Kronach
Polizei

Sicherheitswacht: Wie Bürger im Kreis Kronach die Polizei unterstützen können

Seit 13 Jahren übernehmen ehrenamtliche Helfer der sogenannten Sicherheitswacht in Kronach, Küps und Weißenbrunn für die Polizei in manchen Gegenden Patrouillen - bald womöglich auch in anderen Gemeinden des Landkreises.
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Unter anderem ein Wappen am Ärmel und ein blaues Polohemd weisen die Sicherheitswacht als staatliche Einrichtung aus. Symbolbild: Archiv/Ralf Ruppert
Unter anderem ein Wappen am Ärmel und ein blaues Polohemd weisen die Sicherheitswacht als staatliche Einrichtung aus. Symbolbild: Archiv/Ralf Ruppert
Nach gut dreieinhalb Jahren ist es soweit. Aus Sandstein und Granitpflaster hat Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände eine Friedenskapelle errichten lassen. Auf einen Einbau hätte er dabei liebend gerne verzichtet: Gittertüren. Die seien aber leider nötig gewesen, da manche Gruppen auf dem LGS-Gelände immer wieder über die Stränge schlagen.

Die Folge sind dann Polizeiberichte, die Sachbeschädigungen, Schlägereien oder heftige Auseinandersetzungen in diesem Bereich vermelden. Um weniger Einträge wie solche an die Medien mitteilen zu müssen, setzt die Polizeiinspektion Kronach auf die Unterstützung der sogenannten Sicherheitswacht - eine Art freiwilliger Polizeidienst, der ehrenamtlich ausgeübt wird.
Unterstellt sind die Mitglieder des Dienstes allerdings direkt der Polizei, die diesen in bestimmten Bereichen patrouillieren lässt. "Wir haben durch die Sicherheitswacht schon viele Hinweise bekommen", erzählt Gerhard Anders, Pressesprecher der Polizeiinspektion Kronach. "Gerade wenn wir einen unserer ,alten Bekannten‘ suchen, können sie uns oft sagen, wo er sich gerade aufhält."

Der Vorschlag, die Polizei auf diese Art zu entlasten und an bestimmten Brennpunkten verstärkt Präsenz zu zeigen, sei 2005 von den Kommunen gekommen, erinnert sich Dieter Krapp vom Kronacher Ordnungsamt an das Jahr 2005. Der Stadtgraben, der Bahnhof und später das LGS-Gelände seien damals besonders beliebte Orte bei Gruppen gewesen, die in größerem Maße Alkohol konsumierten und dabei nicht immer friedlich blieben. "Da hat man dann überlegt, was man dagegen tun kann und sich an anderen Städten orientiert, die bereits eine Sicherheitswacht hatten", weiß Krapp.


Die Lösung: ein Verbund

Um auch die nötige Einwohnerzahl vorweisen zu können, damit der Freistaat zustimmt, einen solchen Dienst zu gründen, schlossen sich Kronach sowie die Gemeinden Küps und Weißenbrunn zu einem Verbund zusammen, in dem die inzwischen acht Ehrenamtlichen eingesetzt werden. "Die Streifenfahrzeuge können ja nicht zu jeder Zeit überall sein. Daher ist es schon gut, wenn man zusätzlich Leute rumschickt", meint Krapp. "Wichtig ist für uns, dass wir für die Bürger das maximal Mögliche tun. Dass auch abends und in den Nachtstunden die Sicherheit gewährleistet ist."

Auf dem LGS-Gelände ist es für die Polizei trotz der ehrenamtlichen Unterstützung nicht leicht, das längs der Haßlach und der Rodach gelegene und teilweise nicht an Wohngebiete grenzende Bereich zu kontrollieren. Einerseits aufgrund der Fläche, andererseits wegen einiger schwer einsehbarer Ecken. Erschreckend bewusst wurde das erst wieder vergangenen Donnerstag, als ein 35-Jähriger versuchte, eine zufällig vorbeilaufende 18-Jährige zu vergewaltigen. Verhindert wurde dies glücklicherweise durch das beherzte Einschreiten einer Zeugin (wir berichteten).

Die Polizei hat daher entschieden, auch ihre eigenen Streiffahrten im Bereich der LGS noch einmal zu intensivieren. Denn die ehrenamtlichen Polizisten sind zwar mehrmals in der Woche jeweils drei Stunden unterwegs - allerdings im gesamten Kronacher Stadtgebiet.


