Laden...
Grössau
Jubiläum

Schnupfverein Grössau feiert Jubiläum mit Schnupf-Wettbewerb

Im Pressiger Ortsteil Grössau gibt es seit 50 Jahren einen Schnupferverein. Dessen Mitglieder feiern am Wochenende 50-jähriges Bestehen. Dabei gibt es auch einen Schnupf-Wettbewerb.
Artikel drucken Artikel einbetten
Manche Schnupftabakdosen sind echte Schmuckstücke.
Manche Schnupftabakdosen sind echte Schmuckstücke.
+4 Bilder
Bertram Glatzer ist eigentlich nur ein Gelegenheitsschnupfer und trotzdem macht ihm in Sachen Schnupfen so schnell keiner etwas vor. Er kennt sie alle, die goldenen Schnupferregeln: So verleiben sich Männer bei Wettbewerben drei Gramm ein, Frauen brauchen nur zwei Gramm einzusaugen. Beim Schnupfen darf man auf keinen Fall niesen. Und natürlich sollte man den Tabak auch nicht zu tief in die Nase ziehen , sonst wird es unangenehm.
Eine echte Wissenschaft für sich ist die Dose, in der der Schnupftabak aufbewahrt wird. Bertram Glatzer lässt seinen Schnupftabak meist in der Originalverpackung, auch wenn die aus Plastik ist und nicht viel hermacht. Aber der Tabak bleibt frisch, schön feucht und aromatisch - und er trocknet nicht aus.

Am liebsten schnupft Bertram Glatzer Aprikosentabak. Doch es gibt auch Mentholtabak und Colatabak, Johannisbeertabak, je nach Geschmack.
Für das große Schnupferjubiläum holt Bertram Glatzer natürlich die Prestige-Dosen heraus. Er hat Schnupftabakdosen aus echtem Kuhhorn - teilweise sogar mit Glitzersteinchen verziert. Und für die Show hat er natürlich auch weiß-blaues Schnupfertuch mit der Aufschrift "Wenn Herz und Mund sich laben, muss die Nase auch etwas haben". "Aber das verwende ich normalerweise nicht", sagt Glatzer lachend und formt einen kleinen Tabakberg auf seinem Handrücken. Kurioserweise hat Glatzer sogar genau dort, wo der Berg sitzt, eine kleine Einbuchtung auf dem Handrücken. "Aber das hat nicht jeder Schnupfer", erklärt er. Und dann saugt Bertram Glatzer den Tabak ein, drückt die Nase zusammen. Nichts. Eigentlich ist der Schnupferverein in Grössau nicht nur ein Verein, in dem sich Schnupfer treffen. "Wir haben auch Mitglieder, die schnupfen gar nicht", erzählt Glatzer.

Motorrad oder Schnupfen

Und außerdem war es ohnehin ein Zufall, dass in Grössau ein Schnupferverein gegründet wurde. Als es um eine Vereinsgründung vor einem halben Jahrhundert ging, überlegten die Männer, die sich regelmäßig im Wirtshaus "Wallesn" trafen, ob vielleicht ein Motorradclub die richtige Wahl sei. Einziges Manko bei der Sache: Nur wenige hatten Motorräder. Und eigentlich wollten ja auch die Frauen eine Chance haben.

So begab man sich auf die Suche nach einem anderen Metier - und schließlich brachte der "alte Schnupfer" Hans Beez seinen Lieblingsspruch aufs Tablett: "Wenn sich Mund und Herz laben, will die Nase auch was haben." Die Idee war geboren - in Grössau wurde ein Schnupferverein aus der Taufe gehoben.

Fünf Gründungsmitglieder

Wilhelm Bayer ergriff die Initiative und nahm mit der Firma Pöschl in Landshut Kontakt auf - und bestellte 27 Schnupfertaschentücher, 14 Bakelitdosen Schwarz für die Männer, 13 Bakelitdosen braun für die Frauen. Damit war der Grundstein gelegt. Heute sind noch fünf Gründungsmitglieder beim Verein: Ferdinand und Resi Kaim sowie Katharina, Hans und Anna Zwosta.

"Aber eigentlich geht es bei uns nicht so sehr ums Schnupfen, sondern um Brauchtum", erklärt Bertram Glatzer. Deshalb ist der Schnupferverein auch jedes Jahr fürs Maibaumaufstellen zuständig. Er schürt ein Johannisfeuer und lädt am 6. Dezember zur großen Nikolausbescherung auf dem Dorfplatz ein.

Und deshalb feiert der Schnupferverein sein 50-jähriges Bestehen auch ganz groß. Zum allerersten Mal in der Vereinsgeschichte möchten die Schnupfer ein Wettschnupfen durchführen. Das haben sie sich vom befreundeten Verein im Bayerischen Wald - in Perlesreut - abgeschaut. Und immerhin holte Erhard Beez in Perlesreuth vor zwölf Jahren Platz 1 beim Wettschnupfen, freut sich Glatzer schon.

Derzeit hat der Schnupferverein Grössau übrigens 180 Mitglieder. Und alle haben ihren Mitgliedsantrag ordnungsgemäß auf einem "Bierfilzla" ausgefüllt, verrät Bertram Glatzer die Gepflogenheiten des Vereins. Die Bierfilzla allerdings werden vorschriftsmäßig gelocht und in einem Ordner abgeheftet. Denn schließlich ist so eine Mitgliedsaufnahme ja ein Verwaltungsakt, der dokumentiert und festgehalten werden muss. Und wenn des nicht funktionieren würde, könnte man ja am Wochenende auch nicht das große Jubiläum feiern.

Das Festprogramm

Freitag, 3. Mai 17 Uhr Abholung der Ehrendamen und Totenehrung am Kriegerdenkmal mit dem Musikverein Grössau/Posseck; Bieranstich durch den Schirmherrn und Bürgermeister Hans Pietz (FW);
18 Uhr Aufstellen des Maibaums, anschließend Stimmungsmusik mit dem Musikverein Zeyern; zur späteren Stunde DJ-Party

Samstag, 4. Mai 18 Uhr Großer Tauzieh-Wettbewerb, anschließend Heimat- und Unterhaltungsabend mit dem Musikverein Grössau/Posseck; Ehrung der Gründungsmitglieder

Sonntag, 5. Mai 8.15 Uhr Kirchenparade und Festgottesdienst im Zelt; Frühschoppen und Wettschnupfen mit der Bergmannskapelle Stockheim mit Weißwurstfrühstück; 13.15 Uhr Aufstellen zum Festzug; 13.30 Festzug; anschließend Unterhaltungsmusik mit dem Musikverein Hesselbach Foto:

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren