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Kronach
Trinkwasserversorgung

"Die kommenden Tage sind entscheidend": Großer Test an der Ködeltalsperre geplant

Zwar wurden die Helfer des THW inzwischen von der Ködeltalsperre abgezogen, doch die Stille täuscht: Die kommenden Tage sind für die anstehenden Reparaturmaßnahmen entscheidend.
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Die kommenden Tage sind für die Ködeltalsperre in Mauthaus entscheidend: Umfangreiche Testläufe des neu verlegten Inliners im leckgeschlagenen Versorgungsrohr stehen an.  Foto: Marco Meißner
Die kommenden Tage sind für die Ködeltalsperre in Mauthaus entscheidend: Umfangreiche Testläufe des neu verlegten Inliners im leckgeschlagenen Versorgungsrohr stehen an. Foto: Marco Meißner

Die Wege des Wassers sind unergründlich. Das trifft - zumindest noch im Moment - auf die Talsperre in Mauthaus zu. Am Mittwoch ist es zwei Monate her, dass das automatische Kontrollsystem Alarm geschlagen und Undichtigkeiten im Bereich der beiden Versorgungsrohre gemeldet hat - und genauso lange ist eines der beiden Rohre außer Betrieb. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch immer unklar. Doch das wird sich bald ändern.

Denn innerhalb der defekten Leitung wurde ein Inliner verlegt - ein aufblasbarer Schlauch aus Kunststoff, der das Rohr von innen abdichtet. Läuft alles nach Plan, könnte das Wasser bereits in einigen Tagen wieder durch den dafür eigentlich vorgesehenen Kanal fließen. Vorher stehen jedoch umfangreiche Tests an. Die Verantwortlichen wollen bei diesem entscheidenden Schritt nichts dem Zufall überlassen.

Ködeltalsperre: Noch immer treten rund 25 Liter Wasser pro Sekunde aus

"Wir wollen den Inliner schnellstmöglich in Betrieb nehmen", bestätigt der Leiter des Kronacher Wasserwirtschaftsamts, Hans Hemmerlein, auf Anfrage des Fränkischen Tags. Denn noch immer sei festzustellen, dass rund 25 Liter Wasser pro Sekunde irgendwo an der Talsperre austreten. "Das ist eine Kleinstmenge, die wir ständig messen. Die Tendenz ist zwar fallend. Doch da müssen wir natürlich genau schauen, wo die herkommt."

Eine undichte Stelle am Grundablass der Ködeltalsperre sei dabei genauso denkbar wie ein Leck am zweiten Versorgungsrohr, das derzeit das Rohwasser transportiert. "Es könnte sein, dass das zweite Rohr ebenfalls eine undichte Muffe oder einen Riss hat. Doch das wissen wir erst, wenn wir es stilllegen und untersuchen können."

Das wiederum sei jedoch erst möglich, wenn der Inliner in Betrieb ist und das Rohwasser zuverlässig zum Betriebsgebäude transportiert. Derzeit stimmt sich das Wasserwirtschaftsamt mit der Fernwasserversorgung darüber ab, was genau getestet werden soll und wie.

Ein Expertengremium, bestehend aus der Kronacher Behörde, Hochschulprofessoren, Umweltministerium und dem Landesamt für Umwelt, tauscht sich regelmäßig aus. "Es geht darum, zu testen, wie sich das Material unter Land verhält", erklärt Hemmerlein. "Wir benötigen eine genaue Vermessung des Inliners und müssen dynamische Bewegungen vorherberechnen."

Tückische Wirrungen

Immerhin handele es sich um eine 300 Meter lange Leitung mit Krümmungen. "Überall, wo es nicht gerade ist oder das Material wechselt, kann es zu Vibrationen kommen." Bisher gibt es keinerlei Vergleichsfälle. "Das hat nichts mit dem zu tun, wofür die Ködeltalsperre ursprünglich gebaut worden ist."

Trotz aller Berechnungen könne niemand mit Sicherheit sagen, wie die Tests in der Praxis verlaufen. Vor allem an den Schnittstellen kann es laut Hemmerlein zu Problemen kommen. "Die zulässige Fließgeschwindigkeit, die wir im Normalbetrieb haben, sind drei Meter pro Sekunde." Das seien 600 Liter, die jede Sekunde durch die Leitung schießen. "Da müssen wir uns über die Tests erst einmal rantasten."

Da der Inliner bereits steht und das Wasser aktuell auch mit Feuerwehrschläuchen über die Hochwasserentlastung abgepumpt wird, konnten die Helfer des THW inzwischen größtenteils abrücken. "Sie sind jedoch weiterhin in Bereitschaft und könnten, falls nötig - je nach Entfernung - in zwei bis fünf Stunden wieder hier sein." Die Geräte seien zur Sicherheit vorerst an der Ködeltalsperre verblieben.

Lob fürs THW

Dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes ist es wichtig, noch einmal auf die großartige Arbeit zu verweisen, die Dutzende Einsatzkräfte des THW in den vergangenen acht Wochen vor Ort vollbracht haben: "Das war eine absolute Sternstunde des THW. Daran sieht man, wie wichtig und gut dessen Einsatzkräfte sind und wie hoch ihre Bereitschaft ist, ehrenamtlich für die Gemeinschaft einzustehen."

Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, können Hemmerlein und seine Kollegen endlich die Wege des austretenden Wassers ergründen - und damit auch die Ursache, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

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