Ludwigsstadt
Tradition

Schützen fahren zum Oktoberfest

Die Privilegierte Schützengesellschaft 1612 Ludwigsstadt vertritt den Bezirk Oberfranken beim Umzug zum Oktoberfest. Das liegt daran, weil Sarah Lipfert die amtierende Landesschützenkönigin mit der Luftpistole ist.
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Sarah Lipfert beim diesjährigen Ludwigsstädter Vogelschießen mit (von links) Erstem Schützenmeister Johannes Haase, Bezirksschützenmeister Alexander Hummel und Gauschützenmeister Klaus Jensch.  Foto: Florian Bauer
Sarah Lipfert beim diesjährigen Ludwigsstädter Vogelschießen mit (von links) Erstem Schützenmeister Johannes Haase, Bezirksschützenmeister Alexander Hummel und Gauschützenmeister Klaus Jensch. Foto: Florian Bauer
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Es ist ein einmaliges, farbenprächtiges Bild und ein gelebtes Stück Brauchtum, Tradition und Heimatliebe, das sich am morgigen Sonntag den unzähligen Zuschauern in der bayerischen Landeshauptstadt wieder bieten wird: Der seit 1950 alljährlich immer am ersten Wiesn-Sonntag stattfindende Trachten- und Schützenzug gilt als einer der größten und schönsten der Welt und ist gleichzeitig ein echt bayerisches Ereignis mit einer königlichen Geschichte.

An die 9000 festlich gekleideten Mitwirkenden ziehen dabei Jahr für Jahr in 60 Zugnummern feierlich durch die Münchner Innenstadt zur Theresienwiese. Teilnehmer am rund zweistündigen Ereignis sind Trachtenvereine, Sport- und Gebirgsschützen, Spielmannszüge und Musikkapellen aus der ganzen Welt. Unter ihnen ist heuer auch die Privilegierte Schützengesellschaft 1612 Ludwigsstadt, die mit 80 Umzugsteilnehmern - 45 Männern und 35 Frauen - laut Marschplan die stärkste Vereinsabordnung der Schützen des diesjährigen Spektakels bildet.

Sieg mit 65,8-Teiler

Die Freude war groß, als im vergangenen Jahr nach dem Abschluss des Oktoberfest-Landesschießens die Nachricht im Hause Lipfert einging, dass die neue Landesschützenkönigin mit der Luftpistole aus Ludwigsstadt kommt. Mit einem grandiosen 65,8-Teiler hatte sich Sarah Lipfert unter insgesamt 1053 Luftpistolen-Schützen diesen Titel gesichert. Schon bei der Deutschen Meisterschaft 2018 hatte die Schützin mit der Luftpistole einen sehr guten 23. Platz mit 370 Ringen errungen. Die Schützengesellschaft ist sehr stolz auf diesen bislang in der Vereinsgeschichte einmaligen und sich wahrscheinlich auch nicht mehr wiederholenden Landesschützen-Titel.

Bereits bei ihrer Königsproklamation 2018 hatte man die Bewerbung für die Umzugsteilnahme an Bezirksschützenmeister Alexander Hummel abgegeben; ist doch pro Jahr nur ein Verein als Vertreter für den Schützenbezirk Oberfranken dabei. Die Freude, dass man berücksichtigt wurde, ist riesig - bei den Schützen wie auch bei der amtierenden "Majestät", die auf ein erlebnisreiches Jahr mit vielen unvergesslichen Momenten und Begegnungen zurückblicken kann.

"Ich schaue dem Umzug mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Zum einen ist es schade, dass dieses eindrucksvolle Königsjahr zu Ende geht. Auf der anderen Seite bildet der Oktoberfest-Umzug einen krönenden Abschluss, auf den ich mich sehr freue", erzählt die Ludwigsstädterin.

Besonders dankbar zeigt sich die Studentin des Finanzwesens, dass sie von so vielen Mitgliedern aus ihrem Heimatverein begleitet wird. Es sei nicht selbstverständlich, dass gleich zwei Busse führen und man die größte Abordnung im Schützenblock bilde. "Es war auch nicht selbstverständlich, dass mich zu meiner Proklamation im Oktober letzten Jahres spontan unser Schützenmeister Johannes Haase mit einer Fahnen-Abordnung nach München begleitet hat und mir daheim ein unglaublicher Empfang bereitet wurde", erinnert sie sich voller Freude. Die Schützendamen hätten sich dabei nicht nur um diesen Empfang gekümmert, sondern ihr nunmehr auch am Freitag beim Binden der Winksträuße für den Umzug geholfen. Zudem haben sich die Frauen extra für das Oktoberfest neue Dirndlschürzen designen lassen.

Strenge Richtlinien

Erforderlich war dies aufgrund strenger Richtlinien für die Umzugsteilnahme, inklusive einer geregelten Kleiderordnung. Ohne einheitliches Outfit hätte man nicht am Umzug teilnehmen dürfen. Erstmals hatten die Damen ihre neuen Schürzen beim diesjährigen Ludwigsstädter Vogelschießen vorgeführt. Doch nicht nur sie haben sich herausgeputzt, auch einige männliche Schützen haben sich für den Anlass extra neu eingekleidet beziehungsweise erstmals einen Schützenanzug gekauft. Wegen der strengen Regularien hat sich die Schützengesellschaft akribisch auf den Umzug vorbereitet, bei dem sie zuletzt 1997 vertreten war.

Der Trip in die bayerische Landeshauptstadt beginnt für die Ludwigsstädter bereits am Sonntagfrüh um 2.45 Uhr mit der Busabfahrt. Im München angekommen, heißt es dann um 9 Uhr Aufstellung beziehen und warten, bis um 10 Uhr das "Münchner Kindl" den über zweistündigen Umzug auf die rund sieben Kilometer lange Strecke von der Maximilianstraße hinaus zur Theresienwiese starten wird. Neben den Prachtgespannen der Münchner Brauereien nehmen mehr als 40 festlich geschmückte Festwagen und Kutschen teil. Im Anschluss sind für die Ludwigsstädter Abordnung Plätze im Schützenzelt auf der Wiesn reserviert.

"Mein Königsjahr begann mit einer unvergesslichen Proklamation vor der Bavaria", so Sarah Lipfert, "und endet nun mit dem einmaligen Erlebnis, die bayerischen Luftpistolenschützen bei dem Zug durch München repräsentieren zu dürfen. Mit meinem Verein hinter mir!"

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