Ein Erziehungseffekt

Dennoch habe sich die Sicherheitslage in den nun 13 Jahren, in denen es die Wacht gibt, in der Lucas-Cranach-Stadt verbessert, ist Polizist Matthias Rebhan überzeugt. "Vom Gefühl her sind die Brennpunkte nicht mehr so extrem besucht wie damals", sagt der Dienstgruppenleiter. "Ich weiß aus Gesprächen mit den Mitarbeitern der Sicherheitswacht, dass dort, wo sie auftauchen, schon Obacht gegeben wird."

Einer ähnlichen Ansicht ist auch Dieter Krapp. Er gehe schon davon aus, dass es "einen gewissen Erziehungseffekt hat, wenn man weiß, dass es Kontrollen gibt. In welcher Form auch immer".
Hat die Polizei das Gefühl, dass sich an einer bestimmten Stelle Vorkommnisse häufen, schickt sie bewusst die Sicherheitswacht an diesen Punkten vorbei. "Da sagen wir ihnen dann, dass sie einfach mal Präsenz zeigen und Personalien aufnehmen sollen", sagt Anders. "Das stärkt das Sicherheitsgefühl und hat auch eine abschreckende Wirkung."
Die Rundgänge der ehrenamtlichen Polizeihelfer könnten sich allerdings bald erweitern. Im Frühjahr hat die Polizei alle Gemeinden des Landkreises angeschrieben und sie über die Möglichkeit informiert. Gibt es einen Beschluss des Stadt- oder Gemeinderats, könnte es sofort losgehen.


Sieben Fragen und Antworten rund um die bayerische Sicherheitswacht

Woran sind Mitglieder der Sicherheitswacht zu erkennen?
Sie tragen ein blaues Poloshirt sowie eine blaue Einsatzjacke mit der Aufschrift "Sicherheitswacht", manche auch eine Armbinde. Wer von ihnen kontrolliert wird, hat das Recht, sich den Bedienstetenausweis zeigen zu lassen - allerdings nur dann, wenn dadurch der Einsatz nicht gefährdet wird.

Mit welcher Ausrüstung sind sie unterwegs?
Anders als ausgebildete Polizisten dürfen die Ehrenamtlichen keine Schuss-, Hieb- oder Stoßwaffen mit sich führen. Ausgestattet sind sie mit einem Funkgerät, um im Zweifelsfall eine Polizeistreife zu rufen, sowie Reizgasspray, falls sie sich verteidigen müssen.

Welche Befugnisse hat die Sicherheitswacht?
"Grundsätzlich haben sie das Jedermannsrecht", erklärt Jürgen Stadter, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberfranken. So wie jeder Bürger dürfen auch die Mitglieder der Sicherheitswacht im Ernstfall eine Person festhalten, bis eine Polizeistreife vor Ort ist. "Außerdem dürfen sie Personalien aufnehmen und Personen nach Wahrnehmungen befragen", so Stadter. Durchsuchungen hingegen nicht. "Wenn für sie körperliche Gefahr besteht, halten sie sich im Hintergrund und rufen per Funk den nächsten Streifenwagen", betont Matthias Rebhan von der Kronacher Polizeiinspektion.

Wer trägt die Kosten?
Acht Euro pro Stunde beträgt derzeit die Aufwandsentschädigung. Finanziert wird dies inzwischen komplett vom Freistaat. "Bis letztes Jahr haben wir noch die Fahrtkosten bezahlt, aber das waren im Quartal vielleicht gerade einmal 20 Euro", sagt Dieter Krapp vom Kronacher Ordnungsamt. "Die hat der Freistaat mittlerweile aber auch übernommen."

Wo können sich Interessenten bewerben?
Wer in die Sicherheitswacht eintreten will, muss sich schriftlich bei der Kronacher Polizeiinspektion bewerben.

Welche Voraussetzungen gibt es?
Wer sich bei der Sicherheitswacht engagieren möchte, muss zwischen 18 und und 62 Jahren alt sein. Nachweisen müssen Bewerber neben einer abgeschlossenen Schul- oder Berufsausbildung zudem, dass sie eine ausreichende Seh- und Hörfähigkeit besitzen und unter keiner ansteckenden Krankheit leiden.

Was wird in der Ausbildung vermittelt?
Für die Ausbildung zuständig sind Beamte der örtlichen Polizeiinspektion. "Dort werden sie in rechtlicher Hinsicht geschult und in die Technik eingewiesen", erklärt Jürgen Stadter. "Zudem erhalten sie ein Kommunikationstraining, um Situationen lösen zu können." Vermittelt wird auch, wie Meldungen per Funk abgesetzt und einfache schriftliche Berichte verfasst werden.


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