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Kronach
Ausstellung

Sechs Schatten, sechs Schicksale in Kronach

Eine Wanderausstellung in der Lorenz-Kaim-Schule in Kronach rückt sechs junge Menschen in den Blickpunkt, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen.
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Thomas Dill (rechts) vom ADAC Nordbayern führte in die Ausstellung ein.Heike Schülein
Thomas Dill (rechts) vom ADAC Nordbayern führte in die Ausstellung ein.Heike Schülein
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"Ich habe mich überschätzt!" - Benni war eine Frohnatur; aktiv in allem, kannte kaum Ruhe, pendelnd zwischen Schule, Sport, Familie, Musik und Freunden. Immer so, als hätte er keine Zeit zu verlieren. Auf dem Heimweg nach zwei actiongeladenen Tagen schläft er nachts am Steuer seines Autos ein, prallt gegen einen Baum und verstirbt wenige Stunden später im Krankenhaus. Benni wurde 19 Jahre alt.

Sein Schicksal und das fünf weiterer junger Menschen, die bei Verkehrsunfällen als Fahrer oder Beifahrer, mit dem Moped oder Auto, selbst verursacht oder durch Fremdverschulden tödlich verletzt wurden, nimmt die ADAC-Wanderausstellung "Schatten - Ich wollte doch leben!" in den Blick. Im Mittelpunkt stehen sechs lebensgroße, geschwärzte Figuren. Bewegende Texte erzählen vom Unfallhergang sowie persönliche Hintergründe. Sie sollen Gleichaltrige vor einem ähnlichen Schicksal warnen. Seit Dienstag sind die Silhouetten im ersten Stock der Kronacher Berufsschule zu sehen, um wachzurütteln.

"Mit der Ausstellung möchte der ADAC auf das erhöhte Risiko, dem Fahranfänger ausgesetzt sind, aufmerksam machen und das Bewusstsein für eine sichere, umsichtige und defensive Fahrweise stärken", betonte Thomas Dill, Vorstandsmitglied Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Nordbayern. Das Risiko, im Alter von 18 bis 24 Jahren einen Unfall zu verursachen, daran beteiligt zu sein oder zu verunglücken, sei enorm hoch. "Insbesondere kurz nach Bestehen des Führerscheins hat man noch nicht viel Fahrpraxis, überschätzt manchmal sein eigenes Können und ist vielleicht leichtsinnig oder unvorsichtig", mahnte er.

Ein ganzer Kinosaal

In Deutschland sei 2018 ein ganzer Kinosaal voll junger Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen - 364 junge Männer und Frauen! Fast zwei Drittel der selbst verursachten Unfälle, bei denen Fahranfänger tödlich verunglückten, geschahen, weil diese die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren - aufgrund unangepasster Fahrweise und Geschwindigkeit oder eines zu geringen Abstands zum Vordermann.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial breite sich immer mehr aus: Ablenkung im Straßenverkehr. Gedankenloses Tippen am Smartphone während der Fahrt berge besonders große Gefahren und zähle heute zu den häufigsten Ursachen schwerer Verkehrsunfälle. "Bereits zwei Sekunden Ablenkung bei 50 km/h bedeutet nahezu 28 Meter im Blindflug", verdeutlichte er, dass ein einziger, kurzer Moment der Ablenkung katastrophale Folgen haben könne. Studien gehen davon aus, dass mittlerweile mehr Menschen im Straßenverkehr durch Ablenkung getötet werden als durch Alkohol. Deshalb gelte neben "Don't drink and drive" auch "Don't text and drive". Vom Tod eines jungen Menschen seien rund 250 Personen betroffen - von den Rettern bis hin zu Freunden und Angehörigen.

Viel Lob für die bewegende Ausstellung fanden stellvertretender Landrat Gerhard Wunder und Polizeioberrat Markus Welisch von der Polizeiinspektion Kronach. Laut Welisch waren im Einsatzgebiet der Polizeiinspektion Kronach im vergangenen Jahr junge Leute an 208 Verkehrsunfällen beteiligt. Glücklicherweise gab es keine Todesfälle; aber acht Schwerverletzte und 39 Leichtverletzte. In 69 Fällen waren sie die Hauptunfallverursacher. Die Gründe seien zu hohe Geschwindigkeit, mangelnder Abstand, die Ablenkung mit dem Handy, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Übermüdung gewesen. Rund 100 der Verunfallten waren alkoholisiert; 40 standen unter Drogeneinfluss.

"Anders als in Ballungszentren sind bei uns junge Leute auf das eigene Fahrzeug angewiesen, um zum Ausbildungsbetrieb zu kommen und auch in der Freizeit", erklärte Direktor Rudolf Schirmer, der die vielen Ehrengäste zur Ausstellungseröffnung willkommen geheißen hatte.

Die Ehrengäste sowie die bei der Eröffnung anwesenden Azubis zeigten sich bewegt von der von Marlene Schlund konzipierten Ausstellung - so auch Lukas Lorber, Azubi zum Mechatroniker mit Fachhochschulreife im zweiten Lehrjahr. Ein Bekannter von ihm starb mit 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall. "Seitdem mache ich mir mehr Gedanken als vorher, rücksichtsvoller, bewusster und passiver zu fahren", räumt er ein. Der 18-Jährige stammt aus Oberküps bei Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels. Sein Auto braucht er, um zur Schule und zum Arbeitsplatz zu kommen als auch in der Freizeit. "Wir machen immer aus, wer nichts trinkt", betont er.

In Kronach verbleibt die Ausstellung bis zum Freitag, 21. Februar.