Kronach
Struktur

Schützen sind offen für Gespräche: Mögliche Allianz für Stadthalle

Mit einem Neubau auf dem Schützengelände die Idee einer Stadthalle verwirklichen - davon könnten viele Akteure profitieren. Die Schützen wollen offen sein für Diskussionen. Ihre eigenen Interessen spielen dabei eine zentrale Rolle.
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Stadthalle statt Schützenhaus - die Schützen lehnen einen Ersatzneubau auf dem Schützenplatz nicht grundsätzlich ab.  Foto: Anna-Lena Deuerling
Stadthalle statt Schützenhaus - die Schützen lehnen einen Ersatzneubau auf dem Schützenplatz nicht grundsätzlich ab. Foto: Anna-Lena Deuerling
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Als "Befürworter" einer Stadthalle will sich Frank Jungkunz nicht titulieren lassen. In seiner letzten Jahreshauptversammlung als Schützenmeister habe er vor allem eines anstoßen wollen: Eine offene Diskussion im Verein. "Es lohnt sich, darüber nachzudenken", sagt er am Freitag. "Es gibt keine Denkverbote. Alles was Sinn macht, muss gemacht werden dürfen."

Er bringt damit wieder ein Thema auf den Tisch, das Anfang 2018 vom Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) angestoßen wurde:Eine Stadthalle für Kronach, die damals für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hatte. Als geeigneter Platz für das Vorhaben hatte sich schnell das Gelände der Schützengesellschaft hervorgetan. Bereits damals hatte Jungkunz signalisiert, dass die Schützen als Eigentümer des Grundstücks offen für Vorschläge und Gespräche seien. "Ich freue mich, dass die Schützen dieser Idee aufgeschlossen gegenüberstehen", sagt Baumgärtner dazu. Um Lösungen auf den Weg zu bringen, müsse man Interessen vieler bündeln.

Neue Schießanlage

Die Interessen der Schützen kann man aus dem Protokoll der Hauptversammlung herauslesen: Sie wollen mittelfristig die Renovierung ihrer Schießanlage in Angriff nehmen. Es gebe bereits einen ersten Entwurf und eine erste Kostenschätzung, erklärt der neu gewählte Schützenmeister Jörg Schnitzler.

Dabei handele sich aber um eine "Maximallösung". Kostenfaktor: 4,5 Millionen Euro. "Das würde den finanziellen Rahmen des Vereins natürlich völlig sprengen."

Es bestünde die Möglichkeit, alles modular - also nach und nach - zu bauen oder sich eben mit einer "abgespeckten Variante" zufriedenzugeben. Um die Situation bewerten zu können, stünden aber auch noch Entscheidungen zu Fördermitteln aus.

Über diese Herausforderungen der Kronacher Schützen ist der Abgeordnete Baumgärtner im Bilde. Eine realistische Chance, ihre Pläne umsetzen zu können, sehe er nur, wenn man an einem Strang ziehe. Und gemeinsam einen Ersatzneubau auf dem Schützenplatz forciere. "Das ist am Ende eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten." Und die Liste all derer, die von dem Projekt profitieren könnten, sei lang. Schließlich soll hier, wenn es nach Baumgärtner geht, eine multifunktionale Stadthalle entstehen.

Die Seniorengemeinschaft könnte den barrierefreien Bau als Begegnungsstätte nutzen. Wirtschaft und Politik stünden die Räumlichkeiten für Tagungen zur Verfügung. Verbände und Vereine hätten einen Veranstaltungsraum mit moderner Technik. Für die Jugend könnte so künftig mit regelmäßigen Konzerten mehr geboten werden - der Neubau für den nötigen Lärmschutz im Sinne der Anwohner sorgen.

Dabei müsse man nachhaltig und bedarfsgerecht planen und bauen, betont Baumgärtner. "Ich habe nicht die Absicht, die Olympiahalle in Kronach zu bauen." Dass Bedarf da sein, lasse sich nicht wegdiskutieren. "Wenn das Schützenhaus im tipptopp Zustand wäre, müsste man das nicht machen", sagt Baumgärtner.

Haus mit Tradition

Dass das Gebäude in die Jahre gekommen ist, will auch Schnitzler nicht leugnen. Er gibt aber zu bedenken, dass das 100 Jahre alte Heim mit Tradition verbunden ist. "Es hat eben das besondere Flair, was eine nüchterne Halle nicht zu bieten hätte." Und bei einem Großprojekt wie diesem spielten immer auch übergeordnete Interessen eine Rolle - vieles sei abzuwägen und ohne die Zustimmung der Vereinsmitglieder könne ohnehin nichts entschieden werden.

"Wir wollen auf keinen Fall vorschnell abblocken", bleibt Schnitzler aber diplomatisch. "Die Idee ist weder bei uns ausgereift noch in den Gremien diskutiert worden." Erst wenn alles zu Ende gedacht sei, könne man sich eine abschließende Meinung bilden.

Einig sind sich Schnitzler und Baumgärtner in einem Punkt: Vor allen Beteiligten liegt noch ein langer Weg. Baumgärtner spricht von einem "zarten Pflänzchen" und betont: "Das wird nicht morgen passieren - aber mittel- und langfristig brauchen wir diese Halle."

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