Kronach
Klimaschutz

"Schöne Grüße nach Berlin"

Nachdem bereits die Schüler im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung in Kronach auf die Straße gegangen sind, marschierten am Freitag Jung und Alt gemeinsam durch die Innenstadt, um ein Zeichen in Richtung Hauptstadt zu setzen.
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Schüler, Studenten, Familien und Senioren sind am Freitag gemeinsam für den Klimaschutz durch die Kronacher Innenstadt marschiert.  Fotos: Sandra Hackenberg
Schüler, Studenten, Familien und Senioren sind am Freitag gemeinsam für den Klimaschutz durch die Kronacher Innenstadt marschiert. Fotos: Sandra Hackenberg
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"Mama, was ist ein Schneemann?", steht auf dem Plakat, das der kleine Keno in die Luft hält. Trillerpfeifen, laute Musik aus Lautsprecherboxen und Sprechchöre wie "Klimakrise ist bescheuert, CO2 gehört besteuert!" und "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!": Der Zweijährige weiß nicht genau, was um ihn herum da passiert, doch seine Mutter Isabel Alberts wollte unbedingt auf der Klimademonstration am Freitag Mittag in Kronach ein Zeichen setzen. Schließlich geht es auch um Kenos Zukunft.

"Die Plakate haben wir am Abend davor noch schnell gebastelt und Keno hat mitgeholfen, die Schneemänner darauf auszumalen", erklärt seine Mama. "Schnee kennt er bisher noch gar nicht." Es sei wichtig, auf den Klimawandel aufmerksam zu machen: "Ich habe Freunde, die genau deswegen keine Kinder in die Welt setzen wollen. Das kann es nicht sein."

Einsatz für die Enkel

Auch Maria Naser denkt an die nächste Generation: "Wir sind Omas und machen heute mit, um uns für die Zukunft unserer Enkel einzusetzen", erzählt die Seniorin und deutet auf ihre beiden Freundinnen.

Immer wieder haben in den vergangenen Monaten Jugendliche im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung die Schule bestreikt - auch in Kronach. "Bei uns ist es nicht erlaubt, sich deswegen befreien zu lassen. Es kann sein, dass ich einen Verweis bekomme, aber ich stehe zu meiner Entscheidung", stellt Elena Pietrafesa klar, die auf die Berufsschule in Kulmbach geht und für die Demo kurzerhand geschwänzt hat.

Politik muss aktiv werden

"Schule ist auch wichtig. Aber was bringt sie uns, wenn wir keine Zukunft haben?", findet Manjana Diepholz vom Frankenwald-Gymnasium. Ihre Freundin Carina Rädisch findet: "Die Politik muss langsam realisieren, dass sie aktiv werden muss!"

Damit das passiert, sind am Freitag nicht nur die Schüler, sondern Millionen Menschen weltweit auf die Straßen gegangen. Ob Eltern mit ihren Kindern, Studenten oder Senioren - in Kronach haben sich rund 200 Menschen dem Marsch vom Schulzentrum quer durch die Innenstadt bis zum Stadtgraben angeschlossen. Das Ziel war klar: Druck auf die große Koalition machen, die zeitgleich in Berlin das Klimaschutzpaket verhandelt hat. "Es wird immer viel und lange geredet, bis etwas passiert. Das muss alles schneller gehen", findet Studentin Johanna Thron (21).

In Kronach haben sich Schüler sowie Vertreter aus den verschiedensten Vereinen und Institutionen zusammengeschlossen und den Marsch organisiert. "Jung und Alt müssen hier alle an einem Strang ziehen", erklärt Wolfgang Schmitt, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Kronach sowie des ver.di-Ortsvereins. "Jeder kann seinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Wir sind hier vielleicht in der Provinz, aber auch wir können ein Zeichen setzen, dass wir grüne Bäume haben wollen. Es geht hier um vieles, wenn nicht um alles." Das sieht auch der Vorsitzende der Energievision Frankenwald, Martin Kastner, so: "Die Energiewende ist eine Energierevolution - und die kommt nicht von den großen Konzernen, sondern von unten, von den Bürgern."

Mehr Grün in der Stadt

Die Vorsitzende der Kreisgruppe Kronach des Bundes Naturschutz, Elisabeth Hoffmann, forderte mehr Grün in der Stadt und den Fahrradverkehr in Kronach mehr zu fördern. Auch wünscht sie sich keine neuen Supermärkte auf grünen Wiesen, sondern dass der vorhandene Leerstand genutzt wird. "Wir brauchen auch eine andere Landwirtschaft", findet Hoffmann, die sich mehr Bio-Qualität, glückliche Tiere und faire Preise für die Produkte der Bauern wünscht.

Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) appellierte zudem an die Kronacher, sich mit guten Ideen zur Einsparung von Energie oder ihrer besseren Nutzung an die Vertreter der Stadt und die Gemeinderäte zu wenden. "Das Thema ist jetzt heiß, da müssen wir dran bleiben."

Schüler Christian Detsch war bei der letzten Kundgebung noch als Teilnehmer dabei, diesmal hat er sie mit organisiert. "Wir können damit zeigen, dass wir ein Vorbild sein können", machte er deutlich und erinnerte die Anwesenden daran, dass jeder zuhause einen kleinen Beitrag für den Klimaschutz leisten kann.

"Schöne Grüße nach Berlin. Wir sind sicher nicht das letzte Mal hier, falls sich jetzt nicht wirklich was tut", kündigte Elisabeth Hoffmann an.

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