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Musik

Singen im Verein - Junge Stimmen dringend gesucht

Immer weniger junge Leute singen im Verein. Walter Klose, Gruppenchorleiter der Sängergruppe Frankenwald erklärt, warum das so ist - und wie sich das ändern könnte.
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Den Gesangvereinen in der Region fehlt der Nachwuchs, sagt Walter Klose von der Sängergruppe Frankenwald (rechts).  Foto: Archiv/Deuerling
Den Gesangvereinen in der Region fehlt der Nachwuchs, sagt Walter Klose von der Sängergruppe Frankenwald (rechts). Foto: Archiv/Deuerling
Singen macht Spaß. Singen ist gut für die Gesundheit. Wer im Chor singt, stellt mit anderen gemeinsam etwas auf die Beine, macht seinen Zuhörern eine Freude und bereichert das kulturelle Leben in seiner Heimat. Alles gute Gründe, einem Gesangvereine beizutreten. Doch scheinen diese Gründe junge Leute kaum zu überzeugen. "Die rund 40 Vereine, für die ich zuständig bin, haben etwa 1000 aktive Mitglieder", erzählt Walter Klose, Gruppenchorleiter der Sängergruppe Frankenwald. "Das ist eine gute Zahl. Aber das Problem ist die Altersstruktur." Das Durchschnittsalter der Sängerinnen und Sänger schätzt Klose auf um die 60 Jahre. "Wir brauchen Nachwuchs. Dringend."


Im Alltag wird weniger gesungen

Heutzutage werde allgemein weniger gesungen, so Kloses Beobachtung.
Früher sei man häufig zusammen gekommen, um gemeinsam zu singen, heute konsumierten junge Menschen eher Musik, die durch Radio, Internet und andere Medien stets leicht verfügbar sei. Singen sei zudem, im Gegensatz zum Spielen eines Instruments, eine ganz unmittelbare Äußerung. "Viele tun sich da schwerer oder trauen sich nicht", sagt Klose. Musikschulen böten hauptsächlich Instrumentalunterricht an, kaum eine Gesang. Deswegen spielten die, die musikalisch aktiv sind, eher ein Instrument. "Aber wir wollen nicht jammern", stellt er klar. "Wir wollen die Situation erkennen und entsprechend reagieren."

Wenn junge Leute singen, dann eher in freien Chören, die sich auf Beschwingtes spezialisieren, moderne und auch englischsprachige Lieder im Repertoire haben, hat Klose beobachtet. "Der Kronacher Gospelchor etwa kommt gut an bei den Jungen." In den Gesangvereinen werde dagegen bisher hauptsächlich Traditionelles gesungen, etwa Bach, Mendelssohn oder alte Volkslieder. "Das ist natürlich auch dem Altersdurchschnitt der Mitglieder geschuldet. Deswegen wird es auch nicht einfach sein, modernes Liedgut einzuführen. Aber wir müssen uns dem öffnen, um für Jüngere interessant zu werden." Das Traditionelle soll dabei nicht aufgegeben werden. "Wir wollen eine gute Mischung."


Kinder singen ohne Hemmungen

Ganz wichtig sei, so Klose, die Begeisterung fürs Singen früh zu wecken. "Kleine Kinder singen noch völlig ohne Hemmungen. Wenn ihnen das Singen selbstverständlich wird, haben sie auch als Jugendliche und Erwachsene keine Scheu vor anderen zu singen." Seit über zehn Jahren gibt es deshalb das Felix-Programm des Deutschen Chorverbandes, das Singen in Kitas fördert und gute Gesangspraxis auszeichnet. "Dabei geht es darum, dass zunächst einmal täglich gesungen wird", erklärt Klose, Felix-Beauftragter für die Region. "Dann ist die Tonlage wichtig. Um der kindlichen Stimmlage zu entsprechen, muss möglichst hoch gesungen werden." Außerdem sollte das Repertoire kindgerechte Lieder unterschiedlicher Art und aus unterschiedlichen Kulturkreisen umfassen. "Frère Jacques oder ein afrikanisches oder chinesisches Lied, das macht Kindern immer Spaß", so Klose. "Es sollen auch Tanz- und Bewegungslieder dabei sein, um das Rhythmusgefühl zu fördern." Die erlernten Lieder sollen zudem bei Festen und Veranstaltungen aufgeführt werden.

Erfüllt ein Kindergarten die Kriterien, bekommt er eine Plakette mit dem Maskottchen und Namensgeber, dem Spatz Felix, verliehen, die drei Jahre gültig ist. "Die Arbeit in den Kindergärten ist der Grundstein für unsere Nachwuchsarbeit", so Klose. Wichtig wäre allerdings, eine Brücke vom Kindergarten zu den weiterführenden Schulen, beziehungsweise zum Erwachsenenalter zu schlagen. "Da hakt es leider. In Grundschulen wird meist nur wenig gesungen, es gibt wenig Schulchöre." Das liege unter anderem daran, dass Grundschul-Lehramtsstudenten heute zwischen Musik, Sport und Kunst wählen könnten, statt alle drei Bereiche abdecken zu müssen. "Viele junge Leute wählen dann lieber Sport, so dass Lehrer fehlen, die einen Chor leiten könnten."


Windheim plant Zusammenarbeit

Ein Ausweg aus diesem Fachkräftemangel könnte eine Kooperation zwischen Schulen und Gesangvereinen sein, wie sie etwa in Windheim geplant ist. "Wir haben dort einen ganz starken Verein. Der hatte die Idee, einen Chor an der Grundschule zu gründen und diesen auch zu leiten. Der Schulleiter steht hinter dem Projekt." Zum kommenden Schuljahr soll sich der Chor zusammen finden.

Es gibt zudem weitere Ideen. "Vorstellbar wäre, Singklassen, analog zu den Bläserklassen, die es an einigen Schulen bereits gibt, einzurichten, in denen mehr Singstunden als im Lehrplan vorgesehen angeboten werden", erklärt Klose. "Wir arbeiten auch an der Idee, Felix an Grundschulen durchzuführen." Dies sei alles noch in der Planungsphase. "Aber wir müssen dran bleiben." Denn auch wenn die Einführung von Felix noch keine Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen der Gesangsvereine hatte: "Es ist ein Nährboden", ist sich Klose sicher.

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