Tschirn

Schick will Brücken in den Senegal

Der Erzbischof besuchte Tschirn, wo mit dem Senegalsonntag die Partnerschaft mit dem Bistum Thiès gefeiert wurde.
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Erzbischof Ludwig Schick auf dem Weg in die Kirche von TschirnMichael Wunder
Erzbischof Ludwig Schick auf dem Weg in die Kirche von TschirnMichael Wunder
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Kilometerweite Schulwege, Unterricht in engen und überhitzten Räumen, kaum Lehrmittel - so sieht für viele Kinder im Senegal der Alltag aus. Das Erzbistum Bamberg und das Bistum Thiès pflegen seit elf Jahren eine Partnerschaft, deshalb findet alle Jahre im Bistum ein Senegalsonntag statt. In diesem Jahr hat man die kleine Frankenwaldgemeinde Tschirn als Gastgeber ausgewählt.

Zusammenhalt in schwierigen Zeiten

Erzbischof Ludwig Schick meinte in der Predigt, dass der Senegalsonntag nur einer von mehreren Gründen sei, um Eucharistie zu feiern. Daneben feiert man das Erntedankfest mit den Gaben der Natur und beziehe die Kinder und Jugendlichen mit ein. Als weiteren Punkt der Eucharistiefeier nannte der Bischof das Hauptgebot der Nächstenliebe. Er fragte: "Was hält unsere Welt zusammen?".

Dabei gehöre neben der Freiheit auch die Einheit in den verschiedenen Ebenen dazu. Gerade der jungen Generation sei die Freiheit ein wichtiges Gut. Die Frage der Ehe und Familie sei bei uns genauso wichtig wie im Senegal. Ehe und Familie seien eine Gabe Gottes, deshalb sei Treue und Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten notwendig. Es gelte, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten und sich auf den anderen zu verlassen. Der Bischof sprach auch offen die vorhandenen Probleme der Kirche mit den Kindern und Jugendlichen an. Missbrauch von Kindern sei etwas Schlimmes, zivilrechtlich sei es ein Verbrechen, in der Kirche Verrat an Jesus Christus, sagte er deutlich.

Kinder sollten sich frei entwickeln können, ob unter besten Voraussetzungen wie in Deutschland oder schwierigeren Bedingungen wie im Senegal. Dort sei eine kurze Schulzeit, wenn es diese überhaupt gibt, und Kinderarbeit an der Tagesordnung.

An diesem Wochenende gelte es aber auch für die Gaben der Natur besonders zu danken. "Hier in Tschirn haben viele fleißige Helfer auch den Altar mit Früchten aus den Gärten und der Natur geschmückt", zeigte er sich erfreut. Darüber hinaus sollten die Christen die Nächstenliebe täglich leben.

Erster Bischofsbesuch seit 60 Jahren

Nach der Kirchenparade mit dem Musikverein und den örtlichen Vereinen, begrüßte Pfarrer Detlef Pötzl den Gast aus Bamberg in der Kirche in Tschirn. Den lokalen Aufzeichnungen nach sei vor 60 Jahren letztmals ein Bischof in Tschirn gewesen, sagte Pötzl. Die Freude der Bürger sei deshalb umso größer, dass man das Frankenwaldörtchen für den Senegalsonntag ausgewählt habe.

Nach Gesprächen mit den Bürgern und einem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt gab es auch noch zwei Talkrunden im Jugendheim. Dort sprach nach einem Kurzfilm über den Senegal der Referent Weltkirche, Michael Kleiner, mit verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Alois Berner, der "Vater" der Partnerschaft Bamberg/Thiès hob besonders die senegalesische Gelassenheit hervor. Vor über 50 Jahren habe er bereits mit dem katholischen Landvolk als Entwicklungshelfer im Senegal begonnen. Noch heute ist der 80-Jährige von den Leuten, die wenig haben und trotzdem sehr zufrieden leben, beeindruckt.

Bischof Ludwig Schick meinte in der Talk-Runde, dass es ein großes Ziel der Partnerschaft sei, voneinander zu lernen. Nicht vergessen dürfe man dabei auch die bereits verstorbenen Partner, wie den Bischof, der vor elf Jahren die Partnerschaft mit besiegelte.

In Zukunft stehe der persönliche Austausch im Vordergrund. So seien neben den Jugendaustauschen bereits zwei Priester aus dem Senegal für eine längere Zeit im Erzbistum. Der Bischof sprach sich für eine gute Bildung der Jugend aus. Dabei müssten Brücken gebaut werden. "Einbahnstraßen bringen uns nicht weiter", meinte der Bischof.



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