Kronach
Geburtshilfe

Rückgang bei Geburten in Kronach: Frankenwaldklinik hält aber an Geburtsstation fest

2018 werden an der Helios-Frankenwaldklinik erneut weniger Kinder zur Welt kommen. Die Station steht dennoch angeblich nicht infrage. Mit einem Kommentar.
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Längst zeichnet sich ab, dass in Kronach deutlich weniger Kinder zur Welt gebracht werden als noch in den Vorjahren. Dennoch stehe die geburtshilfliche Abteilung nicht zur Debatte, heißt es vonseiten der Helios-Frankenwaldklinik. Symbolfoto: Uli Deck/dpa
Längst zeichnet sich ab, dass in Kronach deutlich weniger Kinder zur Welt gebracht werden als noch in den Vorjahren. Dennoch stehe die geburtshilfliche Abteilung nicht zur Debatte, heißt es vonseiten der Helios-Frankenwaldklinik. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

An der Kronacher Helios-Frankenwaldklinik geht man derzeit von etwa 435 Geburten bis zum Jahresende aus. Ein Minuswert. Trotzdem soll die zuletzt gebeutelte geburtshilfliche Abteilung nicht zur Debatte stehen, wie Pressesprecher Stefan Studtrucker auf unsere Nachfrage versichert.

"In der Tat sind die Geburtenzahlen in unserem Haus bereits seit mehreren Jahren rückläufig: Erblickten im Jahr 2015 noch 536 Kinder das Licht der Welt in unserem Kreißsaal, so waren es 2016 noch 499 Neugeborene und 459 Babys im Jahr 2017", stellt Studtrucker fest. "In diesem Jahr liegen wir Mitte November bislang bei 376 Geburten." Doch selbst wenn die anvisierten 435 Babys in Kronach noch erreicht werden, würde das einen weiteren Rückgang bedeuten, "wenn auch weniger ausgeprägt als in den Vorjahren".

Gegenläufiger Trend

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Könnte bei der weiteren Annäherung an die 400er-Marke sogar die Zukunft der geburtshilflichen Abteilung zur Diskussion stehen? Immerhin hatte sie - eigentlich ein Aushängeschild der Kronacher Klinik - schon vor einem Jahr unfreiwillig für Spekulationen gesorgt. Zwei Krankheitsfälle hatten im Oktober 2017 gereicht, um einen kritischen Engpass auf der Entbindungsstation herbeizuführen. In diesem Zuge war auch schnell vom Imageschaden und vom Zweifel an der Rentabilität einer solchen Station bei weniger als 500 Geburten pro Jahr die Rede.

Eine Zahl, die inzwischen weit unterschritten wird. Zu denken gibt außerdem, dass andernorts deutlich steigende Geburtenzahlen zu Buche stehen. Geschäftsführerin Brigitte Angermann verweist am Beispiel der Kulmbacher Klinik darauf, dass die Zahl der Babys an ihrer Einrichtung von 2015 bis 2017 beständig gestiegen ist (645, 709, 755). Bis Ende Oktober waren heuer 641 Geburten verzeichnet (plus acht gegenüber dem Vorjahreswert).

"Die Steigerung bei den Geburtenzahlen entspricht der allgemeinen Tendenz, dass sich wieder mehr Familien für Kinder entscheiden", erklärt Angermann. "Die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder wurden in den letzten Jahren erheblich verbessert, so dass beide Ehepartner einer geregelten Arbeit nachgehen können." Nebenbei stellt sie konstante Zahlen bei den Gebährenden aus dem Landkreis Kronach an ihrer Klinik fest.

