Es gibt wohl keine Strecke, die sie besser kennt: Täglich pendelt Beatrixe Stolze zwischen ihrem Wohnort Neustadt bei Coburg und ihrer Arbeitsstelle in Schmölz. Knapp 20 Minuten verbringt sie dafür mit ihrem Auto auf den Straßen. Mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Seit vergangenem Donnerstag muss die 44-Jährige allerdings fast die doppelte Zeit für ihren täglichen Weg zur Arbeit und zurück einplanen, denn die Staatsstraße 2200 wird zwischen Theisenort und Beikheim umfangreich saniert, ist daher voraussichtlich noch bis zum 7. September komplett gesperrt.

"Hinwärts fahre ich jetzt immer über Mitwitz, Kronach und dann Richtung Theisenort", erklärt Stolze. Das dauere dann ebenso knapp eine Viertelstunde länger wie der Rückweg über Oberlangenstadt, von wo aus es dann über Beikheim zurück nach Neustadt geht.


Schlechter Zustand

Den Umweg nehme sie aber gerne in Kauf, wenn sich so zukünftig die Situation verbessert. "Die war in der letzten Zeit schon in einem ziemlich schlechten Zustand", erinnert sich Stolze. "Viele Schlaglöcher, viele Risse und viele Ausbesserungen. Das war schon ein ordentliches Geholper!"
Verwunderlich seien die vielen Schäden auf der Staatsstraße nicht, erklärt André Karl, der als Bautechniker bei der Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg arbeitet. Vielmehr seien die Risse und Schlaglöcher das Resultat des hohen Verkehrsaufkommens, für das die B 303 und die Autobahn-Anschlussstelle Ebersdorf bei Coburg gesorgt haben. "Die Straße ist einfach nicht darauf ausgelegt, das alles mit aufzunehmen", betont Karl.
Den Abschnitt zwischen Beikheim und Schmölz nutzen nach Angaben der Kronacher Servicestelle jeden Tag durchschnittlich 8107 Fahrzeuge, den Bereich von Schmölz in Richtung Theisenort 7209. "Für eine Staatsstraße ist das schon relativ viel", sagt Karl.


Vier Zentimeter abgefräst

Das Verkehrsaufkommen reduziere sich wohl erst dann wieder, wenn die Lerchenhoftrasse gebaut ist. Doch das kann bekanntlich noch dauern - weshalb nun die Staatsstraße auf den exakt 3165 Metern zwischen Theisenort und Beikheim eine neue Oberfläche erhält. 1,05 Millionen Euro sollen die Baukosten dafür betragen.

Inzwischen ist der oberste Teil - die Asphaltdeckschicht - bereits abgefräst worden. Etwa vier Zentimeter hat die Fräsmaschine entfernt. Aktuell geht es nun der darunterliegenden schadhaften Asphalttragschicht an den Kragen. "Da waren einige Stellen bei, die wir markiert haben, nachdem die Decke abgefräst war", erklärt Karl. An denen werde die Tragschicht noch um weitere 14 Zentimeter ausgefräst. Immerhin auf einer Fläche von insgesamt 3500 Quadratmetern, was ungefähr einem halben Fußballplatz entspricht.

Ist schließlich die neue Tragschicht an Ort und Stelle, kommt darauf nicht wieder sofort die neue Fahrbahndecke, sondern zusätzlich noch eine fünf Zentimeter dicke sogenannte Asphaltbinderschicht. Diese überträgt die durch den Verkehr verursachten Kräfte in die unteren Schichten der Straße und verhindert so Verformungen.

"Weil wir vier Zentimeter abgefräst haben, aber wegen der zusätzlichen Schicht 8,5 Zentimeter aufbauen, sind wir mit der Fahrbahn jetzt höher", sagt Bautechniker Karl. Die Folge: Das Höhenverhältnis zwischen Fahrbahn und Leitplanke (offiziell Schutzplanke) passt nicht mehr. "Daher haben wir uns dazu entschieden, die auch gleich mit auszutauschen."


Noch nicht zugelassen

Zwar werden es die Autofahrer nicht merken, auf der Hälfte der neuen Strecke besteht der Asphalt aus einer zusätzlichen Zutat. "Ungefähr 12 000 Quadratmeter des Asphalts werden mit einer Aramid-Faser versehen, um die Straße länger haltbar zu machen", erklärt André Karl. Normalerweise wird der Kunststoff-Verbund Aramid in Schutzhelmen oder beschusshemmenden Westen verwendet, neuerdings allerdings auch im Straßenbau.
Offiziell zugelassen ist diese Bauweise aber noch nicht, weshalb das zuständige Ministerium erst noch seine Zusage erteilen musste. "Der Sachbearbeiter im Ministerium ist von solchen neuen Bauweisen immer nicht so begeistert. Aber er hat es genehmigt, weil wir uns einig waren, dass man sich vor solchen neuen Sachen nicht verschließen sollte und es ausprobieren muss, um Langzeitwerte zu bekommen", berichtet Karl.


Straße wird Versuchsstrecke

Sind die Arbeiten abgeschlossen, wird die Straße eine von bayernweit drei Versuchsstrecken für Asphalt mit Aramid-Fasern sein. Den Zeitpunkt für die Arbeiten findet Beatrixe Stolze gut gewählt. "Jetzt habe ich ja eh Urlaub, von daher fallen schon mal zwei Wochen weg, dann geht das schon", sagt sie und lacht.

Diese Folgen haben die Sanierungsarbeiten

Umleitung: Wer von Kronach nach Coburg fahren möchte, muss bis zum Abschluss der Arbeiten an der St 2200 eine Umleitung nutzen. Ausgewiesen hat die Servicestelle Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg eine Strecke, die über die B 173 bis Redwitz an der Rodach führt. Anschließend geht es auf die St 2208 bis Beikheim und schließlich auf die B 303 nach Coburg.

Knotenpunkt:
Um das höhere Verkehrsaufkommen am Knotenpunkt St 2208/B 173 in Redwitz an der Rodach aufnehmen zu können, wird im Zuge der St 2208 ein Rechtseinbiegestreifen angebaut. Während der Vollsperrung wird der Knotenpunkt vorübergehend auch mit einer Ampelanlage ausgestattet.

Überprüfung: Dass die St 2200 komplett gesperrt ist, hat das Bauamt dazu genutzt, im Vorfeld der Arbeiten noch die Entwässerungsrohrleitungen zu reinigen und mit einer Kamera auf mögliche Schäden zu überprüfen. "Das bot sich an, da der Bagger für solche Arbeiten die halbe Straße blockieren würde", erklärt Bautechniker André Karl. Drei bis vier Stellen, an denen die Leitung erneuert werden muss, seien so festgestellt worden. "Aber das ist keine große Aktion."