Kronach
Unser Thema der Woche // Mut & Courage

Schülerprojekt am FWG: Sie trauen sich, Mut zu machen

Am Frankenwald-Gymnasium Kronach gibt es seit Jahren eine Gruppe, die sich mit couragierten Aktionen und Projekten in den Blickpunkt rückt. Die Acht- bis Zwölftklässler greifen dafür schwierige Themen auf.
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Die Mutmacher vom Frankenwald-Gymnasium Kronach planen ihre nächste Aktion (v. l.): Hanna Schmidt, Anna Pfadenhauer, Jessica Kisiala, Mette Rädisch, Jonathan Hauck, Jule Ditsche, Hannah Angles und Franziska Lang. Foto: Marco Meißner
Die Mutmacher vom Frankenwald-Gymnasium Kronach planen ihre nächste Aktion (v. l.): Hanna Schmidt, Anna Pfadenhauer, Jessica Kisiala, Mette Rädisch, Jonathan Hauck, Jule Ditsche, Hannah Angles und Franziska Lang. Foto: Marco Meißner
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Am Anfang standen sie für eine "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", heute machen sie Mut, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und Position zu beziehen. Die Rede ist von den "Mutmachern". Das sind rund 15 Schüler des Frankenwald-Gymnasiums Kronach, die eine Idee weitertragen, deren Ursprung rund zehn Jahre zurückliegt.

Die Gesichter der Schüler sind inzwischen natürlich andere als damals um 2009/2010. Die ersten "Mutmacher" stehen längst im Berufsleben, doch an Nachfolgern fehlte es am Gymnasium nie.

Augen auf für Probleme

In der Gruppe dreht sich's darum, couragiert durch den Alltag zu gehen, andere auf diesen Weg zu bringen und auch schwierige Themen in den Blickpunkt zu rücken. Die Schüler wollen für Zivilcourage stehen und sich gegen Ausgrenzung stark machen. "Es macht auch uns als Lehrern Mut, wenn Engagement über den Unterricht hinaus gezeigt wird", sagt der stellvertretende Schulleiter Matthias Schneider im Kreis der Mutmacher. Diese Einsatzfreude kann sein Kollege Matthias Simon nur bestätigen. Denn ihre Aufgabe fordert die Jugendlichen auch in der Freizeit.

Die Schüler und Lehrer erzählen von Treffen an Nachmittagen, von Schulungswochenenden und von "Hausaufgaben" abseits der Zusammenkünfte. Trotz dieser Zusatzbelastung scheinen sie ihrer Aufgabe nicht müde zu sein. Und der Schritt in die altersmäßig sehr heterogene Gruppe - sie umfasst Acht- bis Zwölftklässler - fiel ihnen offenbar nicht schwer, wie die strahlenden Gesichter rings um den Tisch vermuten lassen. Viele der Jugendlichen wurden von den Lehrern als gut geeignete Kandidaten für eine solche Aufgabe angesprochen, andere hatten auch selbst den Antrieb, sich auf diese Weise in sozialen Fragen zu engagieren.

"Eigentlich gab's da kein Problem", erinnert sich Jonathan, dessen große Schwester schon an Bord war, an seinen Einstieg. "Warum gerade ich? Was kommt da auf uns zu?", hatte sich Mette gedacht, als sie angesprochen wurde, ob sie nicht Mutmacherin werden möchte. Bereut hat sie ihren Schritt am Ende nicht. Wie die anderen fand auch sie es letztlich nicht schwer, sich in die Gruppen einzugliedern - und dort aktiv mitzuwirken. Denn Däumchendrehen zählt für Mutmacher nicht. "Die Impulse, was man machen kann, kommen von den Schülern", betont Simon. Und Schneider ergänzt, dass es bei den jungen Leuten nicht an Initiative mangelt: "Ich habe die Schüler als ,Überzeugungstäter‘ kennengelernt."

Von Anfang an machte es sich die Gruppe bei der Themenwahl nicht leicht. Ein Höhepunkt: Die Ausstellung "Menschen - Flucht, Vertreibung, Heimat" im Jahr 2016. Sie schaffte es bis in den Landtag - gemeinsam mit den Schülern. "Das war für mich das Schönste. Das war schon etwas anderes, als die Ausstellung ,nur‘ in der Schule vorzustellen", erinnert sich Hanna. Ihre Fast-Namensvetterin Hannah denkt besonders gerne daran, dass damals alle Mutmacher mitfahren durften und nicht nur drei oder vier Stellvertreter. So ein Gemeinschaftserlebnis schweiße noch mehr zusammen.