Dafür, dass es in Kronach bei den Geburten zurzeit eine andere Entwicklung als in Kulmbach gibt, sieht Studtrucker vielfältige Gründe. "Neben dem allgemeinen demografischen Trend hat sich merklich ausgewirkt, dass seit etwa zwei Jahren Frühgeburten vor der 36. Schwangerschaftswoche an Spezialkliniken abgegeben werden", nennt er einen. "Auch Diabetesfälle erfordern mittlerweile eine darauf ausgerichtete Behandlung an anderen Standorten." Diese Einschränkungen hätten die Geburtenzahl in den vergangenen Jahren "geschätzt um insgesamt mehrere Dutzend niedriger als zuvor" ausfallen lassen.

Aber auch die "unbegründeten Mutmaßungen über die Zukunft der Geburtshilfe in Kronach" hätten sich in den Zahlen niedergeschlagen. "Manche werdende Mutter fühlt sich vielleicht verunsichert durch solche Aussagen und passt ihre Planungen entsprechend an", glaubt Studtrucker.

Ein positives Signal gegeben

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Dafür gibt es seiner Ansicht nach allerdings keinen Grund - auch nicht mit Blick auf die aktuelle Entwicklung. Er tritt Spekulationen klar entgegen und sagt: "Die Geburtshilfe ist und bleibt ein bedeutendes Aushängeschild der Klinik, und es existieren derzeit keine Planungen, dies zu ändern."

Die vor Kurzem vereinbarte Kooperation mit der Bamberger Akademie für Gesundheitsberufe und der Sozialstiftung Bamberg dürfe als ein entsprechendes Signal gesehen werden. Dadurch sei Kronach zum Ausbildungsstandort für Hebammen und Geburtshelfer geworden.

"Es zeigt, dass wir eine Zukunft in der Geburtshilfe am Standort Kronach sehen und daran arbeiten, aktuelle Schwierigkeiten zu bewältigen", unterstreicht der Pressesprecher. Gleiches gelte für das laufende Re-Zertifizierungsverfahren als "babyfreundliche Geburtsklinik", das werdenden Eltern belegen soll, "dass sie und ihr Nachwuchs bei uns in besten Händen sind".

Das sagt der Betriebsrat

Sicherung Der Vorsitzende des Betriebsrats an der Helios-Frankenwaldklinik, Manfred Burdich, hofft darauf, dass die Geburtshilfe-Station langfristig gesichert und gestärkt werden kann.

Richtiger Weg Die aktuelle Kooperation mit der Akademie für Gesundheitsberufe und der Sozialstiftung Bamberg sei ein erfreulicher und richtiger Weg, würdigt er grundsätzlich diese Entscheidung. Allerdings müsse man auch sehen, dass dadurch kurzfristige personelle Engpässe der Abteilung nicht aufgefangen werden könnten. "Und die Hebammen machen teilweise Zwölf-Stunden-Schichten", so Burdich. Hier sieht er weiter Handlungsbedarf.

Kommentar von Redaktionsmitglied Marco Meißner

Als unser Sohn geboren wurde, stand eines fest: Wir fühlten uns an der damals noch nicht privatisierten Frankenwaldklinik gut aufgehoben. Diese Meinung bekommt man oft zu hören - auch nach dem Wechsel der Klinik in Konzernhände. So oft Kritiker auf die unterschiedliche Qualität der Behandlung in verschiedenen Abteilungen hinweisen - von der tollen Betreuung hier bis zur Enttäuschung da -, die Geburtshilfe hat sich über die Jahre ein gutes Renomee erarbeitet und bewahrt.

Für den künftigen Geschäftsführer Philipp Löwenstein wird es eine Kernaufgabe sein, diese Abteilung zu sichern, stellt sie doch einen Teil des Tafelsilbers dar, mit dem die Klinik auf lange Sicht ihr Image wieder aufpolieren könnte.

Ein erster Schritt wäre eine - auch kurzfristige - Verstärkung des Teams, um die zuletzt an der Klinik häufig diskutierten Überlastungen abzufedern. Denn nur mit ausgeruhtem Personal lassen sich extreme Stress-Situationen wie bei einer Entbindung so wegstecken, dass die Eltern nach der Geburt nach Hause gehen und sagen: Hier waren wir gut aufgehoben.



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