Das Aufgabenfeld, das RVT Process Equipment bedient, ist vielfältig und für Laien schwer verständlich. Denn das Unternehmen liefert maßgeschneiderte Komponenten und Technologien, beispielsweise für Raffinerien, die Petrochemie oder auch Müllverbrennungsanlagen. Am Unternehmenssitz in Steinwiesen werden Verwaltung, Vertrieb, Engineering und die gesamte Projektabwicklung durchgeführt. Fertigungsstandorte unterhält RVT in Marktrodach und im Großraum Shanghai in China. Weiterhin sind Vertriebsniederlassungen in China und den USA Bestandteile des Unternehmens.

"Unsere nächsten Kunden sitzen im Rhein-Main-Gebiet, in München oder im Ruhrgebiet. Doch während in Europa der Markt stagniert, kommen jetzt sehr stark die Boom-Regionen"; verrät der langjährige Geschäftsführer Werner Geipel. Und mit Boom-Regionen meint er Asien und Russland. Denn dort werden aktuell neue Anlagen gebaut.

Jahrzehntelange Erfahrung

Werner Geipel (65) ist bereits seit 1979 als Geschäftsführer bei RVT tätig. Er kam nur drei Jahre nach der Gründung des Bereichs "Verfahrenstechnik" zur Rauschert-Gruppe. Hautnah erlebte Geipel mit, wie der Produktbereich in die Rauschert Verfahrenstechnik GmbH umgewandelt wurde und neun Jahre später - im Jahr 2005 - durch Rainer Kober von der Rauschert-Gruppe abgetrennt und in die neu geschaffene Kober-Group integriert wurde. Vor fünf Jahren hat sich das Unternehmen in die RVT Process Equipment GmbH umfirmiert.

Inzwischen hat sich Rainer Kober aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Und jetzt steht der nächste Meilenstein an: denn die Familien Geipel und Rüger haben einen Management-Buy-Out vollzogen. Das bedeutet: RVT hat neue Eigentümer und eine neue Geschäftsführung.

Zum erfahrenen Werner Geipel kommt sein Sohn Christian Geipel (40) in die Führungsverantwortung hinzu. Er ist seit August im Unternehmen und hat als Ingenieur im Anlagenbau weltweit Erfahrungen sammeln können. Seit April ist noch ein dritter Mann in der Geschäftsleitung aktiv: Herbert Rüger (59). Er war für ein Maschinenbauunternehmen jahrelang in verantwortlicher Position in China tätig und kann seine Erfahrungen nun für RVT nutzen.

Kurs ist gesetzt

Gemeinsam wollen die drei Führungskräfte das Unternehmen zukunftssicher aufstellen. "Wir leiten den Generationswechsel ein. Viele mittelständische Unternehmen haben Nachfolgeprobleme, das soll uns nicht passieren", erklärt Werner Geipel.

Das besondere an RVT ist, dass nicht nur technische Bauteile hergestellt, sondern auch komplette Anlagen geplant und gebaut werden. Mit den Anlagen lässt sich beispielsweise Ammoniak aus Abwasser entfernen oder organische und anorganische Schadstoffe lassen sich abtrennen. Ein anderer Anlagentyp dient der Abscheidung von Schadstoffen aus industriellen Abgasen. Ein Anwendungsgebiet sind zum Beispiel Müllverbrennungsanlagen. Shell, BASF, Bayer und viele andere namhafte Unternehmen gehören zu den Kunden von RVT.

Über 150 Mitarbeiter

Insgesamt verfügt RVT über 110 Arbeitskräfte in Deutschland und 40 weitere in den USA und China. Der Umsatz beläuft sich inzwischen auf etwa 30 Millionen Euro pro Jahr. Wenn es nach Christian Geipel geht, dann sollen Umsatz und Gewinn weiter moderat steigen. "Wir wollen organisch wachsen", nennt es der 40-Jährige. Eben so, dass der Ausbau aus eigener Kraft und ohne Fremdkapital zu managen ist.

"Wir brauchen Akademiker. Diese können nur zum Teil aus der Region rekrutiert werden. Wenn gut ausgebildete Leute aus anderen Regionen keine Familie haben, ist es zugegebenermaßen schwer, die jungen Leute hierher zu bekommen", sagt Werner Geipel. Doch bei der Fachkräfte-Rekrutierung geht er auch neue Wege. Gerade entsteht sogar ein Werbespot fürs Kino. "Wenn bei den Fachkräften erst einmal Kinder da sind, ist es manchmal einfacher. Denn der Frankenwald bietet auch Vorteile wie günstige Immobilien und viel Natur", so Geipel. Und bislang ist es noch immer gelungen, die gewünschten Fachkräfte aus dem Bereich Maschinenbau oder Verfahrenstechnik ins Fränkische zu locken. Auch motivierte Azubis sind bei RVT willkommen. Derzeit bildet das Unternehmen 13 junge Menschen im gewerblichen Bereich, als technische Zeichner und im kaufmännischen Bereich aus.

Kommunen in der Pflicht

Nur eines ist nicht gut, nimmt Geipel kein Blatt vor den Mund: das Internet. "Wir haben uns an das Glasfaserkabel von Thüga Meteringservice GmbH anschließen lassen - von Naila Richtung Kronach. Denn damit haben wir eine Standleitung zwischen Marktrodach und Steinwiesen. Wir tauschen ja große Datenmengen aus", sagt Geipel. "Ich finde, da müssten die Kommunen mehr eingreifen. Denn schnelles Internet ist heute noch wichtiger als Autobahnen.

"Wir haben gerade eine Videokonferenz mit München und Indien gehalten. Da brauche ich keine Autobahn, da braucht man nur leistungsfähige Leitungen", so Geipel.

In den nächsten Wochen wird sich die neue Geschäftsführung strukturieren und die Aufgabengebiete verteilen. "Wir wollen dann die Ergebnisse auf einer Personal- und Betriebsversammlung noch vor Weihnachten präsentieren", erklärt Werner Geipel. Sicher ist, dass Herbert Rüger seine China-Erfahrungen einbringen wird. Und fest steht auch schon, dass Christian Geipel im Bereich Verfahrenstechnik Verantwortung übernehmen wird.
Auch in Zukunft soll die Zuverlässigkeit oberstes Gebot sein. Denn darauf kommt es in diesem Produktbereich an. "Unsere Kunden betreiben Anlagen, die pro Tag Millionen-Umsätze machen. Da sind keine Experimente erlaubt, diese Anlagen müssen 365 Tage im Jahr laufen", erklärt Geipel.

Auch kleine Abnehmer

Einen Kunden hat RVT übrigens auch in der Region: einen Koi-Karpfen-Züchter. Der setzt die Füllkörper zur Wasseraufbereitung seiner Koi-Becken ein. "Aber das ist einer unserer kleineren Abnehmer", sagt Christian Geipel lachend und freut sich auch über diesen heimischen Kunden. Übrigens soll die Verbundenheit zur Region auch in Zukunft fester Bestandteil der Neukonzeptionierung sein. "Eigentlich ändert sich nichts, denn die Mitarbeiter sind ja dieselben", bringt Geipel die Ausrichtung auf den Punkt.