Die Gruppe gibt mit solchen Aktionen allerdings nicht nur ihren Mitmenschen Denkanstöße, sondern sie nimmt auch viel für sich und das spätere Leben mit. Die Lehrkräfte sprechen von Netzwerken, die sich bilden. Von prägenden Gesprächen abseits des bloßen Lernens aus Büchern. Und von einer besonderen Bindung, die zwischen den Beteiligten entsteht.

Auch in diesem Schuljahr haben sich die Gymnasiasten wieder einer spannenden Aufgabe angenommen. Momentan arbeiten sie an Tafeln für eine Kooperationsausstellung mit der Kolpingsfamilie, die sie noch bis zu den Sommerferien fertigstellen wollen. Später wird die Ausstellung in der Schule gezeigt. Anschließend soll sie auf Wanderschaft gehen. Ob dann der Arbeitstitel "Sackgasse Extremismus - bitte wenden!" noch Bestand haben wird, wissen Lehrer und Schüler noch nicht. Was sie aber wissen: Sie wollen Mut zeigen und ihren Mitmenschen Mut machen, sich mit diesem brisanten Thema auseinanderzusetzen.

Das Thema "Mut an der Schule" kann nicht isoliert betrachtet werden

Was fällt Anna Jungkunz zum Thema "Mut an der Schule" ein? In erster Linie, dass man dabei nicht nur über Mut sprechen darf. Für die Schulpsychologin des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums (KZG) steht fest, dass Mut und Courage wichtige Bausteine im Schulleben sind - aber sie sind untrennbar mit anderen Begriffen verbunden: Toleranz, Akzeptanz, Wertschätzung, Gemeinschaft oder Integration.

Das Zusammenspiel dieser Aspekte ermögliche erst ein angstfreies Klima. "Man muss den Schülern beibringen, wie sie mit Konflikten umgehen können, wenn sie auftauchen. Und Konflikte gehören nun mal zum Leben dazu", meint Anna Jungkunz.

Am KZG gebe es deshalb auf allen Ebenen Anlaufstellen - auch auf Augenhöhe der Schüler. Als Beispiel nennt die Schulpsychologin die Tutoren. So bestehe in jeder Situation die Möglichkeit, einen passenden Ansprechpartner mit ins Boot zu holen. Probleme könnten auf diese Weise deeskalierend und präventiv angegangen werden, damit "sie sich nicht hochschaukeln". Stattdessen wird eine positive Spirale in Gang gesetzt; gute Erfahrungen in der Gemeinschaft lassen Selbstbewusstsein, Toleranz und somit Mut beim Einzelnen wachsen. Eine Bestätigung dafür sieht Anna Jungkunz nicht zuletzt in einem blinden Schüler, der heuer sein Abitur geschafft hat. "Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was er uns gegeben hat, aber auch darauf, wie die Mitschüler ihn begleitet haben." Eine andere Angstsituation kann sich außerhalb der Schule aufbauen: Notendruck im Elternhaus. "Die allermeisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind", ist Anna Jungkunz überzeugt. Kommt es dann doch zu Problemen, liegt das ihrer Erfahrung nach oft an einer unterschiedlichen Wahrnehmung. Gut gemeinte Worte der Erwachsenen werden vom Kind mitunter ganz anders aufgefasst. Ein klärendes Gespräch kann dann oft eine schnelle Annäherung herbeiführen. "Die meisten dieser Gespräche verlaufen sehr konstruktiv", erzählt die Lehrerin.

Doch wie erkennen Eltern ("Sie sind die Profis für ihr Kind!") generell, wenn der Nachwuchs in eine Angstsituation gerät? "Das Kind zieht sich zurück, die Verhaltensweisen ändern sich", nennt die Schulpsychologin typische Anzeichen. Dann heißt es, sich auszusprechen. Führt das nicht zum Erfolg, sollte der nächste Schritt zu neutralen Personen führen. Zu Tutoren, Lehrern oder eben zur Schulpsychologin.

"Das Angebot wird immer besser angenommen", freut sich Anna Jungkunz, dass es heutzutage offenbar keine große Hemmschwelle mehr vor ihrer Tätigkeit gibt. Und das sei berechtigt. Schließlich gelte: "Wenn ich Schnupfen habe, gehe ich ja auch zum Arzt." Und dafür braucht es nicht einmal großen Mut.

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