Ludwigsstadt
Jubiläum

Schiefer in seiner ganzen Vielfalt

Seit 20 Jahren gibt es das Schiefermuseum in seiner heutigen Konzeption in Ludwigsstadt. Jetzt wurde gefeiert und eine neue Sonderausstellung eröffnet.
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Die neue Sonderausstellung stieß auf großes Interesse. Heike Schülein
Die neue Sonderausstellung stieß auf großes Interesse. Heike Schülein
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Im Deutschen Schiefertafelmuseum der Hermann-Söllner-Stiftung in Ludwigsstadt findet sich Wissenswertes rund um das "blaue Gold" des Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirges. Zur Feier des 20-jährigen Bestehens in seiner heutigen Konzeption konnte Museumsleiterin Manja Hünlein zahlreiche Festgäste begrüßen.

"Beherrschendes Element"

Anhand von rund 50 Dias gab Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig einen Einblick in die Ursprünge sowie Entwicklung des Museums, dessen Anfänge weit über die gefeierten zwei Jahrzehnte zurückreichen. Bereits 1981 wurde in der alten Dorfschule von Steinbach/Haide ein Schiefermuseum gegründet. Auslöser hierfür war eine Ausstellung zur Dorfgeschichte anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der erstmaligen urkundlichen Nennung des Ortes. "Da Schiefer seit Jahrhunderten das beherrschende Element der Region ist, widmeten wir ihm einen eigenen kleinen Bereich", so Scheidig. Das aus kleinsten Anfängen heraus aufgebaute Museum wurde 1986 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ende der 1990er-Jahre - nach Einstellung der letzten Schieferfabrik - erhielt man eine Flut an Exponaten. Aus Platzgründen wurde das Museum 1993 nach Ludwigsstadt, in ein ehemaliges Fabrikgebäude verlegt.

Durch die Hermann-Söllner-Stiftung, die 1991 gegründet wurde und für die Pflege von Heimat und Brauchtum eintritt, konnte ein geeignet großer Bau für das Museum erworben werden: das ehemalige Fabrikgebäude der Bromsilberdruckanstalt in der Lauensteiner Straße. Das 1949 erbaute Gebäude musste vollständig entkernt werden. Nur die Außenwände und tragende Teile blieben erhalten. Für die Einweihung am 17. April 1999 wurde bis zum Schluss gearbeitet.

Auch der Vorstandsvorsitzende der Hermann-Söllner-Stiftung, Alt-Bürgermeister Gert Bayerlein, blickte auf die Anfänge des Museums zurück, dessen Unterhalt alljährlich mit 30 000 Euro zu Buche schlage.

Der Schallersbruch in Ludwigsstadt werde am 21. Mai durch das Landesamt für Umwelt als Vertreter des "Gesteins des Jahres 2019" in Bayern ausgezeichnet. Zudem wird am 2. Juni - wenige Meter neben dem Schiefertafelmuseum - ein Elektromuseum der Hermann-Söllner-Stiftung eröffnet.

"Ohne die Stiftung gäbe es vieles in Ludwigsstadt nicht", würdigte Bürgermeister Timo Ehrhardt. Man könne sehr stolz auf die positive Entwicklung des Museums sein mit einer Vielfalt an Exponaten, die wohl beim Vorbeigehen niemand in dem Gebäude vermuten würde.

Zum Jubiläum gratulierte auch der Vorsitzende des Traditionsvereins Thüringer Schieferbergbau Lehesten, Helmut Färber. Dieser hob die durch das Museum erfolgende touristische Belebung des Rennsteigs hervor.

In humorvoller wie tiefgründiger Art und Weise stellte der Bezirksheimatpfleger Günter Dippold die Bedeutung des Museum sowie die Verdienste der dahinter stehenden Menschen heraus. "Mit 450 qm Ausstellungsfläche kann das Museum zeigen, was es hat", würdigte er.

Menschen hinter dem Museum

Die spektakuläre Rettung eines stanniolgeschmückten Schiefergiebels aus Zeyern aus dem Jahr 1673 zeige, dass das Erreichte laufend erweitert werde. In Sachen Technik sei das Neueste gerade gut genug. Noch wichtiger als mediale Hilfen seien aber die Menschen hinter dem Museum. Viele Freiwillige hauchten dem Museum Leben ein. Herausstellen müsse er die Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft (GHAG) als ideelle und geistige Trägerin.

Bei der Feier wurde die neue Sonderausstellung "Schiefer - Ein Wort mit vielen Facetten" eröffnet, in die GHAG-Mitglied Martin Weber einführte. Bilder und Exponate stellen die ganze Vielfalt von Schiefer dar - in einer beeindruckenden Verbindung von Alt und Neu. Dass man mit Schiefer auch neue Wege gehen kann, zeigt beispielsweise eine Musterkollektion der Firma Heinz Glas mit auf Flakon aufgetragenen feinsten Schieferplatten.

"Schiefer ist unsere Geschichte, unsere Heimat", appellierte Manja Hünlein. Leider werde in unserer Region Schiefer manchmal zu sehr als Relikt der Vergangenheit betrachtet, während anderenorts "richtig geile" neue Schiefer-Häuser entstünden.

Schiefermuseum ist mit modernen Medien Vorreiter in ganz Bayern

Als erstes nichtstaatliches Museum in Bayern verfügt das Schiefertafelmuseum über eine eigene App. Damit können sich alle Besucher ab sofort vom Smartphone oder Tablet führen lassen. Im Rahmen des Jubiläums wurde das neue Angebot vorgestellt.

Anfang 2018 war Museumsleiterin Manja Hünlein durch einen Newsletter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen im Bayern auf das Angebot einer in Baukasten-Form individuell zusammenstellbaren App aufmerksam geworden. "Ich fand das spannend und habe unser Museum gleich angemeldet", erinnerte sie sich zurück. Nunmehr - rund ein Jahr später - habe man eine eigene App.

Die App "Ich führe durchs Museum" zeige als multimedialer Rundgang 18 Stationen auf drei Stockwerke. Es handelt sich um eine Führung für Einzelpersonen. Die App kann man sich auf das eigene Smartphone laden. Darüber hinaus kann im Museum ein Tablet ausgeliehen werden, auf dem sie vorinstalliert ist. Hier steht auch ein WLAN-Hotspot zur Verfügung. Die Nutzung über iPhone wird, so Projektleiterin Wiltrud Gerstner, in wenigen Wochen möglich sein.

Die Texte wurden von Hünlein geschrieben und vom professionellen Sprecher Holger Lappe eingesprochen - ein gebürtiger Kronacher, der nunmehr in München beheimatet ist. Dass Ludwigsstadt als ehrenamtlich geführtes Haus als erstes eine App veröffentlicht, sei, so Gerstner, eine Riesen-Leistung.

Das Projekt wird von der Bayerischen Sparkassen-Stiftung gesponsert. Diese war bei der Feier unter anderem durch den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Kulmbach-Kronach, Klaus-Jürgen Scherr, vertreten sowie durch die Stiftungsbeauftragte Daniela Krüger und Ingo Krüger, geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung. "Sie sind hochinnovativ und damit einigen großen Museen voraus", betonte Ingo Krüger, eine solch "hippe" App gerne zu fördern.



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