratssitzung erzwingen können."

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